Stiftung Warentest schlampt beim Implantologen-Test

Aber wie fühlt man eigentlich Zahnärzten auf den Zahn? Schönheit der Zahnkronen oder Passform der Prothese bewerten? Schmerzen bei einer Wurzelkanalbehandlung im Vergleich? Sternchen für Freundlichkeit und Ambiente?

So misst man Implantologen!

Ausgewählt wurden 15 Implantat-Spezialisten anhand ihrer Angebote auf der Praxishomepage, die ja unstrittig als klarer Qualifikationsbeleg gelten. Dann schickte man drei Testpatienten zu je fünf von ihnen, um zu sehen, ob die richtige Behandlung auch vorgeschlagen wird, und verteilt Punkte wie beim Führerscheintest. Ganz einfach, oder?
Wie sieht aber die richtige Behandlung überhaupt aus? Für Stiftung Warentest eine klare Sache. Man nimmt einen Zahnarzt, der implantologisch  gar keine Erfahrung zu haben braucht. Auch dass er seit 2002 gar nicht mehr als Zahnarzt tätig ist, sondern die Argumentationen von Versicherungen übernimmt, ist nebensächich. Er bekommt auf jeden Fall das Zepter der Erkenntnis in die Hand. Fachlich renommierte Spezialisten zur Überprüfung? Behandlungsrichtlinien der Fachgesellschaften? Wissenschaftliche Erkenntnisse, sogenannte evidenzbasierte Medizin als Grundlage? Alles Fehlanzeige.
Und wie kommt man objektiv an die gewünschten Informationen heran? Man bräuchte dazu fachlich perfekt ausgebildete Testpersonen, die jedes Wort des Behandlers genau zu werten wissen und mit einer phänomenalen Gedächtnisleistung ausgestattet sind, um alles nachfolgend präzise zu dokumentieren. Und davon viele. Und sie dürften natürlich vorab keinesfalls instruiert werden, um eine absolut unbefangene Konsultation sicher zu stellen. Geht gar nicht? Als Stiftung Warentest ist man über jeden Zweifel erhaben.

Die Implantologen sind natürlich durchgefallen

Und was ist rausgekommen? Richtig, alle 15 Implantologen haben den Test nicht bestanden, sagt der Schreibtischzahnarzt im Auftrag der Stiftung Warentest. Wir haben es ja auch alle wissen müssen: mit den Zahnärzten stimmt was nicht.
Natürlich werden in dem Test Mängel offenbart, und die Zahnärzteschaft sollte im Grunde froh sein, dass man Ihnen den Spiegel vorhält, denn nur so lassen sich die Dinge verbessern. Allerdings kann der Test, so wie er durchgeführt wurde, gar keine stichhaltigen Ergebnisse erzielen. Nach den Voraussetzungen für wissenschaftliches Arbeiten, und an diesen sollte sich Stiftung Warentest selbst messen, liegt die Aussagekraft nicht mal auf dem untersten Niveau: eine persönliche Meinung eines fachlich nicht anerkannten, bezahlten Prüfers, nach untauglichen Erhebungsmethoden. Es kann also das rauskommen, was rauskommen soll. Und das ist ebenfalls erschreckend, denn was verkauft uns Stiftung Warentest noch als verbriefte Wahrheit, was im Grunde das Papier nicht wert ist auf das es gedruckt ist?

Redaktion implantate.com

Literatur:
test 10/2015, Stiftung Warentest
Grade System: Levels of evidence

Letzte Aktualisierung am Mittwoch, 11. November 2015

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Noch bevor man über Zahnersatz diskutiert: An der Stelle wo vielleicht ein Implantat hin soll, stand oder steht sogar noch ein Zahn. Wann kann man ihn noch retten, wann ist es für den Zahn zu spät? Damit beschäftigt sich unser Kapitel: Wann muss ein Zahn raus?  Wenn er stark zerstört ist, kann eine Überkronung den Zahn erhalten. Welches Material und welche Technik bei der Kronenversorgung (Vollkeramikkrone, Verblendkrone oder Goldkrone) hat dann welchen Vorteil?