Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

zahnimplantat...ja oder nein?

R.Maria
Mitglied seit 28. 09. 2010
2 Beiträge

Hallo! Ich bin 18 und wegen meiner genetischen Veranlagung fehlen mir die 2 äußeren Schneidezähne oben. Die Eckzähne haben sich etwas in die Mitte verschoben und sonst ist mein Biss medizinisch gesehen in Ordnung, aber für wirklich schöne Zähne bräuchte ich zwei Implantate. Da es sich aber um ein rein ästhetisches Problem handelt, weiß ich nicht, ob es sich auszahlt...nicht der Kosten wegen (die übernehmen meine Eltern gerne) sondern weil so Implantate doch nicht ewig halten und es Komplikationen geben könnte.
Ich wollte wissen, was ihr davon denkt...hab ihr positive/negative Erfahrungen mit Implantaten?

Vielen Dank für eure Antworten!



Dr.Thilo Fechtig
Mitglied seit 14. 08. 2010
371 Beiträge

Hallo R.Maria

so einfach ist das Ganze nicht: Bevor man bei Ihnen Implantate setzen kann, muß Platz für die Schräubchen geschaffen werden. Dank Bild kann man momentan 3 Lücken mit unterschiedlicher Größe erkennen (rechts, links, mitte) also brauchen Sie eine kieferorthopädische Behandlung (=KFO) um die mittleren Schneidezähne zur Mitte und die Eckzähne nach hinten hin zu bewegen. Ist Platz geschaffen sollte der darunter liegende Knochen hoch und breit genug zur Implantation sein. Dann wäre es theoretisch möglich diese Lücken mit Implantaten und Zahnkronen mit guter Prognose zu versorgen. Eine andere Überlegung wäre aber auch mit der KFO-Behandlung die Lücken gleich von hinten her zu schliessen, was die Implantate dann sowieso überflüssig machen würde...evtl. bräuchte es aber dann Ausgleichsextraktionen im Gegenkiefer.

Mein Tip an Sie: lassen Sie Abdrücke von ihrem Gebiß machen, die Modelle sollten vermessen werden, lassen Sie evtl. auch ein sog. Set-up erstellen, wo man die Platzverhältnisse sieht und die Möglichkeiten der Therapieformen und die Behandlungszeiten besser abschätzen kann. Erst wenn Sie daß ungefähre Endergebnis kennen, können Sie wirklich entscheiden, ob Ihnen die spätere Ästhetik wirklich gefallen wird und ob es den Weg für Sie persönlich wert ist.

Gruss
Thilo Fechtig



fleur
fleur

hallo maria,
NEIN!
bitte vergiss die implantate und sei froh, dass du schöne zähne hast und keine schmerzen.
lg



gerda260756
Mitglied seit 24. 10. 2008
399 Beiträge

hallo fleur

schließe mich voll deiner meinung an...

gruß gerda



R.Maria
Mitglied seit 28. 09. 2010
2 Beiträge

Hallo!
Erstmal vielen Dank für eure Antworten!
Die Abdrücke von Gebiss usw. hab ich schon gemacht, sie haben ergeben, dass das Schließen der Lücken nicht viel Sinn hat, weil meine Zähne sowieso nicht so groß sind. Außerdem müsste ich eine Kieferorthopädie machen, oben und unten, damit es dann auch zusammen passt. Die Alternativen sind also Implantate oder einfach so lassen...



dr.kaizwanzig
Mitglied seit 26. 04. 2008
429 Beiträge

Guten Tag,
Kollege Fechtig hat schon recht, anders ist dieser Fall nicht zu behandeln, obwohl ich darauf verzichten würde, die Lücken kieferorthopädisch schliessen zu lassen, da Sie die Eckzähne da brauchen, wo sie hingehören, um eine vernünftige Funktion zu erhalten. Also, Lücken auf und Implantate rein!!!!!
Und an alle die, die hier mal wieder anderen Implantate ausreden wollen; niemand kann etwas dafür, daß ausgerechnet Sie an einen Arzt geraten sind, der keine Ahnung vom Geschäft hatte!! Unterlassen Sie doch einfach bitte diese ketzerischen Kommentare, die jeder Vernunft und Wissen entbehren. Ich fühle voll mit Ihnen und bedaure zutiefst, daß Ihre persönlichen Erfahrungen derart negativ sind. Lassen Sie Ihren Frust nicht an denjenigen ab, die nichts für Ihre Situation können, weil Fakt ist: Implantate sind momentan das beste an Therapie, wenn es um Zahnersatz geht; das muss einfach nur der richtige Doktor machen!!!!!!!
Mit besten Grüssen
Dr. Kai Zwanzig
Spezialist Implantologie



Truth
Truth

Sehr geehrter Herr Dr. Zwanzig,

insgesamt habe ich eine neutrale Meinung bzgl. Zahnimplantate.

Ich freue mich auch fuer all diejenigen, die sich durch gute Implanteure behandeln liessen und nun zufriedenstellende Ergebnisse vorweisen koennen.

Was in 20 Jahren bei den positiven Implantationen sein wird, weiss noch keiner genau.

Sie argumentieren "...das muss einfach nur der richtige Doktor machen!!!!!"

