Diabetes mellitus und Mundgesundheit
Zuckerkrankheit im Wechselspiel mit Zahnfleisch und Zähnen
Diabetes mellitus, im Volksmund als „Zuckerkrankheit“ bezeichnet, ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die weltweit epidemische Ausmaße angenommen hat. Diese komplexe Erkrankung führt zu dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten (Hyperglykämie) und betrifft weltweit 589 Millionen Erwachsene – jeden neunten Menschen zwischen 20 und 79 Jahren. Bis 2050 wird ein Anstieg auf 853 Millionen erwartet.
Bei Diabetes mellitus unterscheidet man hauptsächlich zwischen zwei Typen:
Typ-1-Diabetes entwickelt sich meist in jungen Jahren durch eine Autoimmunreaktion, bei der das körpereigene Immunsystem die Insulin-produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse angreift und zerstört. Die Folge ist ein absoluter Insulinmangel, der eine lebenslange Insulinsubstitution erforderlich macht.
Typ-2-Diabetes entsteht durch eine zunehmende Insulinresistenz der Körperzellen, kombiniert mit einer relativen Insulinunterproduktion. Diese Form macht etwa 90% aller Diabetesfälle aus und entwickelt sich meist schleichend über Jahre hinweg. Hauptrisikofaktoren sind Übergewicht, Bewegungsmangel, genetische Veranlagung und das metabolische Syndrom.
Während die klassischen fünf Diabeteskomplikationen – Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Augenschäden, Nierenschäden, Nervenschäden und periphere Gefäßerkrankungen – weithin bekannt sind, wird die Mundgesundheit als große Komplikation oft übersehen.
Was passiert im Mund bei Diabetes?
Diabetes mellitus wirkt sich auf nahezu alle Bereiche der Mundgesundheit aus – auf die Zähne, das Zahnfleisch, die Mundschleimhaut und den Speichel.
Die wichtigsten Munderkrankungen bei Diabetes im Überblick:
- Zahnfleischentzündung (Gingivitis): die Vorstufe der Parodontitis – bei Diabetikern häufiger und ausgeprägter, Zahnfleischbluten deutlich öfter als bei Stoffwechselgesunden.
- Parodontitis: die häufigste und schwerwiegendste orale Folge – tiefere Zahnfleischtaschen, mehr Attachmentverlust, aggressivere Verläufe und mehr Zahnverlust durch Parodontitis. Beide Erkrankungen verstärken sich gegenseitig; mehr dazu im Kapitel Wechselwirkung von Diabetes und Parodontitis.
- Karies: begünstigt durch Mundtrockenheit, veränderten Speichel und häufige Zwischenmahlzeiten; Wurzelkaries tritt gehäuft auf.
- Orale Candidiasis (Mundsoor): vor allem als Prothesenstomatitis – die Entzündung unter einer Prothese – deutlich häufiger.
- Xerostomie (Mundtrockenheit): betrifft einen großen Teil der Diabetiker und verstärkt alle übrigen Probleme.
- Weitere Auswirkungen: Burning Mouth Syndrom, Geschmacksstörungen, Mundschleimhautveränderungen wie der orale Lichen planus und eine verzögerte Wundheilung nach zahnärztlichen Eingriffen.
Die einzelnen Krankheitsbilder werden in den folgenden Abschnitten näher beschrieben.
Die zugrundeliegenden Mechanismen
1. Beeinträchtigte Immunfunktion
Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte schwächen das Immunsystem erheblich. Weiße Blutkörperchen (Neutrophile) verlieren bei hohem Blutzucker ihre Fähigkeit zur effektiven Bakterienabwehr. Chemotaxis (Bewegung auf chemische Reize), Phagozytose (Aufnahme von Bakterien) und antimikrobielle Abwehr der Immunzellen sind bei schlecht eingestelltem Diabetes deutlich eingeschränkt.
