Stegversorgung, Stegprothese auf Implantaten bei Zahnlosigkeit

Die Verankerung einer Vollprothese auf Implantaten, die über einen Steg miteinander verbunden sind, ist die älteste und damit auch bewährteste Form des Zahnersatzes auf Zahnimplantaten. Mit dieser Technik hat die Erfolgsgeschichte der Implantate durch Ingvar Branemark in den 60er Jahren angefangen. Über lange Zeit galten Stege als die einzige sichere Technik überhaupt, um zahnlose Patienten mit Zahnimplantaten zu versorgen.

Stegkonstruktion auf Implantaten

Stegkonstruktion: bewährteste Zahnersatzversorgung
auf Implantaten: Sofortbelastung möglich

Implantatstege: Breite Abstützung und Halt durch Klemmwirkung

Die Idee für den Halt beruht dabei auf der Technik, Implantate untereinander durch einen Metallsteg (am häufigsten einen Goldsteg) zu verbinden, damit eine sichere, verblockte Einheit entsteht, auf der der Zahnersatz Halt finden kann. Dieser wird beim sogenannten Dolder-Steg (im Querschnitt ovalen/tropfenförmig) durch die Klemmwirkung von nach unten offenen Stegreitern aus Metall erzielt, die in die Basis einer Prothese eingearbeitet werden. Oft werden auch runde Stege mit austauschbaren Kunststoff-Röhren als Stegreiter-Einsätze verwendet. Beim Einsetzen trifft dann die offene Seite des Reiters auf den Steg, wird dann minimal aufgebogen während sie über den Steg gleitet und schnappt dann unterhalb des Stegs ein.

Sind 2 oder 4 Implantate nötig?

Bei der Stegversorgung sind 2 Implantate die Minimallösung; 3 Implantate werden seltener verwendet. Das klassische Konzept umfasst allerdings 4 Implantate (s. Bild oben). Im Unterkiefer werden diese in den Zahnpositionen 2 und 4 jeder Seite platziert ("interforaminal"), um eine breite Abstützung zu erzielen, ohne eine Verletzung des Unterkievernerv-Astes (N. alveolaris inferior) zu riskieren, dessen Austrittspunkte (Foramen mentale) im Normalfall weiter hinten (Zahnposition 5) liegen.
Natürlich sind Stegprothesen auch im Oberkiefer geläufig.

Primäre Verblockung: Sofortbelastung möglich

Durch die Stegverbindung entsteht eine derart sichere Verblockung der Implantate untereinander, dass selbst unter Belastung keine Bewegung der Implantate möglich ist. Aus diesem Grunde gilt es auch als wissenschaftlich und erfahrungsgemäss sicher, stegverblockte Implantate sofort (ohne die Osseointegration abzuwarten) mit Zahnersatz zu versorgen (Sofortbelastung, Sofortversorgung).

Vorteile der Stegversorgung auf Implantaten

  • bewährteste, sichere Methode herausnehmbaren Zahnersatz auf Implantaten zu verankern
  • Risikoarme Platzierung der Implantate im Frontbereich
  • Sofortbelastung, Sofortversorgung möglich
  • relativ gute Implantatpflege möglich
  • Reparaturen des aufgesetzten Zahnersatzes einfach möglich
  • einfache Erweiterbarkeit bei Verlust eines Implantats durchaus gegeben
  • ästhetischer Ausgleich bei starker Kieferatrophie durch zahnfleischfarbene Prothesensättel möglich

Nachteile von Stegprothesen

  • zahntechnisch anspruchsvollere Aufgabe als bei konfektionierten Halteelementen, dadurch auch
  • Kosten für diese Implantatversorgung erhöht
  • Speisereste unter der Prothese nicht untypisch
  • bei 2 Implantaten Rotation (Kippen) der Prothese über dem Steg möglich
  • Prothesengefühl
  • Schädlich für Implantate bei nicht spannungsfrei sitzendem Steg (Periimplantitis, Schraubenlockerung, Implantatbruch)
  • Verschleiss der Stegreiter, Lockerung des Prothesenhalts mit der Zeit

Alternativen

Stegprothesen stellen eine mögliche Versorgung des zahnlosen Kiefers mit herausnehmbarem Zahnersatz dar. Als Alternativen kommen Implantatversorgungen mit konfektionierten Halteelmenten infrage:
Locatoren® und Kugelanker auf Zahnimplantaten oder auch eine indviduelle Teleskopprothese auf Implantaten.

