Periimplantitis - entzündetes Implantat
Was ist eine Periimplantitis?
Implantate sind bei guter Pflege meist Selbstläufer. Trotzdem kann sich das Gewebe drum herum manchmal entzünden. Neben schlechter Mundhygiene sind u.a. Rauchen, genetische Prädisposition und eine Parodontits die größten Gefahren für das Implantat. Wenn nur das Zahnfleisch betroffen, dann ist die sogenannte periimplantäre Mukositis meist gut zu heilen. Etwa. 40% der Implantatpatienten entwickeln eine Mucositis. Mit der Zerstörung von Knochen beginnt die Periimplantitis. 22% sind leider davon betroffen. Die Therapie ist schwierig.
Warum ist ein Implantat anfälliger für Entzündungen als ein Zahn?
Das liegt in der Biologie begründet. Ein natürlicher Zahn ist über das Desmodont mit dem Knochen verbunden — ein faseriges Bindegewebe, das wie ein Stoßdämpfer wirkt, den Sulkus aktiv abdichtet und die Bakterienabwehr durch gerichtet Spülung unterstützt. Das Implantat hat das nicht. Es liegt direkt am Knochen an (Osseointegration), und das Zahnfleisch liegt dem Implantathals nur an, was keine sichere Barriere gegen Bakterienangriffe darstellt.
Periimplantitis im Überblick
| Was ist es? | Entzündung von Zahnfleisch und Knochen um ein Implantat |
| Vorstufe | Periimplantäre Mukositis (nur Zahnfleisch, noch reversibel) |
| Wie häufig? | Mukositis: ~40 % · Periimplantitis: ~22 % aller Implantatträger |
| Symptome | Oft keine Schmerzen; Bluten, Rötung, tiefe Taschen |
| Gefahr | Fortschreitender Knochenverlust bis zum Implantatverlust |
| Heilbar? | Mukositis: ja · Periimplantitis: nein — nur stabilisierbar |
| Kassenleistung | Keine |
| Behandlungskosten | 40 – 1000 € je nach Stadium und Therapieansatz |
Risikofaktoren für periimplantäre Entzündungen
Schlechte Mundhygiene ist der direkteste und beeinflussbarste Risikofaktor. Bakterieller Belag an der Implantatoberfläche ist der Ausgangspunkt. Konsequente Reinigung — auch der Zwischenräume mit Interdentalbürsten — ist das Wichtigste, was Patienten selbst tun können.
Rauchen erhöht das Periimplantitis-Risiko deutlich. Raucher haben schlechtere Durchblutung, eine veränderte Immunreaktion und eine ungünstigere Mundflora. Einer der am besten belegten Risikofaktoren überhaupt.
Vorbestehende Parodontitis ist ein ernst zu nehmendes Warnsignal. Wer Parodontitis hat oder hatte, trägt die gleichen pathogenen Keime und die gleiche Immunreaktion in sich, die auch Implantate gefährden. Eine Periimplantitis tritt bei Parodontitis-Patienten häufiger und früher auf. Vor jeder Implantation sollte eine bestehende Parodontitis konsequent behandelt sein.
Genetik und Immunlage lassen sich nicht ändern. Wer familiär vorbelastet ist oder eine systemische Immunschwäche hat — etwa durch Cortison oder andere Immunsuppressiva — braucht engmaschigere Kontrollintervalle.
Zementreste unter dem Zahnfleisch bei zementierten Kronen sind ein unterschätzter Faktor. Zement, der bei der Kroneneinsetzung ins Gewebe gedrückt wurde, wirkt als dauerhafter Fremdkörper und befeuert die Entzündung. Im Röntgenbild oft gut zu erkennen — wenn man danach sucht.
Schlechte Pflegbarkeit — eine ungünstige Implantatposition oder ein schlecht gestalteter Zahnersatz machen die tägliche Reinigung schwer oder unmöglich. Enge Zwischenräume, zu tief sitzende Kronenränder, unzugängliche Bereiche unter Brücken: Was der Patient nicht erreicht, baut Biofilm auf. Beides — Position und Zahnersatzgestaltung — liegt in der Verantwortung des Behandlers und sollte vor Einsetzen des Zahnersatzes auf Reinigbarkeit geprüft werden. Nachträglich ist das nur mit erheblichem Aufwand zu korrigieren.
