Implantatpflege: So reinigen Sie Ihre Zahnimplantate richtig!
Implantate sind keine Zähne. Unter dem Zahnfleisch fehlt ihnen viel von dem, was natürliche Zähne vor Bakterien schützt: der Zahnhalteapparat mit seinen dichten Fasern, seiner guten Durchblutung, seinen Abwehrzellen und seinem reinigenden Flüssigkeitsstrom aus der Tiefe. Das macht Implantate anfälliger für Entzündungen – und diese Entzündungen verlaufen am Implantat leider schneller und sind schwerer zu behandeln.
Die gute Nachricht: mit einer gesunden Mundflora ist das Risiko für Entzündungen gering. Zwar müssen wir bei der Pflege von Implantaten bestimmte Dinge beachten, aber am wichtigsten bleibt es, tagtäglich für eine gesunde Mundbiologie zu sorgen.
Implantatpflege im Überblick
| Das Wichtigste | Eine gesunde Mundbiologie schützt auch Implantate. Wer konsequent für ein ausgewogenes orales Mikrobiom sorgt, hält das Entzündungsrisiko gering – unabhängig vom Versorgungstyp. |
| Der Unterschied zum Zahn | Implantaten fehlt der natürliche Zahnhalteapparat. Das Zahnfleisch liegt lockerer an, Bakterien dringen leichter ein, und Entzündungen schreiten schneller voran als am Zahn. |
| Der kritische Bereich | Der Übergang zwischen Zahnfleisch und Implantat (Abutment) – hier entscheidet sich, ob das Implantat gesund bleibt. |
| Tägliche Pflege | Zahnbürste allein reicht meist nicht. Interdentalbürsten oder Munddusche sind nötig – besonders um Abutments und unter Stegen/Brücken. |
| Professionelle Reinigung | Je nach Risiko bis zu 4×jährlich. Mit implantatschonenden Instrumenten (Kunststoff, Pulverstrahler – keine Metallküretten). |
| Warnsignal Nr. 1 | Zahnfleischbluten am Implantat. Nicht ignorieren – kann erstes Zeichen einer Mucositis sein, die noch vollständig umkehrbar ist. |
Implantat und Zahn: wo sind die Unterschiede?
Ein Implantat mit aufgesetzter Krone sieht aus wie ein Zahn, funktioniert wie ein Zahn – aber unter dem Zahnfleisch ist es fundamental anders aufgebaut. Wer diesen Unterschied versteht, weiß auch, an welchen Stellen er bei der täglichen Pflege besonders aufmerksam sein sollte.
Der Zahnhalteapparat: ein funktionale Schutzsystem
Ein Zahn sitzt nicht starr im Knochen. Er ist über ein komplexes Fasersystem verankert, das den Zahn fixiert, Kaukräfte abfedert, Bakterien abschirmt, Immunzellen mobilisiert und die Kaubelastung sensomotorisch kontrolliert.
Am Zahnhals verankern dentogingivale Fasern das Zahnfleisch fest am Zahn – eine dichte Verbindung, die Bakterien den Weg in die Tiefe versperrt. Zirkuläre Fasern umschließen den Zahn ringförmig wie eine Manschette und dichten den Sulkus, die schmale Furche zwischen Zahn und Zahnfleisch, nach außen ab.
Aus dieser Furche fließt kontinuierlich Sulkusflüssigkeit nach außen: gespeist vom Gefäßnetz des Desmodonts in der Tiefe, transportiert sie Immunzellen, Antikörper und Komplement direkt an den gefährdeten Übergang und spült Bakterien mechanisch aus der Furche heraus. Dieser Strom von innen nach außen ist ein oft unterschätzter Teil der biologischen Abwehr.
In der Tiefe liegt das Desmodont (Parodontalligament): ein 0,2 mm schmaler Faserraum zwischen Wurzel und Knochen. Er verankert den Zahn federnd – nimmt also Kaukräfte wie ein Stoßdämpfer auf und verteilt sie gleichmäßig auf den Knochen. Er bildet über sein eigenes Gefäßnetz eine lebendige Gewebsschicht zwischen Bakterien und Knochen. Und er versorgt dieses Gewebe mit Immunzellen, die auf eindringende Keime schnell reagieren. Druckrezeptoren (Propriozeptoren) im Desmodont melden dem Gehirn, wie fest man zubeißt – ein Schutzmechanismus, der Überlastung verhindert.
