Zahnfleischbluten: häufig, nicht harmlos
Es gibt kaum ein Symptom, das so häufig auftritt und so routiniert ignoriert wird wie Zahnfleischbluten. Fast jeder zweite Erwachsene erlebt es regelmäßig, viele halten es für normal. Die Wahrheit: Zahnfleischbluten ist so wenig normal wie blutende Haut beim Händewaschen. Gesundes Zahnfleisch blutet nicht – weder beim Putzen, noch beim Essen, noch beim Zahnarzt.
Zahnfleischbluten ist zwar fast immer ein Zeichen für mangelnde Mundhygiene. In einigen Fällen können aber auch andere gesundheitliche Probleme hinter Zahnfleischblutungen stecken. Medikamentennebenwirkungen, Bluterkrankungen oder hormonelle Veränderungen können eine ganz andere Abklärung erfordern.Hier erfahren Sie, warum entzündetes Zahnfleisch blutet, wann Sie aufmerksam werden sollten – und warum kein Zahnfleischbluten bei einer Parodontiits wiederum kein gutes Zeichen ist.
Wann Zahnfleischbluten „normal" ist – und wann nicht
Es gibt Situationen, in denen eine kurzzeitige Blutung am Zahnfleisch tatsächlich keine bedenkenswerte Entzündung anzeigt. Das sind vor allem kleine Zahnfleischverletzung durch Ungeschicklichkeiten bei der Pflege oder bei Essen.
Harmlose Ursachen?
Nach einer zahnärztlichen Behandlung – etwa einer professionellen Zahnreinigung, einer Zahnsteinentfernung oder einer Sondierung – kann das Zahnfleisch kurzzeitig bluten. Das ist eine mechanische Reaktion und klingt innerhalb weniger Stunden ab. Auch wer zum ersten Mal seit längerer Zeit Zahnseide oder Interdentalbürsten verwendet, kann eine leichte Blutung auslösen. Stellt sich das Zahnfleisch nach wenigen Tagen konsequenter Anwendung darauf ein und die Blutung hört auf, war die Ursache eine Reizung, keine Erkrankung. Eine neue, zu harte Zahnbürste oder zu starker Druck beim Putzen können ebenfalls kurzfristig zu Blutungen führen – diese sind dann auf einzelne Stellen begrenzt und verschwinden, sobald die Technik oder das Werkzeug angepasst wird.
Aufmerksamkeit erforderlich
Zahnfleischbluten, das immer wieder an denselben Stellen auftritt, über mehrere Tage anhält oder ohne erkennbare mechanische Ursache entsteht, ist nicht normal. Es ist ein Entzündungszeichen – und zwar das früheste und zuverlässigste, das der Körper zur Verfügung hat. Wer es einordnen kann, verschafft sich einen entscheidenden Vorsprung: Denn im Frühstadium – der Gingivitis – ist die Entzündung vollständig reversibel. Alles heilt aus, ohne bleibende Schäden. Wer wartet, riskiert den Übergang in eine Parodontitis, bei der das nicht mehr der Fall ist.
Die Blutung kommt nicht plötzlich. Sie ist das Ergebnis eines mehrstufigen Prozesses, der Wochen bis Monate vor dem ersten sichtbaren Blutstropfen beginnt – im Zahnfleischsulkus, der schmalen Furche zwischen Zahn und Zahnfleisch.
Der Schwachpunkt: das Sulkusepithel
Das Innere des Sulkus ist mit einem dünnen, nicht verhornten Epithel ausgekleidet – dem Sulkusepithel. Im Gegensatz zur äußeren Zahnfleischoberfläche, die durch eine Hornschicht mechanisch widerstandsfähig ist, besteht das Sulkusepithel aus nur wenigen Zelllagen ohne diese Schutzschicht. Es ist die verwundbarste Stelle des gesamten Zahnhalteapparats. In gesundem Zustand funktioniert es dennoch als wirksame Barriere gegen Bakterien – aber es braucht dafür ein intaktes kollagenes Stützgerüst im darunterliegenden Bindegewebe. Genau dieses Stützgerüst wird bei einer Entzündung angegriffen.