2. Gestörte Wundheilung
Die Wundheilung im Mundraum ist bei Diabetikern erheblich verlangsamt. Die Hyperglykämie führt zu:
- Bildung von Advanced Glycation End Products (AGEs), die Kollagen vernetzen und die Gewebereparatur behindern
- Reduzierter Kollagensynthese und verstärktem Kollagenabbau
- Beeinträchtigter Angiogenese (Neubildung von Blutgefäßen)
- Gestörter Zellmigration und -proliferation (herabgesetzte Immunabwehr)
3. Mikrovaskuläre Schäden Diabetes verursacht Mikroangiopathie – Schäden an den kleinsten Blutgefäßen. Im Mundraum führt dies zu:
- Reduzierter Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Zahnfleisches
- Beeinträchtigter Mikrozirkulation im Parodont (schlechte Versorgung mit Nährstoffen)
- Verstärkter Durchlässigkeit von Blutgefäßen und Entzündungsneigung
4. Veränderte Speichelproduktion Viele Diabetiker leiden unter Xerostomie (Mundtrockenheit). Die Ursachen sind vielfältig:
- Polyurie (vermehrtes Wasserlassen) führt zu Dehydratation
- Diabetische Neuropathie kann Speicheldrüsen beeinträchtigen
- Medikamentennebenwirkungen verstärken die Mundtrockenheit
- Veränderte Speichelzusammensetzung mit erhöhtem Glukosegehalt
Xerostomie und Speichelveränderungen bei Diabetikern
Häufigkeit und Symptome
Mundtrockenheit (Xerostomie) ist bei Diabetes häufig. Die Symptome umfassen:
- Ständiges Durstgefühl
- Schwierigkeiten beim Kauen und Schlucken
- Brennendes Gefühl im Mund
- Geschmacksstörungen
- Mundgeruch
Speichelveränderungen Bei Diabetikern ist nicht nur die Speichelmenge reduziert, sondern auch die Qualität verändert:
- Erhöhter Zuckergehalt im Speichel
- Reduzierte Pufferkapazität (Fähigkeiten des Speichels zum Ausgleich)
- Verminderte antimikrobielle Proteine (Lysozym, Lactoferrin)
- Veränderte Elektrolytzusammensetzung
Karies bei Diabetikern
Ob ein erhöhter Blutzucker unmittelbar Karies verursacht, ist fachlich umstritten. Höhere Kariesraten bei Diabetikern sind beschrieben; die Ursache liegt dabei offenbar weniger im Blutzucker selbst als in den Begleitumständen.
Was das Kariesrisiko erhöht
- Xerostomie (Mundtrockenheit): weniger Speichel, schlechtere Selbstreinigung der Mundhöhle, verminderte Pufferkapazität.
- Veränderter Speichel: höherer Glukosegehalt, weniger antimikrobielle Proteine wie Lysozym und Lactoferrin, beeinträchtigte Remineralisation des Zahnschmelzes.
- Ernährungsgewohnheiten: häufigere Mahlzeiten zur Blutzuckerregulation, zuckerhaltige Notfallmedikamente, zusätzliche Kohlenhydrate bei Unterzuckerung.
Besondere Kariesformen bei Diabetikern
- Wurzelkaries häufiger, weil Zahnhälse freiliegen
- Karies an untypischen Stellen
- schnellere Progression
- schlechtere Heilung nach Füllungen und Kronen
Parodontitis bei Diabetes: häufiger und schwerer
Die Parodontitis ist die häufigste und schwerwiegendste orale Folge des Diabetes.
- Das Risiko für eine schwere Parodontitis ist etwa drei- bis vierfach erhöht.
- Bei Typ-2-Diabetes sind die Zahnfleischtaschen im Mittel 0,61 mm tiefer und der Attachmentverlust 0,89 mm größer als bei Stoffwechselgesunden.
- Ebenfalls bei Typ-2-Diabetes: im Mittel rund zwei verlorene Zähne mehr.
- Die Verläufe sind aggressiver, der Knochenabbau schreitet schneller voran.
Wie Diabetes Parodontitis fördert
Es sind dieselben Mechanismen, die weiter oben beschrieben sind: geschwächte Immunabwehr, gestörte Wundheilung und Schäden an den kleinsten Blutgefäßen. Im Zahnhalteapparat wirken sie besonders deutlich, weil dort Bakterienbelastung und Gewebeumbau ohnehin dicht beieinanderliegen.
