Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Schmerzen nach Implantat Entfernung

Birgit88
Mitglied seit 24. 09. 2018
7 Beiträge

Hallo,
Vor 1.5 Jahren wurden mir 2 Keramikimplantate gesetzt (Zahnziehen und Implantat setzen in einer Sitzung). Die Zähne waren wurzelbehandelt und der Knochen entzündet. Leider wurde die Entzündung nicht vollständig entfernt. Ich hatte die ganze Zeit Schmerzen gehabt und fühlte ein Pochen.
Nach langem ‚herumdoktern‘ bin ich zu einem anderen Kieferchirurgen gegangen. Dort wurden die Implantate wieder entfernt. Das erste vor 5 Monaten, das zweite vor 6 Wochen.
Jetzt soll ein neues Implantat gesetzt werden (wo vor 5 Monaten operiert wurde) und das andere dann zu einem späteren Zeitpunkt.
Leider habe ich aber immer noch Schmerzen im Knochen. Teilweise ein wenig wie stechen, und immer noch das Gefühl von Entzündung. Es wurde ein DVT gemacht, auf dem alles völlig in Ordnung aussieht, Knochen gut verheilt und keineEntzündung.
Der Prof. meinte, es wäre das Schmerzgedächtnis, weil ich solange Schmerzen dort hatte. Und man könnte nach der neuen Implantation dann evtl. Mit Neuraltherpie behandeln.
Ich weiß nicht, was ich machen soll. Kann es normal sein, dass man Schmerzen im Kiefer hat, obwohl keine Entzündung mehr vorhanden ist? Wie erwähnt, die Beschwerden fühlen sich so an wie vor der Entfernung des Implantats ( mit Entzündung).
Und wie auch erwähnt, auf dem DVT ist alles in Ordnung, ohne Entzündung.



Jasmin
Mitglied seit 31. 08. 2017
61 Beiträge

Hallo Birgit,

diese Probleme kenne ich auch. Ich habe in eine Region, die entzündet war, implantieren lassen. Bis heute habe ich sporadisch heftige Schmerzen dort (u.a. fiese Stiche), auch wurde eine Neuraltherapie durchgeführt, ohne Erfolg ...!

Warum schlägt man dir eine Neuraltherapie danach vor und nicht bevor implantiert wird?

Ich möchte dir gerne raten, lass dir vorerst eine provisorische Prothetik anfertigen und warte in Ruhe ab, wie sich der Knochen verhält. Wenn alles gut ist, kann man immer noch implantieren.
Leider habe ich die Erfahrung machen müssen, dass man nur allzu gerne "schnell" implantiert. Ist ja auch ein lukratives Geschäft ...!!

Überlege dir gut, was du tust.

LG Jasmin



Walburga
Mitglied seit 15. 11. 2018
15 Beiträge

Hallo Birgit,

um Gottes Willen, bloß keine Neuimplantation zum jetzigen Zeitpunkt!!! Wie Jasmin schon sagt: ein Provisorium! Und dann lange, lange abwarten bis längere Zeit (ein Jahr!) keine Schmerzen mehr spürbar sind.

Weder OPG noch DVT noch CT ist im Hinblick auf Entzündungen (insbesondere bei einer chronischen Osteomyelitis) sicher. Ein Knochenszintigramm / Leukozytenszintigramm ist hier m. E. dringend angeraten - und selbst dies kann falsch negativ sein, wie ich selbst erleben musste: kurze Zeit später wurde bei einer OP eine chronische Osteomyelitis gefunden. OPG, DVT und CT waren auch negativ.

Die Schmerztherapie sollte man meiner Meinung nach erst anwenden, wenn sicher abgeklärt ist, dass ALLE Entzündungsherde gefunden und entfernt wurden und der Schmerz dann trotzdem dauerhaft bleibt. Ohne sichere Entfernung aller Herde kann sich unter der Schmerztherapie die Entzündung im Knochen bzw. Knochenmark evtl. unbemerkt weiterentwickeln - mit fatalen Folgen. Und dann muss man auch noch die evtl. auftretenden Nebenwirkungen in Kauf nehmen.

