Parodontitis und Allgemeinerkrankungen: kranker Mund, kranker Körper
Lange galt die Parodontitis als reines Zahnproblem – unangenehm, aber letztlich eine lokale Angelegenheit. Diese Sichtweise ist überholt. Die Forschung der letzten zwanzig Jahre hat ein beunruhigendes Bild gezeichnet: Eine unbehandelte Zahnbettentzündung bleibt nicht auf den Mund beschränkt. Sie kann schwere Erkrankungen von Herz und Kreislauf begünstigen, den Diabetes verschlechtern und möglicherweise sogar das Demenzrisiko erhöhen.
Dieses Kapitel erklärt die wissenschaftlich belegten Zusammenhänge zwischen Parodontitis und verschiedenen Allgemeinerkrankungen. Es soll keine Angst machen, sondern aufzeigen, warum die Behandlung einer Zahnbettentzündung weit mehr ist als Kosmetik oder Zahnerhalt – sie ist ein Beitrag zur Gesundheit des gesamten Körpers.
Wie Bakterien aus dem Mund in den Körper gelangen
Bei einer Parodontitis ist das Zahnfleisch chronisch entzündet. Die entzündeten Zahnfleischtaschen bilden zusammen eine offene Wundfläche, die bei schwerer Parodontitis die Größe einer Handfläche erreichen kann – nur eben versteckt im Mund. Über diese Wundfläche gelangen Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte bei jedem Kauen, bei jeder Zahnreinigung, selbst beim Zähneputzen in die Blutbahn.
Dieser Vorgang heißt Bakteriämie und ist bei gesundem Zahnfleisch harmlos: Das Immunsystem räumt die wenigen eingedrungenen Keime schnell auf. Bei einer Parodontitis sieht das anders aus. Hier gelangen kontinuierlich große Mengen aggressiver Bakterien in den Kreislauf. Besonders problematisch ist Porphyromonas gingivalis, ein Leitkeim der Parodontitis. Dieser Keim wurde inzwischen in atherosklerotischen Plaques der Halsschlagader, in Gelenkprothesen und sogar im Gehirn von Alzheimer-Patienten nachgewiesen.
Doch es sind nicht nur die Bakterien selbst, die Schaden anrichten. Die chronische Entzündung im Mund aktiviert das Immunsystem dauerhaft. Es schüttet Entzündungsbotenstoffe aus – sogenannte Zytokine wie Interleukin-1, Interleukin-6 und TNF-alpha. Diese Botenstoffe verteilen sich über das Blut im ganzen Körper und können dort weitere Entzündungsprozesse anstoßen oder verstärken.
Parodontitis und Diabetes mellitus: Wechselwirkung der gefährlichen Art
Die Beziehung zwischen Parodontitis und Diabetes gehört zu den am besten erforschten Zusammenhängen in der Zahnmedizin. Sie verläuft in beide Richtungen – Mediziner sprechen von einer bidirektionalen Assoziation.
Diabetes verschlechtert die Parodontitis
Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte schwächen das Immunsystem erheblich. Die weißen Blutkörperchen – zuständig für die Abwehr von Bakterien – arbeiten bei schlecht eingestelltem Diabetes nur noch mit halber Kraft. Gleichzeitig heilen Wunden im Mundraum langsamer, und die feinen Gefäße im Zahnfleisch sind durch die Zuckerkrankheit vorgeschädigt.
Das Ergebnis: Menschen mit Diabetes erkranken drei- bis viermal häufiger an einer Parodontitis als Stoffwechselgesunde. Die Erkrankung verläuft bei ihnen aggressiver, mit tieferen Zahnfleischtaschen und schnellerem Knochenabbau. Studien zeigen, dass Diabetiker im Durchschnitt 0,6 Millimeter tiefere Taschen und fast einen Millimeter mehr Attachmentverlust aufweisen.
Parodontitis verschlimmert einen Diabetes
Die umgekehrte Richtung ist für Diabetiker besonders relevant: Die chronische Entzündung im Mund wirkt sich unmittelbar auf den Blutzucker aus. Die freigesetzten Entzündungsbotenstoffe fördern eine Insulinresistenz – die Körperzellen sprechen schlechter auf Insulin an. Die Folge: Der HbA1c-Wert steigt. Studien zeigen, dass eine unbehandelte Parodontitis den Langzeit-Blutzuckerwert um etwa 0,4 Prozentpunkte anheben kann.