Veränderungen der oralen Mikrobiota bei Diabetes
Diabetes verändert das orale Mikrobiom deutlich:
Erhöhte Zahl von Parodontitis-Markerkeimen:
- Porphyromonas gingivalis
- Tannerella forsythia
- Treponema denticola
- Aggregatibacter actinomycetemcomitans
- Prevotella intermedia
Reduzierte kommensale Bakterien:
- Streptococcus sanguinis
- Actinomyces viscosus
- Veillonella parvula
Mechanismen der mikrobiellen Veränderung:
- Hyperglykämie fördert pathogene Bakterien
- Reduzierte Immunabwehr ermöglicht bakterielle Proliferation
- Xerostomie reduziert antimikrobielle Speichelkomponenten
- Veränderte Nährstoffverfügbarkeit im Sulkus
Parodontitis und Diabetes: Wechselwirkung im Guten wie im Schlechten
Wie Parodontitis den Diabetes verschlechtert
Parodontitis ist mehr als nur ein lokales Problem – sie wirkt sich auf den gesamten Körper aus:
Chronische Systementzündung Entzündetes Zahnfleisch setzt kontinuierlich Entzündungsmediatoren frei:
- Interleukin-1β (IL-1β)
- Tumor-Nekrose-Faktor-α (TNF-α)
- Interleukin-6 (IL-6)
- C-reaktives Protein (CRP)
Diese gelangen über die Blutbahn in den gesamten Körper und verstärken die Insulinresistenz durch:
- Beeinträchtigung der Insulinsignalwege
- Förderung der Lipolyse
- Hemmung der Glukoseaufnahme in Muskel- und Fettgewebe
Bakteriämie Bei fortgeschrittener Parodontitis gelangen regelmäßig Bakterien ins Blut – bereits beim normalen Zähneputzen, darunter Porphyromonas gingivalis und Aggregatibacter actinomycetemcomitans. Diese Bakterien können weitere Entzündungsreaktionen auslösen und den Diabetes destabilisieren.
Der Teufelskreis Schlecht eingestellter Diabetes → verstärkte Parodontitis → erhöhte Systementzündung → schlechtere Diabeteskontrolle → weitere Verschlechterung der Parodontitis
Erfolg in der Parodontitisbehandlung verbessert den Diabetes
Eine erfolgreiche Parodontitisbehandlung kann den HbA1c-Wert um etwa 0,4 Prozentpunkte senken. Zum Vergleich: Eine Senkung um einen ganzen Prozentpunkt geht mit rund einem Drittel weniger mikrovaskulärer Folgeschäden einher – die Wirkung einer Parodontitisbehandlung liegt entsprechend darunter, ist aber messbar.
Mehr Infos? Eigenes Kapitel Diabetes und Parodontitis
Weitere Auswirkungen im Mund
Zungenbrennen
Ein Teil der Diabetiker leidet unter brennenden Mundempfindungen. Typisch sind brennende, stechende oder elektroschockartige Schmerzen, meist an Zungenspitze und Zungenrändern, oft im Tagesverlauf zunehmend und mit Geschmacksstörungen kombiniert. Liegt eine diabetische Neuropathie zugrunde, handelt es sich um ein sekundäres Zungenbrennen mit erkennbarer Ursache – und nicht um das Burning Mouth Syndrom, das erst dann so heißt, wenn sich keine Ursache finden lässt.
Geschmacksstörungen
Die diabetische Neuropathie kann auch die Geschmacksnerven schädigen. Die Folge ist ein vermindertes (Hypogeusie) oder verändertes (Dysgeusie) Geschmacksempfinden.
- Oraler Lichen planus
- Landkartenzunge (benigne Glossitis migrans)
- Fissurenzunge
- Rezidivierende aphthöse Stomatitis
- Traumatische Ulzerationen
Dazu kommt eine verzögerte Wundheilung nach zahnärztlichen Eingriffen.
Orale Candidiasis (Mundsoor) bei Diabetes mellitus
Dass Diabetiker generell häufiger eine orale Pilzinfektion (Candidiasis) bekommen, ist schwächer belegt, als oft behauptet wird: In der Zusammenschau der Studien unterscheidet sich die Häufigkeit nicht sicher von der bei Stoffwechselgesunden. Gut belegt ist dagegen die Prothesenstomatitis – die Entzündung der Schleimhaut unter einer Prothese – sie tritt bei Diabetikern etwa doppelt so häufig auf. Hauptkeim ist in beiden Fällen Candida albicans. Ungünstig wirken vor allem eine schlechte Blutzuckereinstellung und Mundtrockenheit.
