Parodontitis-Parodontose
Entzündung und Verlust des Zahnhalteapparats
Parodontitis – umgangssprachlich Parodontose – ist eine bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparats. Sie zerstört das Gewebe, das die Zähne im Kiefer verankert: Zahnfleisch, Haltefasern und Kieferknochen. Ohne Behandlung lockern sich die Zähne und fallen aus.
Rund 10 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer schweren Form. Parodontose ist damit eine der häufigsten chronischen Erkrankungen überhaupt – und die Hauptursache für Zahnverlust bei Erwachsenen.
Parodontitis oder Parodontose? Beides meint dieselbe Erkrankung. „Parodontitis“ ist der medizinisch korrekte Begriff (die Endung „-itis“ steht für Entzündung). „Parodontose“ ist der ältere, umgangssprachliche Begriff, der sich im Alltag gehalten hat. Zahnärzte und Krankenkassen verwenden heute „Parodontitis“.
Warum Parodontose so oft unbemerkt bleibt
Die Erkrankung verläuft schleichend und fast immer schmerzfrei. Anders als bei Karies, die irgendwann wehtut, gibt es bei Parodontitis keinen eingebauten Alarm. Viele Betroffene bemerken erst etwas, wenn Zähne locker werden – dann ist bereits viel Knochen verloren.
Das einzige Frühwarnsignal ist Zahnfleischbluten. Doch die meisten Menschen halten das für normal oder harmlos. Es ist weder das eine noch das andere.
Symptome und Warnsignale von Zahnfleischerkrankungen
Wer bekommt eine Parodontitis?
Parodontose ist eine Volkskrankheit. Die Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6, 2025) zeigt: Bei den 35- bis 44-Jährigen haben bereits 95 Prozent eine Form der Parodontitis – bei den meisten handelt es sich um Frühstadien, die gut behandelbar sind. An einer schweren Form (Stadium III oder IV) leiden 17,5 Prozent der jüngeren Erwachsenen und über die Hälfte der 65- bis 74-Jährigen. Rund 14 Millionen Menschen in Deutschland haben eine schwere, behandlungsbedürftige Parodontalerkrankung.
Grundsätzlich kann jeder erkranken. Ausgangspunkt sind immer bakterielle Beläge auf den Zähnen. Werden diese nicht gründlich entfernt, entzündet sich zunächst das Zahnfleisch (Gingivitis). Das ist noch harmlos und vollständig heilbar. Bleibt die Entzündung bestehen, greift sie auf den Zahnhalteapparat über – aus der Gingivitis wird eine Parodontitis.
Doch nicht jeder mit Zahnbelag entwickelt automatisch eine Parodontose. Entscheidend ist, wie der Körper auf die Bakterien reagiert. Bei manchen Menschen schießt die Immunabwehr über das Ziel hinaus und zerstört dabei eigenes Gewebe. Das erklärt, warum manche trotz mittelmäßiger Mundhygiene kaum Probleme haben – während andere trotz guter Pflege schwer erkranken.
Die meisten Betroffenen sind über 40. Es gibt aber auch aggressive Verlaufsformen, die bereits Jugendliche treffen.
→ Mehr über Ursachen und Entstehung
Wer hat ein besonders hohes Risiko für die Entwicklung einer Parodontitis
Rauchen ist der stärkste beeinflussbare Risikofaktor. Raucher erkranken sechsmal häufiger an Parodontose und sprechen schlechter auf die Behandlung an.
Diabetes mellitus und Parodontitis verstärken sich gegenseitig. Diabetiker haben ein dreifach erhöhtes Risiko.
Daneben spielen Stress, genetische Veranlagung, bestimmte Medikamente und hormonelle Veränderungen eine Rolle.
Symptome: Habe ich eine Parodontitis?
| Parodontose-Stadium | Symptome |
|---|---|
| Früh | Zahnfleischbluten beim Putzen oder Essen · Gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch · Mundgeruch, der trotz Zähneputzen bleibt |
| Fortgeschritten | Zahnfleischrückgang – die Zähne wirken länger · Empfindliche Zahnhälse · Größer werdende Zahnzwischenräume |
| Spät | Lockere Zähne · Zähne verschieben sich · Eiter am Zahnfleischrand |
Was machte der Zahnarzt? Muss ich Angst haben?
Die Untersuchung ist einfach und schmerzfrei. Mit einer stumpfen Sonde misst der Zahnarzt die Tiefe der Zahnfleischtaschen – das fühlt sich höchstens wie leichtes Drücken an. Gesund sind Werte bis 3 mm. Ab 4 mm spricht man von Taschen, ab 6 mm von tiefen Taschen.