Die gute Nachricht: Der Effekt funktioniert auch andersherum. Metaanalysen belegen, dass eine erfolgreiche Parodontitis-Behandlung den HbA1c-Wert um durchschnittlich 0,4 Prozentpunkte senken kann. Das entspricht etwa der Wirkung eines zusätzlichen Diabetes-Medikaments – nur ohne Nebenwirkungen.
Parodontitisbehandlung ist Diabetes-Therapie
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Parodontitis-Risiko bei Diabetikern | 3- bis 4-fach erhöht |
| Zahnfleischbluten bei Diabetikern | 2,4-mal häufiger |
| Tiefere Zahnfleischtaschen | durchschnittlich 0,6 mm mehr |
| Mehr Attachmentverlust | durchschnittlich 0,9 mm mehr |
| HbA1c-Senkung durch PA-Therapie | ca. 0,4 Prozentpunkte |
Für Diabetiker bedeutet das konkret: Die Zahnfleischgesundheit gehört zur Diabetes-Kontrolle wie die Blutzuckermessung. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie empfehlen gemeinsam mindestens halbjährliche zahnärztliche Kontrollen. Umgekehrt sollte jeder Patient mit schwerer Parodontitis auch auf einen unentdeckten Diabetes untersucht werden.
Parodontitis: Bad Boy der Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Ein oft übersehener Risikofaktor sitzt im Mund. Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) haben deshalb 2021 eine Kooperation gestartet, um Ärzte und Patienten über diesen Zusammenhang aufzuklären.
Große Studien liefern eindeutige Zahlen
Die schwedische PAROKRANK-Studie verfolgte Patienten über sechs Jahre. Das Ergebnis: Menschen mit Parodontitis hatten ein um 49 Prozent höheres Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall als Personen mit gesundem Zahnfleisch. Je schwerer die Parodontitis, desto höher das Risiko.
Eine Metaanalyse des Eastman Dental Institute in London wertete 81 Studien aus 26 Ländern aus und fand: Der systolische Blutdruck liegt bei Menschen mit Parodontitis durchschnittlich 4,5 mmHg höher, der diastolische Blutdruck um 2 mmHg höher als bei Personen mit gesundem Zahnfleisch. Das klingt nach wenig, hat aber Konsequenzen: Schon ein Blutdruckanstieg von 5 mmHg erhöht das Sterberisiko durch Herzinfarkt oder Schlaganfall um 25 Prozent.
Was passiert in den Blutgefässen bei Parodontitis
Die über die Blutbahn verstreuten Parodontitis-Bakterien können sich an den Gefäßwänden ansiedeln. Dort lösen sie chronische Entzündungen aus, die die Atherosklerose (Arterienverkalkung) fördern. In aufgeschnittenen Gefäßplaques von Herzinfarkt-Patienten wurden immer wieder Parodontitis-Keime nachgewiesen – sie wandern also tatsächlich vom Mund in die Gefäße.
Hinzu kommt die systemische Entzündungsreaktion: Die im Mund freigesetzten Botenstoffe erhöhen im ganzen Körper die Entzündungsbereitschaft. Sie machen das Blut „klebriger“ und begünstigen so die Entstehung von Blutgerinnseln.
Bei Menschen mit vorgeschädigten Herzklappen – etwa durch einen früheren rheumatischen Infekt oder eine angeborene Fehlbildung – können die Mundbakterien eine Endokarditis auslösen, eine gefährliche Entzündung der Herzinnenhaut.
| Erkrankung | Risikoerhöhung durch Parodontitis |
|---|---|
| Herzinfarkt + Schlaganfall (kombiniert) | 49 % erhöht |
| Schlaganfall (isoliert) | 2,8-fach erhöht |
| Koronare Herzkrankheit | 1,5-fach erhöht |
| Tödliche Herzerkrankungen | 1,9-fach erhöht |
| Bluthochdruck | 22–49 % erhöht |
Kann eine Parodontitis-Behandlung das Herzrisiko senken?
