Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Schwerste Schäden durch Fehlbehandlung mit Knochenersatzmaterial – mit einer Wurzelspitzenresektion fing alles an

MaKa
Mitglied seit 04. 06. 2019
3 Beiträge

Liebe Walburga,

es ist menschenverachtend, was dir geschehen ist: Einbringung von Knochenersatzmaterial entgegen den Gebrauchsanweisungen und ein medizinisches Experiment ohne Studien (zwei verschiedene Materialien!), ohne Aufklärung und Einverständnis des Patienten. Implantation unter Schmerzen schon 2 1/2 Monate nach der Augmentation (mein Zahnarzt sprach von 8 Monaten bis zu einem Jahr schmerzfreie(!) Wartezeit und KEM-Einheilzeit). Prompt geht es schief. Also schwere Körperverletzung! Kaum Befunderhebung, kaum Dokumentation, unzureichende Information anderer Ärzte.

Wer so medizinisch misshandelt wurde sollte keine Probleme haben, vor Gericht Recht zu bekommen. Stattdessen unterstützt der gerichtliche Gutachter das alles auch noch, verletzt die Logik, beachtet fachliche Standards nicht. Wie kann es sein, dass der Gutachter wie vorher schon der Arzt einen offensichtlichen Systemfehler übersieht, obwohl so viele Augmentationen schief gehen und offensichtlich auch andere Patienten/Zeugen betroffen sind? Man muss ja wohl davon ausgehen, dass der Arzt und der Gutachter die Gebrauchsanweisungen nicht gelesen haben und keine Ahnung von Bakterien haben.

Alles schreit danach, den Gutachter auseinanderzunehmen und zu ersetzen - stattdessen wird vom Gericht alles für perfekt erklärt. Meiner Meinung nach wäre das Ganze sogar eine Sache für den Staatsanwalt. Dein Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit wurde verletzt und anscheinend wurden auch andere Patienten geschädigt! Haben die Gerichte das nicht bemerkt? Alles schreit nach einer Umkehr der Beweislast! Wann und bei wem wird sie denn dann überhaupt angewendet, wenn nicht hier? So "erziehen" Gerichte Ärzte zur ungenauen Befunderhebung und Dokumentation und Gutachter, die Doku-Lücken zur Kollegenrettung zu nutzen. Akten sind manipulierbar - auch das will man offensichtlich nicht sehen. Oder erwartet man von einem beklagten Arzt etwa eine objektive Darstellung in seiner Patientenkartei, dass er einträgt, was ihn belasten könnte? Wenn, wie in deinem Fall, nachweislich riesige Lücken und Widersprüche vorhanden sind und wenn sogar viele Einverständniserklärungen fehlen? Abgesehen mal davon, dass eine Einverständniserklärung ohne umfassende Aufklärung wertlos ist.

Was mir sehr aufstößt ist, dass das Gericht lediglich Ergänzungsfragen an den ersten Gutachter stellt und, als dieser nicht zur Verfügung steht, ein Ergänzungsgutachten beauftragt. Das Gericht gibt damit die Richtung vor: Das Ganze soll schnell und arbeitsschonend vom Tisch. Der Gutachter kann dies ausnutzen und nach Herzenslust die Dinge zurechtbiegen.

Solche Gerichtsverfahren erschüttern das Vertrauen in Gutachter und Gerichte. Sie schaden unserem Rechtssystem, unserem Gemeinwesen, unserer Demokratie. Das Ganze ist eine Ohrfeige für klagende Patienten. Es zieht seriöse Gutachter und Gerichte mit in die Tiefe: bei Medizingutachten glaubt die Bevölkerung ja schon längst nicht mehr an Gerechtigkeit. Gerade im Zeitalter der Implantationen jeglicher Art ist das fatal. Es hat auch Folgen, an die man nicht gleich denkt: So setzt z. B. die Bereitschaft zur Organspende Vertrauen in ärztliche Gutachten voraus!