Zusätzlich zeigt das Röntgenbild, wie viel Knochen bereits verloren ist. Seit 2018 wird Parodontitis international in Stadien (I–IV) und Grade (A–C) eingeteilt – das beschreibt sowohl den Schaden als auch das Risiko für weiteren Knochenabbau.
Wie wird meine Parodontose behandelt – und tut das weh?
Die gute Nachricht: Die Behandlung ist heute deutlich schonender als früher. Die meisten Patienten berichten von weniger Beschwerden als erwartet.
Im ersten Schritt werden die Wurzeloberflächen unter dem Zahnfleisch von Belägen gereinigt – unter örtlicher Betäubung, meist mit Ultraschall. Das dauert je nach Aufwand zwei bis vier Sitzungen. Danach ist das Zahnfleisch oft etwas empfindlich, erholt sich aber innerhalb weniger Tage.
Eine Operation ist nur selten nötig – bei sehr tiefen Taschen oder wenn die geschlossene Behandlung nicht ausreicht.
Entscheidend für den Erfolg ist die Nachsorge. Parodontose ist eine chronische Erkrankung. Wer die regelmäßigen Kontroll- und Reinigungstermine auslässt, riskiert einen Rückfall. Die gute Nachricht: Seit 2021 zahlt die Kasse diese Nachsorge.
|
Zahlt die Kasse meine Parodontosebehandlung?
Die systematische Zahnfleischbehandlung ist Kassenleistung. Der Zahnarzt stellt einen Antrag (PAR-Antrag), nach Genehmigung werden die Kosten vollständige übernommen.
Wichtige Neuerung seit 2021: Die Krankenkassen zahlen jetzt auch die strukturierte Nachsorge – bis zu 5 Sitzungen in zwei Jahren. Das war früher eine Privatleistung im Sinne einer professionellen Zahnreinigung (PZR).
Manche Zusatzverfahren wie Bakterientests oder Laserbehandlung sind weiterhin keine Kassenleistung.
Ist Parodontose heilbar?
Man darf nicht erwarten, dass verlorener Knochen von selbst nachwächst. Die Behandlung kann den Krankheitsprozess stoppen und den Zustand stabilisieren – aber eher nicht rückgängig machen. Deshalb gilt: Je früher die Parodontitis erkannt wird, desto besser die Prognose.
Bei konsequenter Therapie und Nachsorge lassen sich auch stark geschädigte Zähne oft noch viele Jahre erhalten.
Die Parorodontitis ist eine schwere Allgemeinerkrankung
Man weiss schon lange: die Entzündung bleibt nicht auf den Mund beschränkt. Bakterien und Entzündungsstoffe gelangen in den Blutkreislauf und belasten den gesamten Körper. Wissenschaftlich belegt sind schwerwiegende Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Schwangerschaftskomplikationen und rheumatoider Arthritis uvm..
Zahnverlust, Zahnersatz und Implantate
Parodontose ist die häufigste Ursache für Zahnverlust bei Erwachsenen. Irgendwann stellt sich die Frage nach Zahnersatz – und oft nach Implantaten.
Die gute Nachricht: Auch Parodontitis-Patienten können erfolgreich mit Implantaten versorgt werden. In Langzeitstudien über 20 Jahre lagen die Überlebensraten bei über 90% – nur wenig unter den Werten von parodontal Gesunden.
Wichtig ist, dass die Parodontose vor der Implantation so gut wie möglich behandelt wird. Lässt sich die Erkrankung nicht vollständig unter Kontrolle bringen, ist eine Implantation nicht ausgeschlossen – erfordert aber engmaschigere Nachsorge und ehrliche Aufklärung über das höhere Risiko für Periimplantitis.
Mehr über Zahnersatz bei Parodontose
Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ): Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6). Köln, 2025.
Kocher T et al.: Trends in periodontal status: results from the German Oral Health Studies from 2005 to 2023. Quintessence Int 2025;56(3):S48–58.
DG PARO, Diverse: S3-Leitlinie Behandlung von Parodontitis Stadium I–III. AWMF-Register Nr. 083-043. 2020 (aktualisiert 2021).
S3-Leitlinie Therapie der Parodontitis im Stadium IV. AWMF-Register Nr. 083-056. (in Kürze).
Roccuzzo A et al.: Clinical outcomes of dental implants in patients with and without history of periodontitis: A 20-year prospective study. J Clin Periodontol 2022;49(12):1243–1254.