Wurden bei den OPs Keimbefunde erhoben und Antibiogramme erstellt? Ohne Antibiogramm kann eine Antibiose ins Leere gehen. Manche Ärzte kennen sich allem Anschein nach mit Bakterien und Osteomyelitiden nicht so recht aus.

Meine Leidensgeschichte (Links siehe unten) sollte ein warnendes Beispiel sein. Bei mir sind die falsche Anwendung von Knochenersatzmaterial und die zu frühe Implantation zusammengekommen - mit schlimmen Auswirkungen. Mir wurde von Fachärzten gesagt, dass bei Entzündungen und Schmerzen weder Eigenknochen noch Knochenersatzmaterial eingebracht werden darf und auch das Setzen von Implantaten kontraindiziert ist.

Hole dir unbedingt eine Zweitmeinung ein. Lasse möglichst in einer Klinik alles gründlich untersuchen!
Ich drücke dir die Daumen!

Liebe Grüße
Walburga

Links zu meinen Beiträgen in diesem Forum:
https://www.implantate.com/forum/diskussionsforum-zahnimplantate-und-zahnersatz/implantatverluste-durch-fehlerhafte-augmentationen-knochenersatzmaterial-einbringung-43335/view.html?tx_typo3forum_pi1%5Baction%5D=show

https://www.implantate.com/forum/diskussionsforum-zahnimplantate-und-zahnersatz/schwerste-schaeden-durch-fehlbehandlung-mit-knochenersatzmaterial-mit-einer-wurzelspitzenresektion-fing-alles-an-43202/view.html?tx_typo3forum_pi1%5Baction%5D=show



Birgit88
Mitglied seit 24. 09. 2018
7 Beiträge

Hallo Walpurga,
Ganz herzlichen Dank für Deine ausführliche Nachricht.
Keimbefunde und Antibiogramm wurde nicht erstellt. Davon hat mir auch noch nie ein Zahnarzt/Kieferchirurg erzählt.
D.h. Dieses Antibiogramm lasse ich dann beim Zahnarzt machen?
In welcher Zahnklink warst Du, um alles gründlich untersuchen zu lassen?
Es ist wirklich so zermürbend. Dieses ganze Implantat Problem kostet so unendlich viel Energie und hat mich schon an etlichen Tagen depressiv gemacht. Es ist wirklich zum Verzweifeln.
Das mit dem Antibiogramm klingt wirklich gut, das wäre bestimmt der nächste richtige Schritt.
Liebe Grüße, Birgit



Birgit88
Mitglied seit 24. 09. 2018
7 Beiträge

Jasmin, Dir auch danke für die Antwort.
Du hast recht, es wird anscheinend viel zu schnell implantiert. Wie Du schon schreibst, eine lukrative Angelegenheit.



Walburga
Mitglied seit 15. 11. 2018
15 Beiträge

Hallo Birgit,
 
eine direkte Empfehlung für eine Klinik kann ich dir leider nicht geben. Bei mir haben ja zwei Kieferkliniken aus unterschiedlichen Gründen versagt, von denen man das nicht erwarten konnte (siehe die Beschreibung im Link oben: schwerste-schaeden-durch-fehlbehandlung-mit-knochenersatzmaterial …). Nach Entdeckung und (soweit noch möglich) Beseitigung des Schadens habe ich fallbezogen verschiedene Kliniken aufgesucht.
 
Die Kieferklinik der Universitäten Freiburg scheint laut Literatur viel Erfahrung zu haben. (Siehe z. B. Artikel "Herausforderung Kieferosteomyelitis, Ärzteblatt Baden-Württemberg, 2014-7: https://www.izz-on.de/fileadmin/magazine/2014_0700/ZBW201407.pdf, S. 22 - 23.) Auch von Tübingen habe ich Positives gelesen. Aber es gibt sicher auch in anderen Städten gute Kliniken.
 