Formen der oralen Candidiasis
Pseudomembranöse Candidose (klassischer „Soor“)
- Charakteristische weiße, abwischbare Beläge
- Meist auf Zunge, Wangenschleimhaut und Gaumen
- Darunter gerötete, oft blutende Schleimhaut
- Brennende Schmerzen
Erythematöse Candidose
- Rote, flache Läsionen
- Besonders häufig auf der Zungenrückenseite
- Brennende Empfindungen
- Geschmacksstörungen
Chronische hyperplastische Candidose
- Weiße, nicht abwischbare Plaques
- Vorwiegend an Zungenrändern und Wangenschleimhaut
- Erhöhtes Entartungsrisiko
Prothesenstomatitis
- Rötung und Schwellung unter Prothesen
- Besonders häufig bei Diabetikern mit Zahnersatz
- Oft kombiniert mit Mundwinkelrhagaden
Risikofaktoren bei Diabetikern
- Immunsuppression durch Hyperglykämie
- Xerostomie schafft günstiges Milieu
- Schlechte glykämische Kontrolle
- Prothesentragende Patienten
- Raucher haben zusätzlich erhöhtes Risiko
- Häufige Antibiotikatherapien
Grundregeln für zahnärztliche Behandlung von Diabetikern
Mundbehandlung und Blutzucker gehören zusammen Zahnärztliche Behandlung und diabetologische Einstellung laufen nebeneinander, nicht nacheinander. Zahnärztliche Eingriffe haben bei schlecht eingestelltem Diabetes ein erhöhtes Risiko für Komplikationen wie Wundheilungsstörungen; das Risiko steigt mit dem HbA1c-Wert.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
- Enge Abstimmung zwischen Zahnarzt und Diabetologe
- Regelmäßiger Austausch über HbA1c-Werte und komorbide Erkrankungen
- Koordination bei Medikamentenanpassungen
- Gemeinsame Behandlungsziele
Präventiver Ansatz
- Häufigere Kontrollen – in der Regel alle drei Monate
- Früherkennung von Problemen
- Intensive Patientenaufklärung
Kariesprävention und Füllungstherapie bei Diabetikern
Präventive Maßnahmen
- Professionelle Zahnreinigung alle drei Monate
- Hochdosierte Fluoridapplikation
- Speichelstimulation bei Xerostomie
- Ernährungsberatung mit Fokus auf zahngesunde Kost
Restaurative Therapie
- Bevorzugung von Materialien mit Fluoridfreisetzung
- Minimalinvasive Techniken
- Sorgfältige Nachsorge und Kontrolle
- Bei umfangreichen Eingriffen: perioperative Blutzuckerkontrolle
Management der Xerostomie
- Speichelersatzprodukte (Sprays, Gele, Lutschtabletten)
- Speichelstimulation durch zuckerfreie Kaugummis
- Ausreichend trinken – wie viel, richtet sich nach Herz- und Nierenfunktion und gehört mit der behandelnden Ärztin besprochen
- Luftbefeuchtung in Wohn- und Schlafräumen
- Bei schwerer Mundtrockenheit kommen speichelanregende Medikamente infrage
Parodontitisbehandlung bei Diabetes: die einzelnen Schritte
Parallel: Blutzucker in den Griff bekommen Die nichtchirurgische Parodontitisbehandlung ist auch bei schlecht eingestelltem Diabetes möglich und sinnvoll – sie senkt den Langzeitblutzucker sogar. Beides läuft deshalb nebeneinander: Der Zahnarzt behandelt die Parodontitis, die diabetologische Einstellung wird parallel optimiert. Nur vor chirurgischen Eingriffen sollte die Stoffwechsellage stabil sein. Als Orientierung für die Einstellung gelten:
- HbA1c-Zielwert unter 7 % (individuell angepasst)
- Nüchternblutzucker 80-130 mg/dl
- Postprandiale Werte unter 180 mg/dl
Danach: Hygienephase
- Ausführliche Mundhygieneinstruktion