Am Implantat: keine Fasern, kein aktiver Spalt, keine Selbstreinigung
Am Implantat existiert von all dem nichts oder es ist stark reduziert – und das hat konkrete Konsequenzen für jeden einzelnen Schutzmechanismus:
Der Zahnhalteapparat: ein funktionale Schutzsystem
Ein Zahn sitzt nicht starr im Knochen. Er ist über ein komplexes Fasersystem verankert, das den Zahn fixiert, Kaukräfte abfedert, Bakterien abschirmt, Immunzellen mobilisiert und die Kaubelastung sensomotorisch kontrolliert.
Am Zahnhals verankern dentogingivale Fasern das Zahnfleisch fest am Zahn – eine dichte Verbindung, die Bakterien den Weg in die Tiefe versperrt. Zirkuläre Fasern umschließen den Zahn ringförmig wie eine Manschette und dichten den Sulkus, die schmale Furche zwischen Zahn und Zahnfleisch, nach außen ab.
Aus dieser Furche fließt kontinuierlich Sulkusflüssigkeit nach außen: gespeist vom Gefäßnetz des Desmodonts in der Tiefe, transportiert sie Immunzellen, Antikörper und Komplement direkt an den gefährdeten Übergang und spült Bakterien mechanisch aus der Furche heraus. Dieser Strom von innen nach außen ist ein oft unterschätzter Teil der biologischen Abwehr.
In der Tiefe liegt das Desmodont (Parodontalligament): ein 0,2 mm schmaler Faserraum zwischen Wurzel und Knochen. Er verankert den Zahn federnd – nimmt also Kaukräfte wie ein Stoßdämpfer auf und verteilt sie gleichmäßig auf den Knochen. Er bildet über sein eigenes Gefäßnetz eine lebendige Gewebsschicht zwischen Bakterien und Knochen. Und er versorgt dieses Gewebe mit Immunzellen, die auf eindringende Keime schnell reagieren. Druckrezeptoren (Propriozeptoren) im Desmodont melden dem Gehirn, wie fest man zubeißt – ein Schutzmechanismus, der Überlastung verhindert.
Das Zahnfleisch liegt dem Implantat deshalb nur an, statt fest mit ihm verbunden zu sein. Wenn pathogene Keime diese strukturell schwächere Barriere durchbrechen, stoßen sie sofort auf Knochen – ohne jede Pufferschicht dazwischen. Das erklärt, warum Knochenabbau bei einer Periimplantitis oft schneller und kraterförmiger verläuft als bei einer Parodontitis – und warum eine gesunde Mundflora der wichtigste Schutzfaktor ist.
Am Implantat: keine Fasern, kein aktiver Spalt, keine Selbstreinigung
Am Implantat existiert von all dem nichts oder es ist stark reduziert – und das hat konkrete Konsequenzen für jeden einzelnen Schutzmechanismus:
| Schutzsystem | Natürlicher Zahn | Implantat |
|---|---|---|
| Gewebsmanschette | Zirkuläre Fasern bilden einen dichten Gewebsring um den Zahnhals | Fehlt – Kollagenfasern verlaufen nur parallel zur Titanoberfläche, können nicht verankern |
| Faserverankerung Zahnfleisch | Dentogingivale Fasern heften das Zahnfleisch fest am Wurzelzement | Fehlt – Titan hat keinen Wurzelzement, in dem Fasern inserieren könnten |
| Sulkusflüssigkeit | Fließt aus der Tiefe (Desmodont-Gefäßnetz) nach außen – spült Bakterien heraus, bringt Immunzellen | Fehlt – kein Desmodont, kein Spaltraum, keine Flüssigkeitsquelle in der Tiefe; Knochen liegt direkt an Titan |
| Mechanischer Puffer | Desmodont federt Kaukräfte ab, verteilt sie gleichmäßig auf den Knochen | Fehlt – Osseointegration gibt Stabilität, aber ohne federnden Spielraum zwischen Titan und Knochen |
| Biologisches Gewebspolster | Desmodont bildet eine lebendige Schicht zwischen Bakterien und Knochen | Fehlt – pathogene Keime treffen direkt auf Knochen, sobald die Weichgewebsbarriere überwunden ist |
| Immunzellversorgung | Desmodontales Gefäßnetz mobilisiert Immunzellen schnell und gezielt | Reduziert – kein desmodontales Netz, Immunantwort nur über das periimplantäre Randgewebe |
| Sensomotorische Kontrolle | Propriozeptoren melden Kaubelastung, schützen vor Überlastung | Belastungen werden weniger deutlich und verzögert registriert |
| Oberflächenbeschaffenheit | Zahnwurzel relativ glatt – Bakterien haften schlechter | Titan bewusst aufgeraut (für Osseointegration) – Bakterien haften besser, lassen sich schwerer entfernen |
Die tägliche Zahn- und Implantatpflege: darauf sollten Sie achten
Die Grundprinzipien der Zahnpflege gelten auch für Implantate: ein ausgewogenes orales Mikrobiom erhalten, schädliche Biofilm regelmäßig auflösen, Zahnfleischsaum beachten, Zwischenräume reinigen. Was sich ändert, ist das Augenmerk auf bestimmte Stellen – und an einigen Stellen die Technik.