Phase 1: die unsichtbare Reaktion
Bakterien aus dem Zahnbelag besiedeln den Sulkus und setzen Stoffwechselprodukte frei. Das Immunsystem reagiert sofort: Die Blutgefäße im Zahnfleisch erweitern sich (Vasodilatation), die Gefäßwände werden durchlässiger, damit Immunzellen – vor allem neutrophile Granulozyten – schneller an den Ort der Infektion gelangen. Der Fluss der Sulkusflüssigkeit (Gingival Crevicular Fluid, GCF) nimmt zu. In diesem Stadium bemerkt der Patient nichts. Es gibt keine Rötung, keine Schwellung, kein Bluten. Die Veränderungen sind nur histologisch nachweisbar.
Phase 2: sichtbare Entzündung
Wird die Plaque nicht entfernt, eskaliert die Immunantwort. Makrophagen, Lymphozyten und Plasmazellen infiltrieren das Bindegewebe unter dem Sulkusepithel. Die Immunzellen setzen Enzyme frei – unter anderem Matrix-Metalloproteinasen (MMPs) –, die nicht nur Bakterien angreifen, sondern auch die Kollagenfasern des Zahnfleischs abbauen. Das hat zwei Konsequenzen: Erstens verliert das Sulkusepithel sein Stützgerüst und wird dünner und instabiler. Es entwickelt Mikroulzerationen – winzige Wunden an der Innenseite der Zahnfleischfurche. Zweitens tritt durch die erhöhte Gefäßdurchlässigkeit Blutplasma ins Gewebe aus. Klinisch zeigt sich das als Rötung und Schwellung.
Gleichzeitig bildet der Körper im entzündeten Gewebe neue Blutgefäße (Neoangiogenese). Angetrieben wird dieser Prozess durch den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF), der bei Gingivitis in deutlich erhöhter Konzentration nachweisbar ist. Diese neu gebildeten Gefäße sind dünnwandig, fragil und liegen näher an der Oberfläche als die ursprünglichen.
Phase 3: die Blutung
Jetzt treffen drei Faktoren zusammen: ein geschwächtes, mikroulzeriertes Sulkusepithel ohne intaktes Kollagengerüst; dünnwandige, brüchige neue Blutgefäße direkt unter der Oberfläche; und eine insgesamt stärker durchblutete Zahnfleischregion durch die Vasodilatation. Schon ein minimaler mechanischer Reiz – Zahnbürste, Zahnseide, sogar Kauen – reicht jetzt aus, um eine Blutung auszulösen.
Das ist der Moment, in dem Patienten das Problem zum ersten Mal bemerken. Die Entzündung ist zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits seit Wochen oder Monaten aktiv. Genau diesen Mechanismus nutzt auch die zahnärztliche Diagnostik: Die Sondierungsblutung (Bleeding on Probing, BOP) gilt als einer der zuverlässigsten klinischen Marker für eine Zahnfleischentzündung. Dabei ist das Fehlen von Blutung aussagekräftiger als ihr Vorhandensein: Ein Zahnfleischsulkus, der bei Sondierung nicht blutet, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit entzündigungsfrei. Ein blutender Sulkus signalisiert dagegen eine aktive Entzündung – die in den meisten Fällen noch vollständig reversibel ist, wenn sie im Stadium der Gingivitis erkannt und behandelt wird.
Bleibt die Entzündung dagegen unbehandelt, kann sie den Zahnhalteapparat erreichen: Knochen und Faserapparat werden abgebaut, Zahnfleischtaschen vertiefen sich – der Übergang in eine Parodontitis, bei der die Veränderungen nicht mehr vollständig rückgängig zu machen sind.
Zahnfleischbluten ohne Plaque – die Differentialdiagnosen
In der großen Mehrheit der Fälle steckt hinter Zahnfleischbluten eine plaquebedingte Gingivitis (Schmutzgingivitis) oder Parodontitis. Aber nicht immer. Es gibt eine Reihe anderer Ursachen, die ein Zahnarzt kennt und die – je nach Befund – eine weitergehende Abklärung erfordern. Das Zahnfleisch ist gut durchblutetes Schleimhautgewebe, das auf systemische Veränderungen im Körper empfindlich reagieren kann.
