So läuft die Behandlung einer Parodontitis ab
Diagnostik - Antrag - Therapie
Die Behandlung der Parodontitis hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Was früher mit dem berüchtigten „Wegschneiden des Zahnfleischs“ verbunden war, ist heute eine vergleichsweise schonende Therapie. Die meisten Patienten berichten hinterher: Es war weniger schlimm als befürchtet.
Das Prinzip ist einfach: Die Bakterien müssen weg. Dafür werden die Wurzeloberflächen unterhalb des Zahnfleischs von Belägen befreit – in der Regel ohne Schnitt, unter örtlicher Betäubung. Eine Operation ist nur selten nötig.
Therapiestrecke Parodontitis
Eine systematische Parodontitisbehandlung gliedert sich in mehrere Phasen:
1. Diagnose Am Anfang steht die Feststellung: Liegt überhaupt eine behandlungsbedürftige Parodontitis vor? Der Zahnarzt misst die Tiefe der Zahnfleischtaschen an mehreren Stellen pro Zahn und prüft, ob es beim Sondieren blutet. Ab 4 mm Taschentiefe mit Entzündungszeichen gilt eine Parodontitis als behandlungsbedürftig.
Oft fällt eine Parodontitis bei einer professionellen Zahnreinigung (PZR) oder der routinemäßigen Kontrolle auf. Der sogenannte PSI (Parodontaler Screening Index) ist alle zwei Jahre Kassenleistung und dient als Früherkennungsuntersuchung.
Röntgendiagnostik: Unverzichtbar für die Diagnose ist ein Röntgenbild – in der Regel ein OPG (Orthopantomogramm), das alle Zähne und den gesamten Kieferknochen auf einer Aufnahme zeigt. Nur so lässt sich beurteilen, wie weit der Knochenabbau tatsächlich fortgeschritten ist. Die Taschentiefe allein sagt nicht alles: Manchmal ist der Knochen bereits stärker abgebaut, als die Sondierung vermuten lässt. Ohne Röntgenbild keine zuverlässige Diagnose, keine Prognose, kein Behandlungsplan.
2. Antrag bei der Krankenkasse Vor Behandlungsbeginn stellt die Praxis einen Antrag bei Ihrer Krankenkasse. Dafür werden die Befunde dokumentiert: Taschentiefen, Blutungsstellen, Lockerungsgrade, Röntgenbefund. Die Genehmigung ist in der Regel Routine.


3. Aufklärungs- und Therapiegespräch Seit 2021 ist dieses Gespräch fester Bestandteil der Kassenleistung. Der Zahnarzt erklärt Ihnen die Erkrankung, bespricht die einzelnen Therapieschritte und informiert über Risikofaktoren wie Rauchen oder Diabetes. Sie erfahren, was auf Sie zukommt – und was Sie selbst zum Erfolg beitragen können.
4. Mundhygiene-Schulung Ebenfalls Kassenleistung: Eine individuelle Anleitung zur häuslichen Zahnpflege. Sie lernen, welche Interdentalbürsten für Ihre Zahnzwischenräume passen und wie Sie sie richtig anwenden. Das ist keine Formalität – Ihre Mitarbeit entscheidet über den Erfolg der gesamten Therapie.
Professionelle Zahnreinigung (PZR): Keine Voraussetzung für die Behandlung, aber oft sinnvoll als Vorbereitung – und häufig der Moment, in dem eine Parodontitis überhaupt erst auffällt. → Mehr zur Rolle der PZR
5. Die eigentliche Behandlung Unter örtlicher Betäubung werden die Wurzeloberflächen in den Zahnfleischtaschen von Belägen und Bakterien befreit. Das geschieht mit feinen Handinstrumenten oder Ultraschall – ohne Schnitt ins Zahnfleisch. Je nach Aufwand sind zwei bis vier Sitzungen nötig, typischerweise wird erst eine Kieferhälfte behandelt, dann die andere. → Die geschlossene Behandlung im Detail
6. Kontrolle nach 3–6 Monaten (Befundevaluation) Die Praxis prüft, wie gut die Behandlung angeschlagen hat. Die Taschentiefen werden erneut gemessen, der Befund mit dem Ausgangszustand verglichen. In den meisten Fällen sind die Werte deutlich besser. Falls einzelne Stellen nicht ausreichend verheilt sind, wird gezielt nachbehandelt – entweder erneut geschlossen oder, bei sehr tiefen Taschen, chirurgisch.