Kein fester Zahnfleischring — das feste, verhornte Zahnfleisch direkt am Implantathals heißt keratinisierte Mukosa. Fehlt es oder ist es zu schmal (unter 2 mm), ist die Schleimhaut beweglicher, schwieriger sauber zu halten und bietet eine geringere mechanische Barriere gegen eindringende Bakterien. Weil sie sich bei Muskelzug oder Lippenbewegungen mit bewegt, gerät sie zudem immer wieder in Kontakt mit subgingivalem Gewebe. Eine Metaanalyse mit 22 Studien zeigte ein fast dreifach erhöhtes Periimplantitis-Risiko bei fehlendem keratinisiertem Gewebe (OR 2,78; Mahardawi et al., Sci Rep 2023). Chirurgisch lässt sich das mit einem Weichgewebetransplantat korrigieren — beeinflussbar also, aber kein kleiner Eingriff. Ob und wann das sinnvoll ist, gehört zur Implantatplanung, nicht zum Nachgedanken.
→ Ausführlich: Ursachen und Risikofaktoren
Was kann ich tun, um eine Periimplantitis zu verhindern?
Periimplantitis ist nicht schicksalhaft. Wer seine Risikofaktoren kennt und konsequent gegensteuert, hat gute Karten. Das Entscheidende: Prävention muss dauerhaft sein — nicht nur in den ersten Monaten nach der Implantation, sondern ein Leben lang.
Die Kombination aus guter häuslicher Hygiene und regelmäßiger professioneller Reinigung ist der einzige belegte Weg, eine Periimplantitis zuverlässig hinauszuzögern oder zu verhindern. Beides zusammen — keines allein reicht.
| Maßnahme | Warum | Wie oft |
|---|---|---|
| Zahnbürste (elektrisch empfohlen) | Biofilmentfernung an Implantatoberfläche und Zahnfleischrand | 2× täglich |
| Interdentalbürste | Reinigung der Zwischenräume — Zahnseide allein reicht oft nicht | 1× täglich |
| Mundspülung (CHX kurzfristig, fluoridhaltig dauerhaft) | Unterstützung der mechanischen Reinigung | Nach Bedarf / Empfehlung |
| Professionelle Implantatreinigung (SPIC) | Entfernt Beläge, die häuslich nicht erreichbar sind; frühzeitige Kontrolle von Taschentiefen und Knochenstand | Alle 3–6 Monate |
| Rauchen aufhören | Rauchen verdoppelt das Periimplantitis-Risiko — kein anderer Faktor ist so gut belegt und so direkt beeinflussbar | Konsequent |
| Parodontitis behandeln und kontrollieren lassen | Wer Parodontitis hat oder hatte, trägt das gleiche bakterielle und immunologische Risiko auch am Implantat | Vor Implantation + Nachsorge |
| Diabetes gut einstellen | Schlecht eingestellter Blutzucker erhöht das Entzündungsrisiko deutlich | Dauerhaft |
| Recall nicht verschieben | Mukositis erkennt man nur beim Zahnarzt — nicht zuhause | Mindestens 2× jährlich |
Eine professionelle Implantatreinigung ist nicht dasselbe wie eine normale PZR an natürlichen Zähnen. Implantate brauchen andere Instrumente (keine Stahlküretten, die die Oberfläche beschädigen), und die Reinigung muss tief genug in die Tasche reichen. Wer beim Zahnarzt nur „PZR“ auf der Rechnung stehen hat, sollte nachfragen, ob die Implantate explizit mitbehandelt wurden.
Periimplantäre Mukositis — wehret den Anfängen
Die Mukositis ist die Phase, in der noch alles gut ausgehen kann. Bakterieller Biofilm an der Implantatoberfläche löst eine Entzündung der umgebenden Schleimhaut aus — der Knochen ist noch nicht betroffen.
Wie häufig ist sie? Etwa 40 % aller Implantatpatienten entwickeln irgendwann eine Mukositis — sie ist damit die häufigste biologische Komplikation überhaupt. Viele bemerken sie nicht, weil sie, entsprechend mit einer klassischen Zahnfleischentzündung, kaum Beschwerden macht.
Woran erkennt man entzündetes Zahnfleische um ein Implantat?