Hormonelle Veränderungen für blutendes Zahnfleisch
| Ursache | Mechanismus | Häufigkeit / Verlauf |
|---|---|---|
| Schwangerschaft | Östrogen- und Progesteronanstieg erhöht Durchblutung und verstärkt Immunreaktion auf Plaque | Bis zu 75 % aller Schwangeren betroffen, v.a. 2. und 3. Trimester. Bildet sich nach Entbindung in der Regel zurück |
| Pubertät | Hormonelle Umstellung mit vorübergehend erhöhter Empfindlichkeit des Zahnfleischs | Pubertätsgingivitis gut dokumentiert, klingt nach hormoneller Stabilisierung ab |
| Wechseljahre | Sinkende Östrogenspiegel können Schleimhäute empfindlicher machen | Vorübergehend, individuell unterschiedlich |
Das Zahnfleisch reagiert in diesen Phasen empfindlicher auf dieselbe Menge Plaque, die vorher noch toleriert wurde. Die Hormone sind nicht die Ursache der Entzündung – aber sie verstärken die Reaktion auf die Bakterien.
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Nebenwirkungen von Medikamente als Auslöser
| Medikamentengruppe | Beispiele | Mechanismus am Zahnfleisch |
|---|---|---|
| Blutverdünner | Marcumar (Phenprocoumon), DOAK (Rivaroxaban, Apixaban), ASS | Verlängern die Blutungszeit. Zahnfleisch blutet nicht häufiger, aber stärker und länger. Gerinnungsstatus vor Eingriffen prüfen |
| Zahnfleischwucherung auslösend | Phenytoin (Epilepsie), Nifedipin (Bluthochdruck), Cyclosporin (Immunsuppression) | Gingivahyperplasie: überschießendes Zahnfleischwachstum bildet Pseudotaschen, in denen sich Plaque und Entzündung festsetzen |
| Mundtrockenheit verursachend | Bestimmte Antidepressiva, Blutdrucksenker, Schlafmittel, Antihistaminika | Reduzierter Speichelfluss begünstigt Plaquebildung und damit Zahnfleischentzündung |
Wer nach Beginn einer neuen Medikation verstärktes Zahnfleischbluten bemerkt, sollte dies beim Zahnarzt ansprechen – aber das Medikament keinesfalls eigenmächtig absetzen.
Zahnfleischblutungen durch Bluterkrankungen und Organschäden
Das Blut blutet. Hier sind die wichtigsten organischen Ursachen für Zahnfleischblutungen.
| Erkrankung | Im Mund | Mechanismus |
|---|---|---|
| Akute Leukämie (v. a. AML) | Weiche Zahnfleischschwellung, spontane Blutung, Ulzerationen, blasse Schleimhaut | Unreife Leukozyten infiltrieren das Zahnfleisch direkt; gleichzeitig Thrombozytopenie durch verdrängte Blutbildung im Knochenmark |
| Thrombozytopenie | Spontanes Zahnfleischbluten ohne Reiz; Petechien an Schleimhaut und Gaumen | Zu wenige Thrombozyten für die primäre Blutstillung; Ursachen: Autoimmun (ITP), medikamenteninduziert, Knochenmarkerkrankungen |
| Von-Willebrand-Syndrom | Übermäßige Blutung nach Extraktion oder Scaling; schlecht stillbar | Defekter Von-Willebrand-Faktor → Thrombozyten haften nicht an der Gefäßwand; häufigste angeborene Blutungsneigung |
| Hämophilie A/B | Langanhaltende Blutung nach Eingriffen; selten spontan | Mangel an Gerinnungsfaktor VIII (A) oder IX (B); primäre Blutstillung funktioniert, aber der Gerinnungsthrombus ist instabil |
| Lebererkrankungen | Verstärkte Blutung bei Sondierung; verlängerte Nachblutung | Doppelter Defekt: Leber produziert weniger Gerinnungsfaktoren + vergrößerte Milz baut Thrombozyten ab (Hypersplenismus) |