Auch wäre bei entsprechenden Voraussetzungen eine feste Brücke auf Implantaten möglich.

Als implantatfreie Alternative (herkömmlicher Zahnersatz) bleibt bei Zahnlosigkeit ansonsten nur die klassische Vollprothese.

Kosten

Eine Implantat-Steg-Prothese ordnet sich im mittleren Preissegment an. Für die normale Stegkonstuktion mit konfektionierten Steg-Reitern dürften je Implantat mit etwa 1600-2000€ Gesamtkosten zu rechnen sein. Bei individuell gefrästen Steg-Geschiebekonstrukten (s.u.) kann man gut und gerne 50€ dazurechnen.

Mehr zum Thema Implantatpreise.

Individuell gefrästes Steg-Geschiebe auf Implantaten

Der gefräste Steg mit Geschieben war bis in die 90er Jahre der Rolls-Royce unter den Optionen, herausnehmbaren Zahnersatz auf Implantaten zu verankern. Massive Stege mit definierter Einschubrichtung unterstützt von individuellen Klemmelementen (Geschiebe) zur zusätzlichem Fixation sorgen für einen definierten Halt, bei dem kein Wackeln möglich ist.

gefräster Steg auf 4 Implantaten mit Zeichen einer Periimplantitis Basis einer Stegprothese auf Implantaten

Über 10 Jahre alte, individuell
gefräste Stegversorgung im
Unterkiefer mit Geschieben.
Entzündliche Reaktionen um
die Implantate im Sinne einer
Periimplantitis.

Stegbasis der gleichen Prothese
mit zusätzlichen Geschieben,
an den Schrauben an den
Enden zu erkennen.

Der hohe technische Aufwand und Materialverbrauch mit gestiegenen Goldpreisen sorgen für enorme Kosten. Dies, die fehlende Erweiterbarkeit und die letztendlich preisgünstigere Alternative einer festsitzenden Implantatbrücke, haben das Steggeschiebe weitestgehend aus den modernen Versorgungskonzepten eliminiert.

implantate.com-Fazit:

Die stegreitende Prothese hat als Klassiker weiterhin sehr viele Vorteile und kann keinesfalls als veraltet gelten. Preis/Leistung ist insbesondere bei komplett individuell gefertigten Goldstegarbeiten eher mässig und steht in Konkurrenz mit den preisgünstigeren Haltelementen (z.B. Locatoren®) und festsitzenden Alternativen (z.B. All-on-four).

 

Literatur:
Weber, H.P. u. Mönkmeyer, U.R., Implantatprothetische Therapiekonzepte, Quintessenz, Berlin 1999
Jiménez-López, Vincente, Orale Rehabilitation bei implantatgestütztem Zahnersatz, Quintessenz Verlags-GmbH Berlin, 1999

Bernd Koeck und Wilfried Wagner, Praxis der Zahnheilkunde - Implantologie, Elsevier, München 2005
Franck Renouard, Bo Rangert, Risikofaktoren in der Implantologie. Klinische Diagnostik, Entscheidungsfindung und Therapie, Quintessenz, Berlin 2006

Cristache CM1, Muntianu LA, Burlibasa M, Didilescu AC., Five-year clinical trial using three attachment systems for implant overdentures. Clin Oral Implants Res. 2014 Feb;25(2):e171-8.

Troeltzsch M1, Troeltzsch V, Brodine AH, Frankenberger R, Messlinger K, Troeltzsch M.; Clinical performance and peri-implant parameters of 132 implants supporting locator-retained overdentures: a case series of 33 patients. Int J Oral Maxillofac Implants. 2013 Jul-Aug;28(4):1132-9

Letzte Aktualisierung am Donnerstag, 08. Juni 2017



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