Eine Abgrenzung zur Periimplantitis kann nur der Zahnarzt machen. Zeichen sind:
- Zahnfleischbluten
- Gerötetes, evtl. geschwollenes Zahnfleisch um das Implantat
Erfolgreiche Therapie: Verbesserung der eigenen Implantatpflege, professionelle Zahnreinigungen, antibakterielle Lacke (z.B. CHX)
Das Management der Mukositis ist die primäre Prävention der Periimplantitis.
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Wie häufig ist eine Periimplantitis?
Häufiger als man denkt — und häufiger als viele Patienten bei der Implantation erfahren. Laut EFP-S3-Leitlinie (Herrera et al., JCP 2023) liegt die Prävalenz der Periimplantitis bei etwa 22 % der Implantatpatienten. Hinzu kommen die rund 40 % mit Mukositis. Zusammengenommen hat also mehr als die Hälfte aller Implantatträger irgendwann eine periimplantäre Entzündung — in der einen oder anderen Ausprägung.
Symptome: woran erkennt man eine Periimplantitis?
Das Tückische: Schmerzen sind kein verlässliches Frühzeichen. Viele Patienten bemerken monatelang nichts, während der Knochen abbaut. Typische klinische Zeichen sind:
- Zahnfleischbluten auf Sondieren oder beim Putzen
- Gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch
- Tiefe Zahnfleischtaschen (> 5 mm)
- Eiteraustritt (Suppuration) — ein Zeichen für aktive Infektion
- Im fortgeschrittenen Stadium: Lockerung des Implantats
Spontane Schmerzen kommen erst, wenn es bereits sehr weit ist. Wer auf Schmerzen wartet, wartet zu lang.
Symptome und Diagnose
Schmerzen sind kein verlässliches Frühzeichen. Viele Patienten bemerken monatelang nichts, während der Knochen abbaut. Typische Zeichen sind gerötetes, blutendes Zahnfleisch beim Putzen, tiefe Taschen und im fortgeschrittenen Stadium Eiteraustritt oder Lockerung des Implantats. Spontane Schmerzen kommen erst sehr spät. Wer auf sie wartet, wartet zu lang.
Die Diagnose stützt sich auf drei Säulen: Die Parodontalsonde misst Taschentiefen und prüft auf Blutung — Taschen über 5 mm mit Blutung sind ein klares Warnsignal. Das Röntgenbild macht den Knochenverlust sichtbar; ein Vergleich mit früheren Aufnahmen ist dabei unersetzlich. Bei schwerem Befund kann eine Keimdiagnostik (Bakterientest) sinnvoll sein — das Spektrum der Erreger ist bei Periimplantitis breiter als bei Parodontitis und beeinflusst die Therapieentscheidung.
→ Diagnose der Periimplantitis · Bakteriologische Diagnostik
Stufentherapie der Implnatatentzündung
Es gibt keine Behandlung, die Periimplantitis zuverlässig und dauerhaft heilt. Was es gibt, ist eine Stufentherapie, die den Prozess unter Kontrolle bringen soll. Der Erfolg hängt stark davon ab, wie früh und konsequent behandelt wird — und wie konsequent der Patient mitzieht.
Stufe 1: Risikofaktoren ausschalten
Ohne das verpufft jede weitere Maßnahme. Konkret: Mundhygiene optimieren, Rauchen aufhören, Diabetes einstellen, Zementreste entfernen lassen, Zahnersatz auf Pflegbarkeit prüfen.
Stufe 2: Nicht-chirurgische Reinigung (geschlossenes Verfahren)
Professionelle Reinigung der Implantatoberfläche ohne Aufklappen des Zahnfleischs — mit speziellen Handinstrumenten (Kunststoff- oder Titanküretten), Glycinpulver-Airpolishing oder Laser. Antiseptische Spülungen begleiten die Behandlung.
Zur Antibiose: Systemische Antibiotika sind bei der Periimplantitis-Behandlung kein Routinemittel. Die S3-Leitlinie empfiehlt sie adjuvant nur bei schwer verlaufender, fortgeschrittener Periimplantitis und spezifischem Keimnachweis. Bei Nachweis von Aggregatibacter actinomycetemcomitans (A.a.) kann die Kombination Amoxicillin + Metronidazol sinnvoll sein — nach der gleichen Logik wie bei der Parodontitis. Das breitere Keimspektrum der Periimplantitis (inkl. Staphylokokken, Pseudomonas) erschwert die antibiotische Zieltherapie zusätzlich. Eine unkritische Antibiose-Verordnung ist nicht evidenzbasiert.