Interventionsstudien deuten darauf hin, dass eine erfolgreiche Parodontitis-Behandlung die Gefäßfunktion verbessert und Entzündungsmarker im Blut senkt. Der endgültige Beweis, dass dies auch weniger Herzinfarkte bedeutet, steht noch aus – solche Studien laufen mehrere Jahre. Kardiologen und Parodontologen sind sich jedoch einig: Eine gute Mundgesundheit ist Teil der Herzvorsorge.
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Parodontitis und Alzheimer-Demenz
Die Forschung zu diesem Zusammenhang hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht – und einige Ergebnisse sind regelrecht spektakulär.
Parodontitis-Bakterien im Gehirn
2019 veröffentlichten Forscher eine aufsehenerregende Studie im Fachjournal Science Advances: Sie hatten im Gehirn verstorbener Alzheimer-Patienten Spuren des Parodontitis-Bakteriums Porphyromonas gingivalis nachgewiesen. Mehr noch: Sie fanden auch die von diesem Keim produzierten Giftstoffe – sogenannte Gingipaine. Je mehr Bakterien und Gingipaine im Gehirn, desto stärker war das Gehirngewebe geschädigt.
Das wirft eine große Frage auf: Können Bakterien aus dem Mund tatsächlich ins Gehirn wandern und dort zur Alzheimer-Entstehung beitragen? Die Blut-Hirn-Schranke – eigentlich eine zuverlässige Barriere – scheint für Porphyromonas gingivalis und seine Toxine durchlässig zu sein.
Die Greifswalder SHIP-Studie
Deutsche Forscher der Universität Greifswald haben im Rahmen der SHIP-Studie (Study of Health in Pomerania) über sieben Jahre 586 Personen beobachtet. Ihr Ergebnis: Menschen mit Parodontitis, die eine Behandlung erhielten, zeigten einen deutlich geringeren Verlust von Gehirnsubstanz in jenen Arealen, die typischerweise bei Alzheimer betroffen sind.
Der Effekt war statistisch moderat bis stark ausgeprägt. Die Forscher betonen: Eine Parodontitis-Behandlung kann Alzheimer vermutlich nicht verhindern – aber sie kann den kognitiven Abbau möglicherweise verlangsamen.
Was wir wissen – und was nicht
Der Zusammenhang zwischen Parodontitis und Demenz ist epidemiologisch gut belegt. Was noch fehlt, ist der letzte Beweis der Kausalität: Verursacht die Parodontitis tatsächlich Alzheimer, oder sind beide Erkrankungen einfach Folgen gemeinsamer Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes oder genetischer Veranlagung?
Die Forschung arbeitet daran. Ein Medikament, das die Gingipaine blockieren sollte (Atuzaginstat), musste 2022 wegen Nebenwirkungen abgebrochen werden. Dennoch gilt: Wer seine Parodontitis behandeln lässt, tut vermutlich auch seinem Gehirn etwas Gutes – erst recht im höheren Alter.
Parodontitis als Gefahr für Rheuma
Parodontitis und rheumatoide Arthritis (RA) haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam – die eine befällt das Zahnfleisch, die andere die Gelenke. Doch beide sind chronisch-entzündliche Erkrankungen mit verblüffend ähnlichen biochemischen Mustern. Und sie beeinflussen sich gegenseitig.
Rheumatoide Arthritis: 3-8 mal häufiger
Menschen mit Parodontitis haben ein 2,6- bis 8-fach erhöhtes Risiko, an rheumatoider Arthritis zu erkranken. Umgekehrt leiden RA-Patienten deutlich häufiger an Parodontitis als Gesunde – selbst bei vergleichbarer Mundhygiene. Die deutsche CAPEA-Studie (Caries and Periodontitis in Early Arthritis) bestätigte: Patienten mit früher rheumatoider Arthritis sind signifikant häufiger parodontal erkrankt.
Citrullinierung als Auslöser durch Parodontitisbakterien
Porphyromonas gingivalis, der Leitkeim der Parodontitis, besitzt ein Enzym namens Peptidyl-Arginin-Deiminase (PAD). Dieses Enzym verändert körpereigene Proteine durch einen Prozess namens Citrullinierung. Das Immunsystem erkennt diese veränderten Proteine als fremd und bildet Autoantikörper gegen sie – die sogenannten CCP-Antikörper (Antikörper gegen citrullinierte Peptide).