Sicherlich werden Sie mir zustimmen, dass die vielverbreitete Statistik von 95 Prozent Erfolgsquote bei Implantaten nicht der Wahrheit entspricht. Es handelt sich um eine Marketingstrategie, die veranschaulichen soll, wie einfach sich Implantationen darstellen. Schliesslich geht es um ein lukratives Geschaeft. Durchaus kann es moeglich sein, dass erfahrene Aerzte diese Erfolgsquote bei unkomplizierten Implantaten realisieren koennen.

Aber natuerlich gibt es negative Erfahrungen. Diese sollten auch aerztlicherseits zur Kenntnis genommen und diskutiert werden.

Ich bin mir sehr sicher, dass hier im Forum nur ein Bruchteil von Patienten mit misslungenen Implantaten berichten.

Ich habe bereits viele Faelle von geschaedigten Patienten kennen gelernt. Manche Patienten sind bis zu 25 Mal wegen misslungener Zahnimplantationen erfolglos operiert worden. Andere leben unter Dauersschmerzen, andere koennen keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen, manche sind sowohl psychisch als auch physisch erkrankt, manche sind dermassen gesundheitlich ruiniert, so dass sie erwerbsunfaehig sind...

Was die Schadensersatzansprueche von geschaedigten Patienten (juristisch betrachtet) betrifft, sind mir jahrelange Prozesse ohne Erfolg nicht unbekannt. Teilweise weiss ich von Verfahren ueber einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren.

Ich habe Kontakt mit Richtern (u.a. spezialisiert auf Medizinrecht). Diese Richter koennen ausschliesslich nach den gerichtlichen Gutachtern entscheiden, obwohl sie wissen, dass der Patient eigentlich im Recht ist.

Es stellt sich hierbei die Frage, welchen Einfluss aerztliche Meinungsbildner oder/und Industrie auf gerichtliche Gutachter (oder ob diese ger. Gutachter selbst Meinungsbildner sind)haben.

Sogar sogenannte Patientenanwaelte koennen von Industrie und Meinungsbildnern gesteuert sein und infolgedessen zu Ungunsten des klagenden Patienten handeln.

Im aussergerichtlichen Verfahren beschaeftigen Haftpflichtversicherer eigens Gutachter, die moegliche Regressansprueche fuer Patienten abwehren. Wenn man dies noch auf Produkthaftungsfehler seitens der Industrie und dementsprechende Patientenklagen bezieht, wird der Lobbyismus potenziert.

Resumee:

Also eine Verharmlosung darf bei Impantaten nicht stattfinden und manchmal sind Luecken, Bruecken oder wie hier in diesem Fall von R.Maria keine Implantationen besser (mir faellt es ohne Wissen nicht auf, dass dort Zaehne fehlen, sieht doch prima aus!). Letztendlich sollte sich R.Maria ueber Konsequenzen und Misserfolge bewusst sein. Auch wenn Misserfolge gering sind.

MfG
Truth



dr.kaizwanzig
Mitglied seit 26. 04. 2008
429 Beiträge

@ Truth

...nur mal so zu Ihrer Info! In unserer Praxis haben wir in den letzten 5 Jahren bei einer insgesamt gesetzten Anzahl von Implantaten im vierstelligen Bereich genau zwei Verluste zu verzeichnen!!!! Und hier laufen eigentlich nur die Problemfälle auf, so viel zu Ihrer These, das würde vielleicht bei den sogenannten einfachen Implantaten funktionieren, die es meiner Meinung nach sowie so nicht gibt.
Ich bin es einfach leid, ständig darüber diskutieren zu müssen, ob die ganze Geschichte jetzt funktioniert, oder nicht: SIE TUT ES EINFACH!!!!!!
Das die Probleme da sind, ist nicht zu bestreiten, aber das ist halt wie mit allem im Leben, es gibt einfach riesige Qualitätsunterschiede (in China werden ja schliesslich auch Autos gebaut)und die Selektion der Patienten sollte auch sorgfältiger durchgeführt werden. Manchmal wäre es halt besser von ärztlicher Seite aus "NEIN" zu sagen. Darüber können wir gerne diskutieren, alles andere ist Unsinn!!!!
Mit besten Grüssen
Dr. Kai Zwanzig
Spezialist Implantologie



Dr.Thilo Fechtig
Mitglied seit 14. 08. 2010
371 Beiträge

Hallo Herr Dr. Zwanzig

danke für den erfrischenden Beitrag!

Gruss
Thilo Fechtig



Lieber Herr Dr. Zwanzig,

grundsaetzlich ist es erstmal positiv und ehrlich, dass Sie zu Patienten "Nein" sagen koennen.

Bei welchen Patienten wuerden Sie Implantate abraten?

Beeindruckt bin ich ueber Ihre weitaus hoehere Erfolgsquote von 99 Prozent. Das wirkt sehr erfrischend auf mich.

In wieviel Prozent der Faelle haben Sie ein bovines Knochenfuellmaterial eingesetzt. Hatten Sie Ihre Patienten darueber aufgeklaert, dass es ein biologisches Restrisiko von uebrigbleibenden Proteinen gibt und dass sich das bovine Knochenfuellmaterial nicht aufloest?

Haben Sie bei Ihren Patienten einen lebenden natuerlichen Knochen realisiert?

Oder generell: Wuerden Sie einen positiven Erfolg doch anders bezeichnen?

Beste Gruesse
Truth