7. Nachsorge (UPT) Parodontitis ist eine chronische Erkrankung. Nach der aktiven Behandlung beginnt die „Unterstützende Parodontitistherapie“ – regelmäßige Kontroll- und Reinigungstermine über mindestens zwei Jahre. Wie oft Sie kommen müssen, hängt vom Schweregrad ab: bei leichteren Fällen zweimal pro Jahr, bei schweren bis zu sechsmal.
Was passiert bei der Parorontosebehandlung konkret?
Bei der sogenannten „geschlossenen“ Parodontitisbehandlung geht der Zahnarzt mit speziellen Instrumenten unter das Zahnfleisch. Die Wurzeloberflächen werden von zwei Dingen befreit:
- Biofilm: Die klebrige Bakterienschicht, die sich auf den Wurzeln festgesetzt hat
- Konkremente: Harte Ablagerungen (quasi Zahnstein unter dem Zahnfleisch)
Anschließend werden die Wurzeloberflächen geglättet. Das erschwert eine Neubesiedlung durch Bakterien und erleichtert dem Zahnfleisch, sich wieder anzulegen.
Die gängigen Methoden:
| Methode | Beschreibung | Kassenleistung? |
|---|---|---|
| Handinstrumente (Küretten) | Die klassische Methode – präzise, bewährt | Ja |
| Ultraschall | Schonender, schneller, weniger belastend | Ja |
| Laser | Ergänzend zur Desinfektion | Nein (Privatleistung) |
Ob Handinstrumente oder Ultraschall – beide Methoden sind wissenschaftlich gleichwertig. Viele Praxen kombinieren sie. → Ultraschall, Laser & Co.
Wie schmerzhaft ist die Parorontitisbehandlung?
Sedierung für ängstliche Patienten möglich
Die Behandlung selbst ist durch lokale Betäubung grundsätzlich schmerzfrei durchführbar. Was Patienten aber in jedem Fall als unangenehm empfinden: Es werden viele Zähne auf einmal behandelt, was entsprechend viele Spritzen bedeutet. Und die Sitzungen dauern länger als eine normale Kontrolle.
Für empfindliche und besorgte Patienten kann daher eine Lachgassedierung für die Zahnbehandlung oder sogar ein Dämmerschlaf mit Midazolam eine gute Option sein
Nach der Behandlung ist das Zahnfleisch für einige Tage empfindlich. Manche Patienten spüren kaum etwas, andere brauchen ein bis zwei Tage Schmerzmittel. Auch eine vorübergehende Kälteempfindlichkeit der Zähne ist normal – sie legt sich in der Regel nach und nach.
Was viele nicht wissen: Je entzündeter das Zahnfleisch vorher war, desto empfindlicher kann es danach sein. Das klingt paradox, ist aber logisch: Gesundes Gewebe heilt schneller und unkomplizierter.
Ist eine Operation bei Parodontitis nötig?
In den meisten Fällen reicht die geschlossene Behandlung aus. Eine chirurgische Therapie kommt nur infrage, wenn:
- Taschen trotz Behandlung sehr tief bleiben (ab 6 mm)
- Die Wurzeloberflächen nicht ausreichend erreichbar sind
- Komplizierte Knochentaschen oder Furkationsbefälle vorliegen (Befall der Wurzelgabelung bei Backenzähnen)
Bei der offenen Behandlung wird das Zahnfleisch mit einem kleinen Schnitt abgelöst, damit der Zahnarzt unter direkter Sicht arbeiten kann. Das klingt dramatischer als es ist – auch hier wird das Zahnfleisch am Ende wieder angelegt und vernäht, nicht etwa weggeschnitten.
Etwa 10–20 % der Patienten benötigen an einzelnen Zähnen einen chirurgischen Eingriff. Eine Vollnarkose ist dafür nicht nötig.
Was zahlt die Krankenkasse für die Behandlung der Parodontitis, was nicht?
Seit Juli 2021 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nicht nur die eigentliche Behandlung, sondern auch die strukturierte Nachsorge. Das war ein wichtiger Schritt – denn ohne Nachsorge ist der Behandlungserfolg gefährdet.
Kassenleistungen:
- Diagnose, Röntgen, Befunderhebung
- Aufklärungs- und Therapiegespräch
- Mundhygiene-Schulung
- Geschlossene Behandlung (Wurzelreinigung)
- Offene Behandlung (wenn nötig)
- Nachsorge (UPT) für zwei Jahre
Keine Kassenleistung:
- Professionelle Zahnreinigung (PZR) – viele Kassen bezuschussen sie aber freiwillig
- Laserbehandlung
- Bestimmte Antibiotika-Anwendungen
- Regenerative Maßnahmen (Knochenaufbau)
Wichtig: Die Behandlung muss vorher bei der Kasse beantragt werden. Das ist ein Routinevorgang – Ablehnungen sind selten.