Zahnbürsten am wichtigsten, auch am Zahnfleisch-Implantat-Übergang
Beim natürlichen Zahn haftet das Zahnfleisch über Fasern am Zahnhals. Beim Implantat liegt es dem Abutment – dem Verbindungsstück zwischen Implantat und Krone – lediglich an. Dieser Übergang ist die Eintrittspforte für pathogene Keime und damit die wichtigste Stelle bei der täglichen Pflege. Die Borsten müssen gezielt an diesen Saum geführt werden – im 45-Grad-Winkel, mit sanftem Druck, ohne horizontales Schrubben.
Elektrische Zahnbürsten sind der Handzahnbürste in der Reinigungsleistung überlegen – sie liefern konsistentere Ergebnisse unabhängig von Technik und Ausdauer. Bei Implantaten spielt zusätzlich der Druck eine Rolle: Elektrische Bürsten arbeiten mit deutlich weniger Andruck als die meisten Menschen mit einer Handzahnbürste aufwenden, was dem empfindlicheren Weichgewebe am Abutment zugute kommt.
Bei der Wahl zwischen rotierend-oszillierend und Schall kursiert gelegentlich die Sorge, dass die hochfrequenten Vibrationen einer Schallzahnbürste Abutmentschrauben lockern könnten – schließlich ist jede Implantat-Abutment-Verbindung eine Schraubenverbindung. Die verfügbare Evidenz gibt jedoch Entwarnung: Eine prospektive klinische Studie über 24 Wochen fand keine Schraubenlockerungen, die auf die Schallzahnbürste zurückzuführen waren (Wolff et al. 1998), und eine In-vitro-Simulation über zwei Jahre simuliertes Bürsten zeigte keinen Einfluss auf die Implantatretention. Schallzahnbürsten – nicht zu verwechseln mit Ultraschall, der in einem völlig anderen Frequenzbereich arbeitet und ausschließlich in professionellen Geräten eingesetzt wird – sind bei Implantaten sicher verwendbar.
Der Interdentalraum: Risikobereich, da vernachlässigt
Implantate stehen häufig anders im Kiefer als die Zähne, die sie ersetzen. Die Zwischenräume zum Nachbarzahn oder zum Nachbarimplantat sind oft weiter oder asymmetrisch geformt – das natürliche Zahnfleischdreieck (die Papille) bildet sich am Implantat nicht immer vollständig aus. Das schafft Nischen, in denen sich pathogene Keime im Biofilm ungestört ansiedeln können.
Interdentalbürsten sind hier das Mittel der Wahl. Sie müssen zur Größe des Zwischenraums passen – zu kleine Bürstchen gleiten wirkungslos hindurch, zu große verletzen das Zahnfleisch. Bei Implantaten empfehlen sich Bürstchen mit kunststoffummanteltem Draht, um Kratzer auf der Implantat- oder Abutmentoberfläche zu vermeiden.
Die Munddusche verdient bei Implantatträgern besondere Erwähnung. Ihre pulsierenden Wasserstrahlen erreichen subgingivale Bereiche bis 6 mm Tiefe und lösen Biofilm durch Scherkräfte – an genau den Stellen, die bei Implantaten besonders gefährdet sind. Gerade bei schwer zugänglichen Versorgungen (Stege, verschraubte Brücken) ist eine Munddusche oft das einzige Hilfsmittel, das den Bereich unter der Konstruktion effektiv erreicht.