| Chronische Niereninsuffizienz | Blutung trotz normaler Thrombozytenzahl; blasse Schleimhaut; Foetor uraemicus | Urämische Toxine stören die Thrombozytenfunktion (Thrombozytopathie); Zahl normal, Aggregation gestört |
Vitaminmangel und Blutungserscheinungen
| Mangel | Mechanismus | Risikogruppen |
|---|---|---|
| Vitamin C (Skorbut) | Vitamin C ist essenziell für die Kollagensynthese. Fehlt es, werden Blutgefäßwände instabil; das Sulkusepithel wird nachweislich durchlässiger | Einseitige Ernährung, Alkoholabhängigkeit, Malabsorptionssyndrome. In westlichen Ländern selten, aber nicht ausgestorben |
| Vitamin K | Unerlässlich für die Synthese mehrerer Gerinnungsfaktoren | Malabsorption, Lebererkrankungen, langfristige Antibiotikatherapie (stört Vitamin-K-produzierende Darmflora) |
Infektionskrankheiten mit Zahnfleischbluten
| Erkrankung | Im Mund | Einordnung |
|---|---|---|
| Herpes simplex (Primärinfektion) | Akut geschwollenes, feuerrotes Zahnfleisch mit Blutung; schmerzhafte Bläschen und Erosionen an Gaumen, Zunge, Lippen | Häufigste virale Mundschleimhautinfektion; v. a. Kinder und junge Erwachsene; Fieber, Lymphadenopathie; heilt in 2–3 Wochen; keine Eingriffe in der Akutphase |
| HIV/AIDS | Lineares Gingivales Erythem (bandförmige Rötung, spricht auf Reinigung nicht an); nekrotisierende Gingivitis mit Gewebszerfall | Zahnfleischentzündung, die trotz Behandlung nicht abklingt, kann Frühzeichen sein; ca. 90.000 HIV-Positive in Deutschland |
| Dengue-Fieber | Spontanes Zahnfleischbluten; Petechien an Schleimhaut und Gaumen; hämorrhagische Plaques | Reiseanamnese Tropen; Fieber, Muskel-/Gelenkschmerzen; Zahnfleischbluten ist WHO-Diagnosekriterium für hämorrhagisches Dengue |
| Ebola / Marburg | Spontane Schleimhautblutung; blutende Ulzerationen; Blutung aus Einstichstellen | Extrem selten in Europa, meldepflichtig; Reiseanamnese Subsahara-Afrika; Fieber + Blutungsneigung = sofortige Isolation und Meldung |
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Die Sonderrolle des Rauchens auf das Zahnfleisch
Raucher haben ein vielfach erhöhtes Risiko für Parodontitis – und gleichzeitig weniger Zahnfleischbluten als Nichtraucher mit vergleichbarer Erkrankung. Dieser scheinbare Widerspruch ist klinisch hochrelevant, weil er dazu führt, dass Parodontitis bei Rauchern häufig später erkannt wird. Das wichtigste Frühwarnsignal fehlt oder ist abgeschwächt.
Warum bluten Raucher weniger?
Die Erklärung ist komplexer als die häufig zitierte „Vasokonstriktion durch Nikotin“. Tatsächlich zeigen Studien, dass die akute Wirkung von Nikotin auf die gingivale Durchblutung eher gering ist – der Blutdruckanstieg beim Rauchen kann die Vasokonstriktion sogar teilweise aufheben. Die verminderte Blutung bei chronischen Rauchern hat wahrscheinlich mehrere Ursachen:
Chronisches Rauchen verändert die Mikrozirkulation im Zahnfleisch langfristig. Die Gefäßdichte ist reduziert, die Neubildung von Blutgefäßen (Angiogenese) bei Entzündung ist unterdrückt. Der Grund: Die Expression pro-inflammatorischer Zytokine und pro-angiogener Faktoren wie VEGF ist bei Rauchern vermindert – wahrscheinlich durch den oxidativen Stress, den die über 6.000 Chemikalien im Zigarettenrauch verursachen. Das Ergebnis ist eine gedämpfte Entzündungsreaktion, die sich klinisch in weniger Rötung und weniger Blutung äußert – obwohl die Erkrankung im Hintergrund fortschreitet.
