Viele Patienten erhalten nach einer Implantat-OP den Hinweis, mehrere Wochen auf Sport zu verzichten. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch: Diese Vorsicht ist weitgehend unbegründet. Moderate körperliche Aktivität fördert die Knochenheilung eher, als dass sie ihr schadet.
Studien belegen, dass regelmäßige Bewegung mehrere für die Heilung relevante Prozesse positiv beeinflusst: Sie verbessert die Durchblutung und damit die Versorgung des heilenden Gewebes mit Sauerstoff und Nährstoffen. Sie mobilisiert Stammzellen und Vorläuferzellen, die zur Regeneration beitragen. Zudem wirkt moderate Aktivität entzündungshemmend. Eine Untersuchung an Patienten mit Osteoporose zeigte sogar, dass mechanische Stimulation die Implantateinheilung im Knochen verbesserte.
Was bedeutet das praktisch? In den ersten Tagen nach der Operation ist körperliche Schonung sinnvoll – nicht wegen des Implantats, sondern wegen der Wundheilung im Weichgewebe. Blutdrucksteigernde Aktivitäten können in dieser Phase zu Nachblutungen führen. Nach etwa einer Woche, wenn die oberflächliche Wundheilung abgeschlossen ist, steht moderatem Training nichts im Wege.
Intensiver Leistungssport und Maximalkraftbelastungen sollten für etwa zwei Wochen pausieren. Danach gilt: Auf den eigenen Körper hören. Wenn Pochen oder Schmerzen an der Implantatstelle auftreten, ist das ein Signal zur Pause.
Die früher verbreitete Empfehlung einer sechswöchigen Sportkarenz entspricht nicht dem aktuellen Wissensstand. Wer sich nach einer unkomplizierten Implantation fit fühlt, darf sich bewegen – das unterstützt den Heilungsprozess.
→ Ausführliche Informationen: Implantate und Sport: Wann darf ich wieder?
Quellen: Oki T et al. Wound healing acceleration in inflammation phase of post-tooth extraction after aerobic and anaerobic exercise. Science & Sports 2020;35(1):24-30. Zogaib PS et al. Moderate intensity physical training accelerates healing of full-thickness wounds in mice. Brazilian Journal of Medical and Biological Research 2011;44(10):1025-1031.