Die Entlastung der Gerichte durch Einstellung zusätzlicher Richterinnen und Richter kostet Geld. Also hat man fatalerweise lieber die Verfahren durch eine Reform des Zivilrechts gestrafft: Das Revisionsgericht muss den Sachverhalt anscheinend nicht mehr prüfen, auch nicht bei offenkundigen sachlichen Fehlern der Vorinstanz. D. h., wenn das erste Gericht nicht richtig arbeitet, kann das zweite Gericht seine Arbeit selbst minimieren und bequem Kollegenschutz betreiben. Die Anhörung wird zur Farce, der Kläger wird gedemütigt. Unglaublich! Und der BGH schreitet in der Regel nicht einmal bei krassen Fehlurteilen ein, wenn kein formaler Fehler vorliegt. Nicht zu fassen! Ohne sorgfältige Prüfung durch obere Instanzen aber wird die richterliche Unabhängigkeit zum Freibrief für fast jede Art von Fehlverhalten. Ein schöner Beruf: man wird für die Verantwortung hoch bezahlt, muss sie aber nicht tragen. So erweist man der Gerechtigkeit einen Bärendienst, sie wird zum Lotteriespiel. Das kann doch keiner wollen!

Ärztekammern, Richterbund, die Politik müssen tätig werden. Schwarze Schafe müssen isoliert, Gesetze und Verordnungen verbessert werden. Manchmal liegt es vielleicht auch schlicht am Willen, am Mumm, die Gesetze gegen den Widerstand von Interessenvertretern durchzusetzen. Im Moment, meine ich, geht vieles in die falsche Richtung.

Ich wünsche dir alles erdenklich Gute!
Max



Franck
Mitglied seit 16. 09. 2021
1 Beiträge

Hallo Walburga,

ich habe vor einiger Zeit gelesen, was dir passiert ist. Schlimm: erst die die Fehlbehandlungen mit lebenslangen Folgen und dann das Verhalten von Gutachtern und Gerichten – das alles ist schon für einen Außenstehenden kaum erträglich.

Ganz zu deinen Erfahrungen passend habe ich in der ZDF-Mediathek eine WISO-Sendung vom 2.8.2021 von Andreas Braun gefunden, musste ich sofort an dich denken: „Gutachterfalle - die Macht der Experten“. Dabei geht es unter anderem auch um grob falsche medizinische Gutachten. Der Link, falls du es noch nicht gesehen hast:

https://www.zdf.de/verbraucher/wiso/gutachterfalle---die-macht-der-experten-100.html

Eigentlich müsste der Staatsanwalt in diesen Fällen ermitteln, auch in deinem. Wenn ein Gutachter bewusst Dinge weglässt oder falsch darstellt, ist das kein Kavaliersdelikt. Es ist Prozessbetrug. Strafe: bis zu 5 Jahre Gefängnis. Stattdessen habe ich den Eindruck, es soll mit Patienten kurzer Prozess gemacht werden. Es scheint um Abschreckung von potentiellen Klägern zu gehen.

Gutachter, die verhindern, dass ihre Kollegen und deren Versicherungen (!!) für Fehler eintreten müssen, sind auch aus einem anderen Grund untragbar: Sie drücken Schadensfälle weg. Das verfälscht medizinische Statistiken. Es erhöht die Dunkelziffern. Studien, die auf den unvollständigen Statistiken beruhen, sind letztlich nicht aussagekräftig. Solche Gutachter tragen dazu bei. Außerdem setzen sie ein falsches Signal. Statt auf Fehler und Probleme aufmerksam zu machen werden die Fehler verharmlost oder verschleiert. Die Gesundheit der Allgemeinheit ist in Gefahr. Ein weiterer Grund für Staatsanwälte, einzugreifen. Der geschundene Patient hat es verdient, dass man Gutachter überprüft.

Medizinische Sachverständige für Privatgutachten zu finden, ist schwierig. Die meisten arbeiten überwiegend für Gerichte und Versicherungen. Es ist wohl lukrativer. Die dringend nötige Unterstützung für klagende Patienten kommt zu kurz. Es ist auch nicht auszuschließen, dass ein Gutachter, der oft für Versicherungen arbeitet, bei einem vom Gericht beauftragten Gutachten die Interessen der Versicherung mit bedenkt. Mir macht das Ganze Sorgen. Es kann jederzeit jedem passieren. Wollen wir das?

Wie geht es dir heute? Hat sich deine Situation gebessert? Melde dich doch mal!

Alles Gute
Franck