Zahnseide hat bei Implantaten vor allem bei Stegkonstruktionen einen festen Platz: Mit der Schal-Technik – das Floss wird um das Abutment gelegt und durch wechselnden Zug an beiden Enden hin- und herbewegt – lässt sich der gesamte Zahnfleischsaum rund um das Implantat reinigen.
Mundspülungen: kurzfristig ja, dauerhaft kontraproduktiv
Antibakterielle Mundspülungen können nach chirurgischen Eingriffen oder bei akuter Entzündung am Implantat kurzfristig sinnvoll sein – Chlorhexidin (0,1–0,2 %) ist hier das Mittel der Wahl, begrenzt auf zwei bis vier Wochen. Für den Dauergebrauch sind sie nicht geeignet: Sie unterscheiden nicht zwischen pathogenen und nützlichen Bakterien und stören die gesunde Mundflora, die das Implantat letztlich schützt.
Pflege nach Versorgungstyp: für jede Suprakonstruktion anders
Die Art des Zahnersatzes auf dem Implantat bestimmt, wo sich Biofilm bevorzugt ansiedelt – und damit, welche Pflegestrategie die richtige ist.
Festsitzender Zahnersatz
| Einzelkrone | Brücke (festsitzend) | |
|---|---|---|
| Kritische Stelle | Zahnfleisch–Abutment-Übergang | Hohlraum unter dem Brückenkörper |
| Zahnbürste | Schallzahnbürste – gezielt an den Abutment-Saum | Schallzahnbürste – gezielt an jeden Abutment-Saum |
| Interdentalbürste | Nur wo ein Kontaktpunkt zum Nachbarzahn besteht | Pflicht – unter jedem Brückenkörper |
| Superfloss | Bei engem Kontaktpunkt | Unter den Brückenkörper einfädeln |
| Munddusche | Sinnvoll bei schwer zugänglichem Abutment | Sinnvoll – besonders bei langen Brücken |
| Recall | 1× jährlich | 1–2× jährlich |
Herausnehmbarer Zahnersatz
| Stegprothese | Locator / Kugelkopf / Teleskop | |
|---|---|---|
| Kritische Stelle | Spalt zwischen Steg und Zahnfleisch | Abutment-Oberfläche und Zahnfleischsaum darum |
| Prothese täglich abnehmen | Ja – Steg vollständig freilegen | Ja – Abutments vollständig freilegen |
| Zahnbürste | Für freiliegende Abutment-Enden | Hauptwerkzeug – Abutments rundum bürstbar |
| Interdentalbürste | Pflicht – unter dem Steg | Ungeeignet – falsche Geometrie |
| Munddusche | Unverzichtbar – oft einziges Mittel für den Stegspalt | Wenig sinnvoll – Abutments sind offen zugänglich |
| Zahnseide (Schal-Technik) | Pflicht – um Steg und Abutments | Nicht nötig |
| Recall | 2× jährlich | 1–2× jährlich |
Einzelkrone auf Implantat. Die unkomplizierteste Variante. Die Krone steht wie ein natürlicher Zahn im Bogen, die Zwischenräume sind meist gut zugänglich. Der entscheidende Unterschied zum natürlichen Zahn: der Zahnfleischsaum am Abutment muss besonders konsequent gereinigt werden – dort, wo das Zahnfleisch nur anliegt statt zu haften. Interdentalbürste oder Zahnseide nur, wo ein Kontaktpunkt zum Nachbarzahn besteht.
Implantatbrücke (festsitzend). Unter dem Brückenkörper – dem Bereich, wo der Zahnersatz das Zahnfleisch überspannt – entsteht eine Nische, die mit der Zahnbürste nicht erreichbar ist. Interdentalbürsten in der passenden Größe sind hier unverzichtbar. Superfloss mit verstärktem Einfädelende kann unter den Brückenkörper gezogen werden, eine Munddusche unterstützt bei langen Brücken.
Stegversorgung. Der Steg verbindet zwei oder mehr Implantate mit einem Metallbügel, auf dem die herausnehmbare Prothese sitzt. Der Spalt zwischen Steg und Zahnfleisch ist die kritischste Pflegestelle überhaupt – warm, feucht, schlecht belüftet, ein ideales Milieu für anaerobe Bakterien. Die Prothese muss täglich abgenommen werden. Den Steg selbst reinigt man mit flauschiger Zahnseide in der Schal-Technik, Interdentalbürsten und der Munddusche. Die Prothese wird unter fließendem Wasser mit einer Prothesenbürste gesäubert.