Den Abstrich kann sicher im Prinzip jeder Zahnarzt und jeder Kieferchirurg durchführen. Ein einzelner negativer Befund sagt nicht viel aus - die Untersuchung muss eventuell öfter gemacht werden. Bei mir war die Hälfte der Befunde negativ. Wichtig ist es auch, den Abstrich an der richtigen Stelle abzunehmen. Es sollte am besten gemacht werden, wenn der Kiefer geöffnet werden muss. Das ist bei dir bei der Implantatentfernung ja offensichtlich nicht geschehen.
 
Natürlich kann man Keimproben im Mundraum auch von einem HNO-Arzt entnehmen lassen, ob sich dort massenhaft (wenige Keime sagen nichts aus) pathogene Keime befinden, die nicht auf eine HNO-Ursache, sondern auf eine Ursache im Kiefer hindeuten. Es können sich auch kleine, mit bloßem Auge nicht sichtbare Fistelgänge gebildet haben, aus denen die Keime in den Mundraum gelangen. Bei mir waren es Escherichia-Coli-Keime, die sich als Anaerobier (= ohne Sauerstoff auskommend) im Kiefer und Knochenersatzmaterial festgesetzt hatten, keine "dicke Backe" und keinen gelben Eiter erzeugen (das Sekret ist von normaler Spucke nicht zu unterscheiden).
 
Entscheidend ist aber, wie gesagt, die gründliche Untersuchung des Kiefers. Bestehe auf einer gründlichen radiologischen Diagnostik zum Ausschluss einer Osteomyelitis und lasse dir einen schriftlichen Befundbericht geben. CT und DVT reichen dabei u. U. eben nicht aus - wie oben gesagt, bei mir war es so! Ich glaube sagen zu dürfen, dass es bei einer chronischen Ostitis oder Osteomyelitis häufig an der Diagnostik mangelt. Und damit wären wir wieder beim Knochenszintigramm, vielleicht auch beim MRT, … hier haben Kliniken entsprechende Spezialgeräte. Allerdings kann ein Szintigramm erst nach einer längeren Wartezeit nach einer OP durchgeführt werden, weil sonst das Ergebnis verfälscht werden könnte.
 
Ich bin übrigens nicht gegen eine Schmerztherapie. Gegen die Schmerzen musst du natürlich auch etwas tun und das Schmerzgedächtnis darf man sicher nicht auf die leichte Schulter nehmen. Was mich gestört hat war die Planung der Schmerztherapie NACH der Implantation und das DVT als einziges Diagnosemittel um der Schmerzursache auf den Grund zu gehen. Es alles vergeblich, wenn mangels Diagnostik auch nur eine einzige Schadstelle im Knochen übrig bleibt. Eine Knochenentzündung muss so rasch wie möglich lokalisiert, ausgeräumt und mit dem richtigen Antibiotikum behandelt werden. Knochenentzündungen neigen zu Rezidiven. Dann können Antibiosen möglicherweise nicht helfen, Schmerzmittel müssten dauerhaft genommen werden - ein Fass ohne Boden. Die neuen Implantate wären evtl. auch gefährdet und würden den Zustand vielleicht sogar verschlimmern. Das alles muss ein Arzt entscheiden, aber ich halte das von dir geschilderte Vorgehen für sehr riskant.
 
Nicht aufgeben, so schlimm es im Moment sein mag! Hole dir weitere Meinungen ein, lasse dich nicht in irgend etwas hineindrängen. Lasse die richtige Diagnostik durchführen (Knochenszintigramm, …), ggf. die Schadstellen komplett entfernen, eine längere schmerzfreie Zeit abwarten,…
 
Liebe Grüße
Walburga



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