Ist mein Zahnarzt zu teuer?

Wie erkenne ich unnötige Zahnbehandlungen?

Der Gang zum Zahnarzt ist schon fast ein Synonym fürs geschröpft werden, obwohl die meisten Behandlungskosten vom Gesetzgeber entweder festgeschrieben sind, oder einen Kostenrahmen bekommen haben, der ohne Einwilligung des Patienten nicht zu knacken ist. Aber Sie werden ja einen Verdacht haben, warum Sie sich mit diesem Thema beschäftigen: Ihr Zahnarzt erscheint Ihnen zu teuer, oder Sie glauben, dass die vorgeschlagenen Behandlungen bei Ihnen gar nicht nötig sind.

Beim Geld scheiden sich die Geister.

Zahnarztrechnung zu hoch

Zunächst einmal haben wir einen normalen Kostenrahmen für Behandlungen festlgelegt und gute Gründe für Abweichungen nach oben berücksichtigt. Da die höchsten Kosten beim Zahnersatz entstehen, kann man hier auch die größten Kostensprünge beobachten. Professionelle Zahnreinigungen und Kunststofffüllungen haben dagegen aufgrund ihrer Häufigkeit eine erhebliche Relevanz für das Patienten-Portemonnaie.

Kostenvergleich Zahnbehandlungen normal und zu teuer
Private Zahnbehandlungen mit Zuzahlung für Kassenpatienten
Zahnbehandlung normale Zuzahlung überhöht
Kunststoff-Füllung (2flächig) 60-90€ >120€
Profession. Zahnreinigung (50 min.) 70-120€ >160€
Keramikkrone Seitenzahn 400–750€ >1000€
Implantat (ohne Krone) 900-1200€ >1400€

Gründe für höhere Kosten beim Zahnersatz

Vergessen Sie nicht, auch ein Zahnarzt muss wirtschaftlich arbeiten. Er hat hohe Personalkosten und die technische Ausstattung und Instandhaltung verschlingt einen enormen Batzen Geld. Als Begründung für teurere als übliche Rechnungen können dann durchaus weitere Aspekte angeführt werden, die nachvollziehbar sein können:

  • Höchste ästhetische Ansprüche (teures Fremdlabor)
  • Teures Umfeld (teure Stadt)
  • Besonders teuer ausgestattete Praxis
  • Qualitativ besonders hochwertig arbeitender Zahnarzt (schwer messbar)
  • Einzigartige Leistung des Behandlers (Spezialist)

Wenn die Zahnarztpraxis jedoch ein eigenes Labor (Praxislabor) betreibt (häufig bei großen Zahnarztpraxen), gibt es kaum einen Grund für besonders hohe Preise, denn selten sind hier Ausnahmekünstler am Werk. Ein Preisvergleich mit gewerblichen Labors kann hier schnell Klarheit schaffen.

Bei professionellen Zahnreinigungen spielen vor allem Sorgfalt und Zeitaufwand eine Rolle, die man letztendlich bei jeder Behandlung als Patient einfordern darf. Als delegierte Leistung (ausgebildete ZFA) ist eine sehr teure Rechnung zahnärztlich kaum begründbar.

Unnötige Behandlungen beim Zahnarzt

Die medizinische Indikation für eine Behandlung stellt der Zahnarzt. Sie kann und darf hier grundsätzlich nicht infrage gestellt werden.

Es kann aber Hinweise geben, dass vorgeschlagene Behandlungen eher dem Praxiskonzept als Ihrer Gesundheit dienen. Wenn ein Zahnarzt z.B. darauf besteht, dass bei Ihnen eine professionelle Zahnreinigung gemacht werden muss, obwohl Sie eine sehr gute Zahnpflege betreiben, ist das zu hinterfragen. Es gibt nämlich keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass eine PZR bei einem sehr gut gepflegten Gebiss einen positiven Effekt hat. Auch die Idee, erst einmal alle alten Füllungen durch (qualitativ minderwertige) Zementfüllungen zu ersetzen, um z.B. später hochwertige Keramikfüllungen zu machen, hat medizinisch nur in Ausnahmefällen (z.B. sehr nervnahe Karies) einen Nutzen.

Wenn Sie sich unsicher sind, ob vorgeschlagene Behandlungen bei Ihnen wirklich gesundheitlich hilfreich sind, sollten Sie sich eine 2. Meinung einholen. Und das ohne schlechtes Gewissen. Schließlich hat es Ihr Zahnarzt versäumt, Vertrauen zu schaffen.

Hinweise auf unnötige Zahnbehandlungen:

  • Es sollen Füllungen gemacht werden, aber bei Ihren Zähnen wurde bisher noch nie Karies entdeckt
  • Ein Zahn soll eine Krone bekommen, der gesund und füllungsfrei ist
  • Eine Parodontosebehandlung soll gemacht werden, obwohl Sie keine Zahnfleischtaschen haben und kein Knochenabbau im Röntgenbild zu sehen ist.
  • Sie werden zu einer PZR gezwungen, obwohl Sie keine Fehler in der Zahnpflege machen
  • Es werde Ihnen mehr als 6 (-8) Implantate bei Zahnlosigkeit für eine feste Brücke vorgeschlagen

Hohe Steigerungsfaktoren bei privaten Leistungen

Die private Gebührenordnung (GOZ 2012) sieht vor, dass Leistungen bis zum 2,3fachen Satz ohne Begründung und bis zum 3,5fachen Satz mit einer (patientenbezogenen) Begründung in Rechnung gestellt werden dürfen. Darüber hinaus bedarf es einer schriftlichen Zusatzvereinbarung. Die Beihilfe erstattet (trotz Begründung) meist nicht über dem 2,3fachen Satz und Privatversicherungen nicht oberhalb des 3,5fachen Satzes.

Wenn ein Zahnarzt für eine Leistung also über den 3,5fachen Satz geht, muss auch der Privatpatient trotz guter Absicherung in die eigene Tasche greifen. Man mag sich dann als Patient fragen, ob die Erhöhung tatsächlich der enormen Schwierigkeit bzw. einem erhöhten Behandlungsaufwand geschuldet ist, oder doch eher einer besonders guten Preiskalkulation im Sinne der Praxis dient. Gerade bei zahnärztlichen Allerweltsleistungen, wie z.B. Kronen und Füllungen bei Backenzähnen, dürften sehr hohe Steigerungsfaktoren eher schwer begründbar sein.

Literatur

Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) 2012 
Preislisten Implantathersteller: JMP-Dental, Komet
Preislisten verschiedener Dentallabore: Bartels u. Ursprung, Dentallabor Kappert in Essen, WeJo Düsseldorf, Zahnersatz Müller (Import) Ratingen

Letzte Aktualisierung am Mittwoch, 06. Februar 2019