Dazu kommt: Das Sulkusepithel der Zahnfleischtasche zeigt bei Rauchern weniger Ulzerationen. Die Taschenwand ist weniger verletzlich – und blutet deshalb bei der Sondierung seltener. Gleichzeitig ist die Immunabwehr im Gewebe geschwächt, die Wundheilung verzögert, und die Bakterien können sich ungehindert tiefer ausbreiten.
Was beim Aufhören passiert
Wenn Raucher mit dem Rauchen aufhören, nimmt das Zahnfleischbluten in den ersten Wochen zu – nicht ab. Morozumi et al. (2004) zeigten, dass die gingivale Durchblutung bereits innerhalb von drei Tagen nach dem Rauchstopp signifikant ansteigt. Nair et al. (2003) dokumentierten eine Zunahme des Bleeding on Probing (BOP) nach dem Rauchstopp.
Das ist kein Rückschritt, sondern ein Heilungszeichen: Die Gefäße erholen sich, die Durchblutung normalisiert sich, und die Entzündung, die vorher maskiert war, wird jetzt sichtbar. Zahnärzte sollten Patienten in der Rauchentwöhnung darauf vorbereiten, damit die vermehrte Blutung sie nicht verunsichert – oder schlimmer: zum Wiedereinstieg verleitet.
Die klinische Konsequenz
Für Raucher bedeutet das: Fehlendes Zahnfleischbluten ist keine Entwarnung. Raucher sollten ihre Zähne regelmäßig zahnärztlich untersuchen lassen, auch und gerade wenn sie keine Symptome bemerken. Die Sondierung durch den Zahnarzt – und nicht die Selbstbeobachtung – ist bei Rauchern die einzige zuverlässige Methode, um eine Parodontitis frühzeitig zu erkennen.
Was Sie tun sollten, wenn Ihr Zahnfleisch blutet
Nicht aufhören zu putzen. Der häufigste Fehler ist, die blutende Stelle zu schonen. Damit entfällt die Reinigung genau dort, wo sie am dringendsten nötig ist – und die Entzündung verschlimmert sich. Stattdessen: weiterputzen, aber mit weniger Druck und einer weichen oder mittelharten Zahnbürste.
Zahnzwischenräume reinigen. In den allermeisten Fällen beginnt eine Gingivitis interdental – also genau dort, wo die Zahnbürste nicht hinkommt. Interdentalbürsten oder Zahnseide einmal täglich sind die wirksamste Einzelmaßnahme gegen Zahnfleischbluten. Wer das bisher nicht gemacht hat, wird anfangs vermehrt bluten. Das ist kein Grund aufzuhören – es ist der Beleg dafür, dass an diesen Stellen eine Entzündung besteht.
Einen Zahnarzttermin vereinbaren. Wenn das Zahnfleischbluten nach ein bis zwei Wochen konsequenter Mundhygieneverbesserung nicht nachlässt, ist eine professionelle Zahnreinigung fällig – und eine Beurteilung durch den Zahnarzt, ob eine Gingivitis oder möglicherweise schon eine Parodontitis vorliegt.
Besondere Aufmerksamkeit bei:
Spontanem Zahnfleischbluten ohne mechanischen Reiz, ungewöhnlich starken oder lang anhaltenden Blutungen, gleichzeitigem Auftreten von Nasenbluten, Petechien oder Hämatomen, sowie bei der Einnahme blutverdünnender Medikamente. In diesen Fällen sollte zusätzlich zum Zahnarztbesuch eine ärztliche Abklärung erfolgen.
implantate.com-Fazit
Zahnfleischbluten ist kein kosmetisches Problem und keine Bagatelle – es ist ein biologisches Signal. In den meisten Fällen zeigt es eine bakterielle Entzündung an, die gut behandelbar ist. In seltenen Fällen kann es der erste Hinweis auf eine ernste systemische Erkrankung sein. Und bei Rauchern kann ausgerechnet das Fehlen von Zahnfleischbluten das gefährlichere Zeichen sein, weil es eine fortschreitende Parodontitis maskiert.
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