Genau diese CCP-Antikörper sind ein Hauptmarker für die rheumatoide Arthritis. Die Hypothese: Parodontitis-Bakterien könnten über die Citrullinierung die Autoimmunreaktion anstoßen oder verstärken, die zur Gelenkzerstörung führt.
Parodontitis-Behandlung als therapeutischer Ansatz
Metaanalysen zeigen, dass eine erfolgreiche Parodontitis-Behandlung die Krankheitsaktivität der rheumatoiden Arthritis verbessern kann. Rheumatologie und Zahnmedizin sollten daher enger zusammenarbeiten. Rheumapatienten gehören in regelmäßige zahnärztliche Kontrolle, und bei schwerer Parodontitis sollte auch an eine rheumatologische Abklärung gedacht werden.
Parodontitis gefährdet auch eine Schwangerschaft
Eine Schwangerschaft verändert den Hormonhaushalt – und damit auch die Reaktion des Zahnfleisches auf Bakterien. Das Zahnfleisch wird empfindlicher, Entzündungen entstehen leichter. Die sogenannte Schwangerschaftsgingivitis kennen viele werdende Mütter. Problematischer wird es, wenn bereits vor der Schwangerschaft eine Parodontitis bestand oder sich während der Schwangerschaft entwickelt.
Erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen
Mehrere Studien haben Zusammenhänge zwischen Parodontitis und Schwangerschaftskomplikationen gefunden:
| Komplikation | Risikoerhöhung |
|---|---|
| Frühgeburt (vor der 37. Woche) | bis 7-fach erhöht |
| Niedriges Geburtsgewicht (<2.500 g) | 2- bis 3-fach erhöht |
| Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) | erhöht |
Der vermutete Mechanismus: Die Entzündungsbotenstoffe aus dem Mund können über die Blutbahn die Plazenta erreichen und dort vorzeitige Wehen auslösen. Auch eine direkte Besiedlung der Plazenta mit Parodontitis-Bakterien wurde in Studien nachgewiesen.
Die Empfehlung
Frauen mit Kinderwunsch sollten vor einer geplanten Schwangerschaft ihren Parodontalstatus überprüfen und eine bestehende Parodontitis behandeln lassen. Die Behandlung ist vor der Schwangerschaft am einfachsten durchzuführen.
Während der Schwangerschaft sind schonende Behandlungsmaßnahmen im zweiten Trimester möglich und sinnvoll. Röntgenaufnahmen werden vermieden, aber professionelle Zahnreinigungen und nicht-chirurgische Parodontitis-Behandlungen können durchgeführt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie empfiehlt, Schwangere besonders engmaschig zu betreuen.
Atemwegserkrankungen und Lungenentzündung
Bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) oder Lungenentzündungen werden häufig Parodontitis-Bakterien in der Lunge nachgewiesen. Der Weg ist kurz: Beim Einatmen können Keime aus dem Mund in die unteren Atemwege gelangen.
Besonders groß ist das Risiko bei älteren Menschen, bei Bettlägerigen und bei Patienten mit Schluckstörungen. Eine schlechte Mundgesundheit erhöht das Risiko für sogenannte Aspirationspneumonien deutlich. In Pflegeheimen zeigt sich immer wieder: Gezielte Mundhygiene-Programme senken die Pneumonie-Rate.
Künstliche Gelenke und Gelenkprothesen
Parodontitis-Bakterien können sich an künstlichen Hüft- oder Kniegelenken ansiedeln und dort periprothetische Infektionen verursachen. Diese Infektionen sind gefürchtet, weil sie schwer zu behandeln sind und häufig einen Prothesenwechsel erfordern.
Die Empfehlung ist klar: Vor einer geplanten Gelenkersatz-Operation sollte der Parodontalstatus saniert werden. Die Sanierung sollte abgeschlossen sein, bevor die Prothese eingesetzt wird – akute Entzündungsherde im Mund sind eine Kontraindikation für elektive Gelenkoperationen.
Osteoporose und Knochenstoffwechsel
Die Verbindung zur Osteoporose liegt auf der Hand: Beide Erkrankungen betreffen den Knochen. Bei der Parodontitis wird Kieferknochen abgebaut, bei der Osteoporose nimmt die Knochendichte im ganzen Körper ab.