Stufe 3: Chirurgisches Verfahren (offenes Débridement)
Wenn die nicht-chirurgische Therapie nicht ausreicht: Das Zahnfleisch wird aufgeklappt, die Implantatoberfläche direkt gereinigt und dekontaminiert. Bei geeigneter Defektmorphologie kann gleichzeitig ein Knochenaufbau (gesteuerte Knochenregeneration, GBR) erfolgen — allerdings mit eingeschränkter Vorhersagbarkeit.
Stufe 4: Explantation
Wenn das Implantat nicht mehr zu erhalten ist oder der fortschreitende Knochenverlust benachbarte Strukturen gefährdet, ist die Entfernung die sicherste Entscheidung. Keine angenehme — aber manchmal die richtige. Nach Ausheilung ist eine Neuimplantation in vielen Fällen möglich.
→ Ausführlich: Behandlung der Periimplantitis
Was kostet eine Periimplantitisbehandlung?
Was kostet eine Periimplantitis-Behandlung?
Die Periimplantitis-Behandlung ist keine Kassenleistung — weder gesetzlich noch privat. Zahnzusatzversicherungen schließen sie nur selten ein; im Zweifel lohnt ein Blick ins Kleingedruckte des eigenen Tarifs.
Abgerechnet wird nach GOZ 2012. Die Kosten hängen davon ab, wie viele Implantate betroffen sind, welche Therapiestufe notwendig ist und welchen Steigerungsfaktor der Behandler ansetzt. Der 2,3-fache Satz ist der Regelfall; beim 3,5-fachen Satz muss der Zahnarzt die Abweichung schriftlich begründen.
| Therapiestufe | GOZ | Leistung | 2,3-fach | 3,5-fach | Material |
|---|---|---|---|---|---|
| Nicht-chirurgisch (geschlossen) | 4070 | Subgingivale Reinigung, je Implantat | 12,94 € | 19,68 € | — |
| Chirurgisch (offen) | 4090 | Lappenop. + Osteoplastik, Frontzahn, je Parodontium | 23,28 € | 35,43 € | — |
| 4100 | Lappenop. + Osteoplastik, Seitenzahn, je Parodontium | 35,57 € | 54,13 € | — | |
| Regeneration | 4110 | Knochendefektauffüllung, je Implantat | 23,28 € | 35,43 € | KEM ca. 120 € |
| 4138 | Membran inkl. Fixierung, je Implantat | 28,46 € | 43,31 € | Membran ca. 120 € | |
| 9090 | Knochengewinnung + Aufbereitung + Implantation | 40,49 € | 61,61 € | — | |
| 9100 | Augmentation Alveolarfortsatz, je Kieferhälfte/Front | 348,49 € | 530,31 € | — | |
| Explantation | 3000 | Implantatentfernung (unkompliziert) | 9,05 € | 13,78 € | — |
| 3030 | Implantatentfernung durch Osteotomie | 45,27 € | 68,90 € | — |
Ein Rechenbeispiel: Wer drei Implantate geschlossen reinigen lässt, zahlt allein für die GOZ 4070 dreimal 12,94 € — zuzüglich Lokalanästhesie, ggf. Airpolishing und Befunderhebung. Mehrere Sitzungen sind meist notwendig. Bei der regenerativen Therapie kommen Materialkosten von ca. 120 € je Membran und je Knochenersatzmaterial obendrauf — unabhängig vom Steigerungsfaktor.
|
Nachsorge: das Implantat bleibt in Gefahr
Nach einer Periimplantitis-Behandlung ist das Implantat nicht geheilt — es ist stabilisiert. Das Risiko eines Rückfalls bleibt dauerhaft erhöht. Engmaschige Recall-Termine sind keine Option, sondern Voraussetzung für den Implantaterhalt: alle 3 Monate im ersten Jahr, danach individuell alle 3–6 Monate.
IMPLANTAT-SPEZIALISTEN IN IHRER NÄHE
implantate.com-Fazit
Die Mucositis ist ein Warnsignal. Bei einer Periimplantitis geht es nur noch um Schadensbegrenzung. Am besten Sie halten Ihr Gebiss durch gute Pflege, gesunde Ernährung und Rauchverzicht biologisch gesund.
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Kölner ABC-Risiko-Score, 7.Europäische Konsensuskonferenz des BDIZ-EDI
Literatursammlung zur Periimplantitis auf implantate.com
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