Flauschige Zahnseide (Superfloss®, Ulrafloss®)
Sie erfordert Geschick beim einfädeln, ermöglicht aber auch in engen Räumen eine verletzungsfreie Reinigung. Bei großen Zwischenräumen ist Zahnseide weniger effektiv. Bei Stegkonstruktionen kann Zahnseide (Floss) durch wechselnden Zug an den Enden eine Politur des gesamten Zahnfleischsaums um das Implantat (Schaltechnik) erzielen und somit eine Plaqueanlagerung effektiv bekämpfen.
Locator, Kugelkopfanker, Teleskope. Nach dem Abnehmen der Prothese stehen die Abutments frei und sind von allen Seiten zugänglich – die Zahnbürste ist hier das richtige Werkzeug, nicht die Interdentalbürste. Beläge sammeln sich bevorzugt in der Ringstruktur um den Ankerkopf; eine weiche Bürste, die gezielt um den Abutmentkopf geführt wird. Sie klönnen mit der richtigen Technik gut entfernt werden.
Festsitzende Brücke auf 4–6 Implantaten. Die anspruchsvollste Versorgung in der Pflege. Festsitzend – ob verschraubt oder zementiert – kann sie der Patient nicht selbst abnehmen. Unter dem Brückenkörper können sich Hohlräume entwickeln. Der Bedarf für Zahnzwischenraumpflege kann erhöht sein. Bei verschraubten Versorgungen kann die Brücke durch den Zahnarzt abgenommen werden.
Pflegekonzept nach Periimplantitis-Risiko
Nicht jeder Implantatpatient braucht dasselbe. Aufmerksamkeit, Pflegeaufwand und Recall-Intervall richten sich nach der individuellen Situation – nach der Versorgung, der Mundgesundheitsgeschichte und systemischen Faktoren, letztendlich Einfluss auf ein Mucositis-Periimplantitis-Risikohaben.
| Situation | Aufmerksamkeit | Pflegeaufwand | Recall |
|---|---|---|---|
| Kein erhöhtes Risiko – gute Pflege, gesunde Flora, Einzelkrone oder einfache Brücke | Regelmäßiger Blick auf Zahnfleisch am Abutment | Standard – Zahnbürste + Interdentalmittel täglich | 1× jährlich zur Kontrolle |
| Erschwerter Zugang – Steg, Vollbrücke, All-on-4 | Besondere Sorgfalt unter der Konstruktion | Erhöht – Munddusche und/oder Superfloss täglich zusätzlich | 2× jährlich – professionelle Reinigung strukturell notwendig |
| Erhöhtes biologisches Risiko – Parodontitis-Vorgeschichte, Rauchen, Diabetes, Immunsuppression | Engmaschige Selbstkontrolle auf Entzündungszeichen | Standard, aber konsequenter – keine Lücken tolerieren | 2–3× jährlich – Frühwarnsystem wichtiger als bei gesunden Verhältnissen |
| Aktive oder behandelte Entzündung – Mucositis, Periimplantitis in Behandlung | Tägliche Kontrolle auf Blutung und Schwellung | Erhöht – ggf. temporär CHX-Spülung nach Anweisung | 3–4× jährlich – bis zur stabilen Ausheilung |
Kein erhöhtes Risiko. Wer konsequent pflegt, eine gesunde Mundflora hat und eine unkomplizierte Versorgung trägt, braucht keine besondere Strategie – sondern Kontinuität. Die tägliche Routine am Zahnfleisch-Abutment-Übergang und einmal jährlich eine Kontrolluntersuchung sind ausreichend. Reinigung beim Zahnarzt nur, wenn der Befund es erfordert.
Erschwerter Zugang. Stege, Vollbrücken und All-on-4-Versorgungen schaffen Hohlräume, die häuslich strukturell nicht vollständig erreichbar sind – unabhängig von Sorgfalt und Technik. Hier ist die professionelle Reinigung keine Kür, sondern ein Teil des Pflegekonzepts. Wer hier spart, riskiert nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus fehlender Erreichbarkeit.