Studien zeigen, dass Frauen mit Osteoporose während und nach den Wechseljahren mehr Zähne verlieren als Frauen mit normaler Knochendichte. Ob die Osteoporose die Parodontitis direkt verstärkt oder ob gemeinsame Faktoren (Alter, Östrogenmangel) beide Erkrankungen fördern, ist noch nicht abschließend geklärt.
Wichtig bei Bisphosphonat-Therapie: Wer Bisphosphonate gegen Osteoporose einnimmt, muss dies unbedingt dem Zahnarzt mitteilen. Nach chirurgischen Eingriffen im Kieferbereich können bei Bisphosphonat-Therapie Wundheilungsstörungen bis hin zur Kiefernekrose auftreten. Eine konsequente Parodontitis-Vorbeugung und -Behandlung ist bei diesen Patienten besonders wichtig.
Chronische Nierenerkrankungen und Dialyse
Studien zeigen eine Assoziation zwischen Parodontitis und eingeschränkter Nierenfunktion. Die chronische Entzündung scheint die Nierengefäße zu belasten. Bei Dialyse-Patienten ist das Immunsystem ohnehin geschwächt – eine dauerhafte Entzündungsquelle wie die Parodontitis belastet den Körper zusätzlich.
Die Empfehlung: Dialyse-Patienten sollten ihren Mund sanieren lassen. Die Entzündungsreduktion entlastet den Organismus und kann die Lebensqualität verbessern.
Organtransplantation bei Parodontose-Patienten
Vor einer Organtransplantation müssen parodontale Probleme und eventuelle Kariesschäden beseitigt werden. Der Grund: Nach der Transplantation erhalten die Patienten Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva). Diese sollen die Abstoßung des neuen Organs verhindern – machen aber anfällig für Infektionen.
Eine unbehandelte Parodontitis kann nach der Transplantation zum echten Problem werden. Entzündungsherde, die vorher vom Immunsystem in Schach gehalten wurden, können sich ausbreiten. Die zahnärztliche Sanierung gehört daher zum Standardprogramm vor Transplantationen
Kann eine Parodontitis Krebs verursachen?
Einige Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen schwerer Parodontitis und bestimmten Krebsarten hin. Besonders für Bauchspeicheldrüsenkrebs und Speiseröhrenkrebs wurden erhöhte Risiken bei Parodontitis-Patienten gefunden. Porphyromonas gingivalis wurde in Tumorgewebe nachgewiesen.
Die Forschung steht hier noch am Anfang. Ein kausaler Zusammenhang ist nicht bewiesen. Dennoch fügt sich der Befund ins Bild: Chronische Entzündungen fördern die Krebsentstehung – und Parodontitis ist eine der häufigsten chronischen Entzündungen überhaupt.
implantate.com-Fazit:
Die Zusammenhänge zwischen Parodontitis und Allgemeinerkrankungen sind keine Randnotiz der zahnmedizinischen Forschung – sie sind ein zentrales Thema der modernen Medizin. Die Evidenz ist mittlerweile so stark, dass Fachgesellschaften interdisziplinäre Zusammenarbeit einfordern: Zahnärzte sollen bei schwerer Parodontitis an Diabetes denken, Kardiologen nach dem Zahnstatus fragen, Rheumatologen zur Parodontitis-Abklärung überweisen.
Für Sie als Patient bedeutet das: Eine konsequente Parodontitis-Behandlung und regelmäßige Nachsorge sind mehr als Zahnerhalt. Sie sind ein Beitrag zur Gesundheit des gesamten Körpers – mit nachgewiesenen Effekten auf Blutzucker, Blutdruck und Entzündungsmarker.
Schwahn C, Frenzel S, Gierman M et al. Effect of periodontal treatment on preclinical Alzheimer’s disease. Alzheimers Dement. 2022;18(12):2318-2327.
Detert J, Pischon N, Burmester GR, Buttgereit F. The association between rheumatoid arthritis and periodontal disease. Arthritis Res Ther. 2010;12(5):218.
Jepsen S, Grau A,3-Länder-Konsensuskonferenz. Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deutsche Gesellschaft für Parodontologie, 2020.
Deutsche Diabetes Gesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Parodontologie. Gemeinsame Stellungnahme: Diabetes und Parodontitis – bidirektionale Zusammenhänge. 2021.
Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK). Kooperation zur Aufklärung über Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 2021.