Parodontose-Nachsorge: Warum sie entscheidend ist
Hier liegt der entscheidende Punkt, den viele Patienten unterschätzen: Die eigentliche Behandlung ist nur die halbe Miete. Parodontitis ist eine chronische Erkrankung. Sie lässt sich stoppen, aber nicht im klassischen Sinne „heilen“. Die Neigung zur Erkrankung bleibt ein Leben lang.
Ohne regelmäßige Nachsorge kehren die Bakterien zurück. Die Taschen vertiefen sich wieder. Der Knochenabbau geht weiter – oft schneller als beim ersten Mal, weil die Abwehr bereits geschwächt ist.
Die gute Nachricht: Wer die Nachsorgetermine einhält und zu Hause konsequent putzt, hat ausgezeichnete Chancen, seine Zähne dauerhaft zu behalten. Studien zeigen: Mit guter Nachsorge verlieren Parodontitis-Patienten im Schnitt weniger als einen Zahn pro Jahrzehnt.
Die Nachsorge umfasst:
- Kontrolle der Mundhygiene
- Messung der Taschentiefen
- Reinigung aller Zähne von Belägen
- Bei Bedarf: erneute Reinigung einzelner Taschen
Nach zwei Jahren Kassenleistung muss die Nachsorge selbst organisiert werden – in der Regel über regelmäßige professionelle Zahnreinigungen (PZR). Manche Kassen bezuschussen diese. → Nachsorge: So sichern Sie den Erfolg
Was Sie selbst tun müssen
Die Behandlung beim Zahnarzt beseitigt die Bakterien. Ob sie zurückkommen, entscheiden Sie.
Täglich:
- Optimierte Mundhygiene mit Interdentalraumpflege
Womit? Interdentalbürsten gelten als Optimum – sie erreichen bis zu 90% der Zahnzwischenraum-Oberfläche. Aber: Sie erfordern Übung und Geduld. Wer damit nicht zurechtkommt, für den ist die Munddusche eine echte Alternative. Studien zeigen, dass sie Zahnfleischentzündungen sogar wirksamer reduziert als Interdentalbürsten – bei deutlich einfacherer Anwendung. → Mehr zu Interdentalbürsten und Munddusche. Wer täglich eine Minute in die Zahnzwischenraumpflege investiert, tut mehr für seine Zähne als jede Behandlung leisten kann.
Dauerhaft:
- Nachsorgetermine wahrnehmen
- Rauchen vermeiden, so Sie den Raucher sind: Sie haben sonst deutlich schlechtere Heilungschancen
- Hoher Zuckerkonsum (sorgt auch für Zahnfleischentzündungen)
- Bei Diabetes: auf gute Blutzuckerspiegelkontrolle achten
implantate.com-Fazit:
Parodontitis lässt sich heute gut behandeln – schonender als früher, mit guten Erfolgsaussichten. Die eigentliche Behandlung dauert einige Wochen, ist unter Betäubung schmerzfrei und wird von der Kasse bezahlt. Entscheidend für den langfristigen Erfolg ist die Nachsorge: regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt und konsequente Mundhygiene zu Hause. Beides zusammen kann den Krankheitsprozess stoppen und Ihre Zähne dauerhaft erhalten.
Behandlungsrichtlinie zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderer Parodontalerkrankungen (PAR-Richtlinie), in Kraft seit 01.07.2021. https://par-richtlinie.de/
Deutsche Implementierung der S3-Leitlinie „Treatment of Stage I–III Periodontitis“ der European Federation of Periodontology (EFP), DG PARO/DGZMK, 02/2021
Goyal CR, Lyle DM, Qaqish JG, Scallan R: The addition of a water flosser to power tooth brushing: effect on bleeding, gingivitis, and plaque. J Clin Dent 2012; 23(3):57-63
Haag D: Wird die Wirksamkeit von Mundduschen unterschätzt? Eine Auswertung von Studien von 1970 bis heute. ZMK 2013; 29(10)
Lang NP, Ramseier-Grossmann K: Optimal dosage of chlorhexidine digluconate in chemical plaque control when applied by the oral irrigator. J Clin Periodontol 1981; 8(3):189-202
Schwenk W, Fartasch M: Patienteninformation Parodontitis. Bundeszahnärztekammer/KZBV.


