Schraubenlockerungen am Implantat

Die Lockerung einer Implantatschraube (Synonym: Befestigungsschraube, Verbindungsschraube, Abutmentschraube, Halteschraube, Innenschraube, engl.: Abutment Screw) ist eine prothetische Komplikation von zusammengesetzten (zweiteiligen) Implantaten und darf nicht mit der Implantatlockerung durch Knochenabbau (Periimplantitis) verwechselt werden, die den Implantatverlust bedeutet.

Ursachen für die Schraubenlockerung sind in einer langdauernden Belastung bzw. Überlastung mit Zahnersatz und konstruktionsbedingten Schwachpunkten zu suchen, die im Kapitel Schraubenbrüche ausführlich beschrieben werden.

Die Optionen bei der Behandlung sind hier jedoch anders.

Behandlung

Primär verschraubte Konstruktionen

Wenn es sich um indexierte (rotationsgesicherte) Aufbauten (Abutments) handelt, ist die Lösung hier einfach. Entfernen der Deckfüllung (so vorhanden), Schraubenlösung, Abnahme, Reinigung, Wiedereinsetzen, gegebenenfalls Austausch der Schraube, Kontrolle der Passung, Festziehen mit vorgeschriebenem Drehmoment, Deckfüllung zum Verschliessen der Schraubenöffnung, fertig.

Bei frei Drehbaren Abutments (ältere Formen) ist zum Wiedereinsetzen der Originalschlüssel (Einbringhilfe meist aus Kunststoff) für die exakte Positionierung notwendig. Ansonsten muss dieser durch das Labor neu gefertigt werden.

Auf verschraubte Abutments zementierte Kronen

Die Zementierung von Kronen auf Implantaten ist populär, vermindert sie doch die Kosten bei der Fertigung, minimiert Spannungen bei Konstruktionen und vermeidet ästhetisch unschöne Zugangskanäle zu alternativen Schrauben.
Die Abnahme bei einer Innenschraubenlockerung kann sich jedoch als sehr schwierig erweisen. Die Lockerung betrifft den Bereich zwischen Implantat und Abutment. Die Krone ist mit dem Abutment dabei noch fest verklebt. Das Herunterklopfen der Krone (oder Brücke) mit speziellen Haken oder pneumatischen Hilfsmitteln um die Zementverbindung zwischen Abutment und Krone zu lösen, kann funktionieren. Jedoch besteht hier die Gefahr einer Schädigung des Implantatinnengewindes.
In solchen Fällen kann besser die Technik der Trepanation angewendet werden. Es wird hierbei durch die Krone ein Zugang zum Schraubenkanal gebohrt. Danach kann wie mit primär verschraubten Konstruktionen verfahren werden. Wenn die Trepanationsöffnung ästhetisch funktionell nicht mehr befriedigend durch eine Deckfüllung (Kunststoff, evtl. auch Keramik) verschlossen werden kann, bleibt die Neuanfertigung der Krone. Teuer, aber letztendlich dürfte die Vermeidung von Schäden am Implantat Priorität haben.

Nach Lockerungen ist eine Ursachen-Analyse ratsam, sonst ist die nächste Lockerung vorprogrammiert. Einige Hersteller empfehlen nach einer Schraubenlockerung den Austausch der Halteschraube.

Vermeidung von Lockerungen

Einteilige Implantate haben diese Art von Problemen nicht, sind aber für die meisten Behandler, aufgrund der Besonderheiten bei der Einheilung und der Unflexibilität bei der Aufbaugestaltung, selten eine Option.

Bei zweiteiligen Implantaten gibt es neben der optimalen Gestaltung des Zahnersatzes, Einhaltung der Drehmomentrichtlinien und Vermeidung von Spitzenbelastung (Knirscherschiene beim Bruxer) eine weitere Möglichkeit, Abutment-Schraubenlockerung zu verhindern. Man kann die verschraubten Abutments mit speziellen Klebern in der gewünschten Endposition im Schraubenkanal einkleben. Diese Technik, mit der man aus einem zweiteiligen Implantat praktisch ein Einteiliges macht, ist zwar sehr effektiv aber auch nicht ohne (gravierende) Nachteile.

Vorteile der Abutmentverklebung:
  • Verhinderung von Schraubenlockerung
  • Abdichten von Hohlräumen (Bakterienreservoir)

Nachteile der Abutmentverklebung:
  • Abnahme / Auswechseln von Abutments nicht mehr möglich
  • Einklebefehler möglich

 

Die Maximalvariante der Schraubenkomplikation stellt der Bruch der Implantatschraube dar, mit der sich das nächste Kapitel beschäftigt.

Literatur:
Lennart Möllersten, Paul Lockowandt, Lars-Åke Lindén, Comparison of strength and failure mode of seven implant systems: An in vitro test, The Journal of Prosthetic Dentistry, Volume 78, Issue 6, December 1997, Pages 582-591
R.Steven Boggan, J.Todd Strong, Carl E. Misch, Martha Warren, Influence of hex geometry and prosthetic table width on static and fatigue strength of dental implants,The Journal of Prosthetic Dentistry, Volume 82, Issue 4, October 1999, Pages 436-440
Melvyn S. Schwarz, Mechanical complications of dental implants, Clinical Oral Implants Research, Volume 11, Issue Supplement s1, pages 156-158, September 2000Ibrahim Nergiz, Petra Schmage, Raed Shahin, Removal of a fractured implant abutmentscrew: A clinical report, The Journal of Prosthetic Dentistry Volume 91, Issue 6, June 2004, Pages 513-517

Letzte Aktualisierung am Mittwoch, 30. August 2017