- Professionelle Zahnreinigung
- Motivation zur optimalen häuslichen Pflege
- Antimikrobielle Mundspülungen (z.B. Chlorhexidin)
Anschließend: systematische Parodontitistherapie
- Subgingivale Instrumentierung (Scaling and Root Planing)
- Begleitende Antibiotika kommen nur in Ausnahmefällen infrage
- Lokale antimikrobielle Therapie
- Engmaschige Kontrollen
Falls erforderlich: chirurgische Therapie
- Nur bei stabiler Blutzuckerkontrolle
- Offene Kürettage bei persistierenden tiefen Taschen
- Regenerative Verfahren mit vorsichtiger Indikationsstellung
- Intensive perioperative Betreuung
Dauerhaft: Erhaltungstherapie
- Professionelle Zahnreinigung alle drei Monate
- Kontinuierliche Remotivation
- Regelmäßige Kontrolle der Blutzuckerwerte
- Früherkennung von Rezidiven
Moderne Therapieansätze
- Photodynamische Therapie als adjuvante Maßnahme
- Probiotika zur Mikrobiommodulation
- evtl. Lokalapplikation von Matrix-Metalloproteinase-Hemmern
Behandlung der oralen Candidiasis bei Diabetikern
Diagnostik
- Klinische Diagnose meist ausreichend
- Bei Therapieresistenz: Abstrich mit Pilzkultur
- Differenzialdiagnose zu anderen weißen Läsionen
Medikamentöse Behandlung
In der Regel genügt eine örtliche Behandlung mit einem Antimykotikum, etwa als Suspension, Gel oder Lutschtablette. Nur bei schweren oder therapieresistenten Verläufen wird systemisch behandelt. Wirkstoff, Dosierung und Dauer legt die behandelnde Ärztin oder der Zahnarzt fest – bei eingeschränkter Nierenfunktion ist eine Anpassung nötig.
Begleitmaßnahmen
- Optimierung der Blutzuckerkontrolle
- Prothesenreinigung und -desinfektion
- Mundhygiene intensivieren
- Raucherentwöhnung
Präventive Strategien
- Regelmäßige Mundspülungen mit antimykotischen Lösungen
- Probiotika mit Lactobacillus-Stämmen
- Optimale Prothesenhygiene
- Behandlung der Grunderkrankung
Rezidivprophylaxe
- Bei häufigen Rückfällen eine ärztlich festgelegte Erhaltungstherapie
- Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen
- Kontinuierliche Diabetesoptimierung
- Patientenschulung zur Früherkennung
Diabetes mellitus und Zahnimplantate
Früher galt Diabetes mellitus als Gegenanzeige für Implantate. Das hat sich so nicht bestätigt. Schlecht kontrollierter Diabetes führt zu beeinträchtigter Osseointegration, erhöhtem Periimplantitis-Risiko und höherer Implantatverlustrate. Unter optimaler Blutzuckerkontrolle wird die Osseointegration bei Diabetikern wahrscheinlich erfolgreich verlaufen. Die Verwendung von antiseptischen Mundspülungen und Mundhygiene-Erhaltung hilft bei der erfolgreichen Osseointegration. Bei gut eingestelltem Diabetes scheint in den ersten Jahren nach der Implantation kein erhöhtes Periimplantitis-Risiko zu bestehen; über längere Zeiträume werden Entzündungen an Implantaten bei Diabetikern jedoch häufiger dokumentiert.
Was über den Erfolg entscheidet
Entscheidend ist die Stoffwechsellage, nicht der Diabetes-Typ an sich: Bei gut eingestelltem Diabetes liegen die Erfolgsraten im Bereich stoffwechselgesunder Patienten, bei schlechter Einstellung steigt das Komplikationsrisiko deutlich. Für Typ-1-Diabetes ist die Datenlage dünner als für Typ 2; einzelne Übersichtsarbeiten berichten dort höhere Verlustraten.
