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Ist Parodontose heilbar?

So kann eine Parodontitis langfristig erfolgreich behandelt werden

Die ehrliche Antwort auf diese Frage lautet: Nein – und gleichzeitig ja.

Parodontitis ist eine chronische Erkrankung, die sich nicht im klassischen Sinne „heilen“ lässt. Verlorener Knochen und zerstörtes Zahnhaltegewebe wachsen nicht einfach nach. Doch das bedeutet keineswegs, dass die Erkrankung unbehandelbar wäre oder zwangsläufig zum Zahnverlust führen muss. Im Gegenteil: Mit konsequenter Behandlung und regelmäßiger Nachsorge lässt sich die Parodontitis so gut kontrollieren, dass die meisten Betroffenen ihre Zähne ein Leben lang behalten können.

Ziel: Stabile Verhältnisse nach Parodontitis-Behandlung

Die internationale Klassifikation von 2018 hat erstmals genau definiert, wann ein behandelter Parodontitis-Patient als „parodontal stabil“ gilt. Dieser Zustand ist das realistische Therapieziel – nicht die vollständige Wiederherstellung des ursprünglichen Gewebes.

Als stabil gilt ein Patient, wenn keine Sondierungstiefe mehr als 4 mm beträgt (beziehungsweise keine 4-mm-Tasche mit Blutung auf Sondieren), weniger als zehn Prozent der Messstellen bei Sondierung bluten und kein weiterer Knochenabbau im Röntgenbild erkennbar ist. Dieser Zustand lässt sich bei den meisten Patienten durch eine leitliniengerechte Therapie erreichen – und dauerhaft halten, wenn die Nachsorge konsequent eingehalten wird.

Nahaufnahme des Mundes einer Person, in der die Zähne zu sehen sind. Eine Hand benutzt eine Interdentalbürste mit gelbem Griff, um die Zahnzwischenräume zu reinigen. Zahnfleisch und Zähne sind deutlich zu erkennen.
Ziel: Stabile Zahnfleischverhältnisse, blas-rosa, keine Taschen

Wie ist der Langzeiterfolg bei Parodontose?

Die Ergebnisse wissenschaftlicher Langzeitstudien sind ermutigend. In einer Untersuchung an der Universität Heidelberg wurden Patienten über 20 Jahre nach ihrer Parodontitis-Therapie beobachtet. Das Ergebnis: Selbst Zähne mit einer initial als „hoffnungslos“ eingestuften Prognose konnten zu fast zwei Dritteln langfristig erhalten werden. Bei Patienten, die ihre Nachsorgetermine konsequent wahrnahmen, lag die Verlustrate dieser stark geschädigten Zähne sogar bei nur 15 Prozent.

Ähnliche Ergebnisse zeigen Studien bei Patienten mit aggressiver Parodontitis – also der besonders schnell fortschreitenden Form der Erkrankung. Zehn Jahre nach der aktiven Therapie waren noch 94,7 Prozent der Zähne erhalten. Sogar Zähne mit einem Knochenabbau von mehr als 80 Prozent zeigten eine Zehn-Jahres-Überlebensrate von knapp 80 Prozent.

Eine weitere Studie dokumentierte, dass selbst parodontal schwer geschädigte Zähne mit einem initialen Knochenabbau von 60 bis 80 Prozent bei regelmäßiger Nachsorge zu 93 Prozent über zehn Jahre erhalten werden konnten.

Eigene Mundhygiene entscheidend bei Parodontitis

Die Studien zeigen ein klares Muster: Nicht der Schweregrad der Parodontitis zu Beginn der Therapie entscheidet zwangsläufig über den langfristigen Erfolg, sondern wie konsequent die Nachsorge eingehalten wird. Patienten, die ihre UPT-Termine (Unterstützende Parodontitis-Therapie) regelmäßig wahrnehmen, haben ein deutlich geringeres Risiko für weiteren Zahnverlust als Patienten, die die Nachsorge vernachlässigen.

Das bedeutet konkret: Auch ein Patient mit anfangs schwerer Parodontitis hat bei guter Mitarbeit eine bessere Prognose als jemand mit nur leichter Erkrankung, der die Nachsorge nicht ernst nimmt. Die Compliance – also die Bereitschaft, die Empfehlungen des Zahnarztes zu befolgen – ist der wichtigste Erfolgsfaktor.

Zur Mitarbeit gehören die regelmäßige Teilnahme an der UPT, je nach Risikograd zwei- bis viermal pro Jahr, eine sorgfältige häusliche Mundhygiene mit täglicher Reinigung der Zahnzwischenräume und falls vorhanden die Kontrolle von Risikofaktoren wie Rauchen oder Diabetes.

Prognose der Parodontitis abhängig von der Mundhygiene
Prognose der Parodontitis ist abhängig von der Mundhygiene

Realistische Ziele in der Parodontosetherapie

Die Parodontitis-Therapie kann die bakterielle Infektion beseitigen und die Entzündung stoppen. Sie kann verhindern, dass weiterer Knochen verloren geht. Sie kann die Taschentiefen reduzieren und stabile Verhältnisse schaffen. In manchen Fällen kann sie durch regenerative Verfahren sogar teilweise neuen Knochen aufbauen.

Was die Behandlung nicht kann: Sie kann den einmal verlorenen Knochen nicht vollständig zurückbringen. Sie kann das Zahnfleisch nicht wieder „hochwachsen“ lassen, wenn es sich bereits zurückgezogen hat. Sie kann die Erkrankung nicht ein für alle Mal „ausheilen“ – die Anfälligkeit bleibt bestehen.

Die richtige Einstellung zu meiner Parodontoseerkrankung

Parodontitis ist vergleichbar mit anderen chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck: Man wird sie nicht los, aber man kann lernen, gut damit zu leben. Mit der richtigen Behandlung und konsequenter Nachsorge können die allermeisten Betroffenen ihre Zähne behalten und ein normales Leben führen, auch ohne Medikamente. Man hat es selbst in der Hand,

Die Prognose ist umso besser, je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird. Doch selbst bei fortgeschrittener Parodontitis mit bereits gelockerten Zähnen ist oft mehr möglich, als viele Patienten zunächst befürchten. Die Entscheidung, einen Zahn zu entfernen, sollte nicht vorschnell fallen – die Langzeitdaten zeigen, dass auch „hoffnungslose“ Zähne bei guter Betreuung oft noch viele Jahre erhalten werden können.

 

Erfolgssäulen Parodontosebehandlung
Die Säulen der erfolgreichen Parodontitis-Therapie

implantate.com-Fazit:

Parodontitis ist eine chronische Erkrankung, die nicht „geheilt“, aber kontrolliert werden kann. Mit konsequenter Behandlung und Nachsorge lassen sich auch bei schweren Formen Zahnerhaltungsraten von über 90 Prozent erreichen. Der wichtigste Erfolgsfaktor ist die eigene Mitarbeit: regelmäßige Nachsorgetermine, professioneller Zahnreinigung (PZR) und gründliche häusliche Mundhygiene. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Prognose – doch auch bei fortgeschrittener Erkrankung ist meist mehr möglich als gedacht.

Letzte Aktualisierung am Montag, 02. Februar 2026