Erhöhtes biologisches Risiko. Parodontitis-Patienten tragen dasselbe pathogene Keimspektrum, das einmal ihren Zahn angegriffen hat – und dieses Spektrum greift auch Implantate an. Raucher haben eine reduzierte Durchblutung der Schleimhaut, was Entzündungszeichen maskiert und die Heilung verlangsamt. Bei Diabetes und Immunsuppression ist die Abwehrkapazität generell geschwächt. All das bedeutet: nicht mehr Aufwand täglich, aber engere Kontrolle – weil Probleme hier schneller und leiser entstehen.
Aktive oder behandelte Entzündung. Eine Mucositis ist noch vollständig umkehrbar – aber nur, wenn man sie behandelt. Engmaschige Recalls sind hier therapeutisch, nicht präventiv. Wer eine Periimplantitis hinter sich hat, lebt mit einem Implantat, dessen Knochen bereits Substanz verloren hat. Stabiler Erhalt ist das Ziel – und das erfordert dauerhaft engmaschige Überwachung.
Recall und professionelle Implantatreinigung
Wer perfekte häusliche Zahnpflege betreibt und eine gesunde Mundflora hat, wird von einer professionelle Zahnreinigung (PZR) als zusätzliche Reinigungsmaßnahme kaum profitieren. Was sich dennoch lohnt, ist der Recall als Frühwarnsystem: Taschentiefen sondieren, Entzündungszeichen erkennen, bei Bedarf Röntgenkontrolle. Eine Mucositis verläuft oft schmerzlos – wer sie früh entdeckt, kann sie vollständig zurückbilden.
Einen echten Reinigungsbedarf gibt es bei erschwertem Zugang durch die Versorgung (Stege, All-on-4), bei nachgewiesener Entzündung und bei subgingivalen Ablagerungen
Was bei der Reinigung am Implantat anders ist
Instrumente, die am natürlichen Zahn routinemäßig eingesetzt werden, können am Implantat Schaden anrichten. Metallküretten und konventionelle Ultraschallspitzen zerkratzen die Titanoberfläche – und eine zerkratzte Oberfläche bietet Bakterien mehr Angriffsfläche als eine intakte. Für die Implantatreinigung kommen deshalb zum Einsatz:
Kunststoff- oder Titaninstrumente statt Stahlküretten, Pulverstrahlgeräte (Airflow) mit feinem Glycin- oder Erythritolpulver – besonders effektiv und schonend für die Implantatoberfläche, Polierkelche und weiche Bürstchen mit Polierpaste sowie spezielle Kunststoffspitzen für Ultraschallgeräte.
Auch die Sondierung – die Messung der Taschentiefe am Implantat – muss mit leichter Hand erfolgen. Die lockerer anliegende Gewebsmanschette ist empfindlicher als am Zahn; zu viel Druck kann das Gewebe einreißen.
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Was sind die Warnsignale für besser Implantatpflege
Eine Mucositis verläuft oft schmerzlos – deshalb lohnt es sich, auf folgende Zeichen zu achten:
Zahnfleischbluten am Implantat – auch wenn es nur beim Putzen oder bei der Interdentalreinigung auftritt. Am gesunden Implantat blutet nichts. Blutung bedeutet Entzündung.
Gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch rund um das Implantat – im Vergleich zum Zahnfleisch an den Nachbarzähnen oft gut erkennbar.
Unangenehmer Geschmack oder Geruch im Bereich des Implantats – kann auf bakterielle Aktivität unter dem Zahnersatz hinweisen.
Schmerzen oder Druckempfindlichkeit am Implantat – ein spätes Zeichen, das auf eine bereits fortgeschrittene Entzündung hindeuten kann.
Bei jedem dieser Zeichen: zeitnah zum Zahnarzt. Eine Mucositis lässt sich in der Regel durch eine professionelle Reinigung und verbesserte häusliche Pflege vollständig zurückbilden. Eine Periimplantitis ist deutlich schwieriger zu behandeln – und je früher sie erkannt wird, desto besser die Prognose.
implantate.com-Fazit
Implantate brauchen keine revolutionär andere Pflege als natürliche Zähne – aber ein paar wichtige Unterschiede sollte man kennen und berücksichtigen. Der entscheidende Faktor ist dabei nicht die Intensität der Pflege, sondern die Qualität: eine gesunde Mundbiologie erhalten, den Biofilm an den richtigen Stellen konsequent stören, und die spezifischen Schwachstellen des Versorgungstyps kennen.
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