Präoperative Optimierung
- HbA1c idealerweise unter 7%
- Parodontale Sanierung vor Implantation
- Etablierung optimaler Mundhygiene
- Systemische Risikofaktoren minimieren
Perioperatives Management
- Prä- bzw. perioperative Antibiotikaprophylaxe empfohlen
- Engmaschige Blutzuckerkontrolle
- Chlorhexidin-Mundspülungen prä- und postoperativ
- Intensivierte Nachsorge
Langzeitbetreuung
- Recall alle drei Monate im ersten Jahr
- Professionelle Implantatreinigung
- Früherkennung von Periimplantitis
- Kontinuierliche Diabeteskontrolle
Patientenaufklärung und Selbstmanagement in der Diabetologie
Was Diabetiker wissen und tun sollten
Warnsignale erkennen
- Zahnfleischbluten beim Zähneputzen
- Schwellungen oder anhaltende Schmerzen
- Lockere Zähne oder Zahnwanderungen
- Mundgeruch trotz guter Hygiene
- Weißliche Beläge auf der Zunge
- Brennende Mundempfindungen
Optimale häusliche Mundhygiene
- Zweimal täglich Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta
- Tägliche Interdentalhygiene (Zahnseide, Interdentalbürsten)
- Antimikrobielle Mundspülungen nach Absprache
- Sanfte Zungenreinigung
- Regelmäßiger Austausch der Zahnbürste
Lebensstilmodifikationen
- Optimale Diabeteseinstellung als Priorität
- Raucherentwöhnung
- Ausgewogene, zuckerarme Ernährung
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Stressmanagement
Regelmäßige Kontrollen
- Zahnarztbesuche alle drei Monate
- HbA1c-Kontrolle beim Diabetologen alle drei Monate
- Sofortige Vorstellung bei Problemen
- Compliance bei der Medikamenteneinnahme
Integrierte Betreuung: Zukunftskonzepte in der Diabetestherapie
Digitale Unterstützung
- Apps zur Mundhygiene-Compliance
- Telemedizinische Beratung
- Professionelle Zahnreinigungen
- Digitale Diabetestagebücher mit oralen Parametern
- KI-gestützte Früherkennung von Mundproblemen
Personalisierte Medizin
- Mikrobiomanalyse für individualisierte Therapien
- Genetische Tests für Therapieresponse
- Biomarker-basierte Diagnostik
- Precision Medicine-Ansätze
Die Behandlung von Diabetikern mit oralen Komplikationen wird zunehmend personalisierter und interdisziplinärer. Mit modernen Therapieansätzen, konsequenter Prävention und optimaler Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten lassen sich auch bei Diabetikern exzellente Behandlungsergebnisse erzielen.
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Häufige Fragen zu Diabetes und Mundgesundheit
Muss mein Blutzucker erst eingestellt sein, bevor die Parodontitis behandelt wird?
Nein. Die nichtchirurgische Parodontitisbehandlung ist auch bei schlecht eingestelltem Diabetes möglich und sinnvoll – sie senkt den Langzeitblutzucker sogar um etwa 0,4 Prozentpunkte. Beides läuft parallel. Nur vor chirurgischen Eingriffen sollte die Stoffwechsellage stabil sein.
Wie viel häufiger bekommen Diabetiker eine Parodontitis?
Das Risiko für eine schwere Parodontitis ist etwa drei- bis vierfach erhöht. Bei Typ-2-Diabetes sind die Zahnfleischtaschen im Mittel 0,61 mm tiefer, der Attachmentverlust ist 0,89 mm größer, und es gehen im Schnitt rund zwei Zähne mehr verloren.
Sind Zahnimplantate bei Diabetes möglich?
Ja. Entscheidend ist die Stoffwechsellage, nicht der Diabetes an sich. Bei guter Einstellung liegen die Erfolgsaussichten im Bereich stoffwechselgesunder Patienten, bei schlechter Einstellung steigt das Komplikationsrisiko. Vor der Implantation gehören eine bestehende Parodontitis behandelt und die Mundhygiene etabliert.
Bekommen Diabetiker häufiger Mundsoor?
Weniger eindeutig, als oft behauptet wird. Für die orale Candidiasis insgesamt ist der Unterschied nicht sicher belegt. Klar häufiger ist die Prothesenstomatitis – die Entzündung der Schleimhaut unter einer Prothese.
Wie oft sollte ich zur Kontrolle?
In der Regel alle drei Monate statt der üblichen halbjährlichen Kontrolle – und zwar unabhängig davon, ob gerade etwas wehtut.
implantate.com-Fazit:
Der Mund gehört zur Diabetestherapie. Wer seine Parodontitis behandeln lässt, verbessert damit auch den Langzeitblutzucker – der Effekt ist kleiner als der einer guten medikamentösen Einstellung, aber er ist da. Umgekehrt macht ein schlecht eingestellter Diabetes jede zahnärztliche Behandlung schwieriger. Deshalb gehören beide Seiten zusammen besprochen und nicht nacheinander abgearbeitet.
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