Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Neuer Zahn an einem Tag?

Christian
Christian

Sehr geehrte Damen und Herren Zahnärzte

Ich (27) habe in Folge eines Unfalls im Kindesalter seit Jahren einen WSR- und wurzelbehandelten, überkronten Schneidezahn (Mitte oben links).

Da sein langfristiges Überleben keineswegs gesichert ist (und ich auch sonst mit der jetztigen Situation nicht zufrieden bin) mache ich mir seit geraumer Zeit Gedanken über sein Entfernen und Ersatz. Da der danebenliegende mittlere Schneidezahn ebenfalls unfallbedingt nur leicht beschädigt (vital, es ist nur ein kosmetisches Problem), der Rest meines Gebisses gänzlich unsaniert ist, scheint mir ein Implantat die einzige akzeptable Lösung (sind Sie damit einverstanden?)

Was mich jedoch abhält sind nicht die Kosten, sondern die Tatsache, dass eine Implantation eine 6-monatige Einheilzeit benötigt. Ich habe keine Lust, mir das Zahnfleisch mehrmals aufschneiden zu lassen und 6 Monate lang ein (womöglich noch herausnehmbares, argh!!) Provisorium tragen.

Nun habe ich erfahren, dass das Branemark-Protokoll (mit den 6 Monaten) veraltet sei und dass es heute möglich ist, an einem einzigen Tag einen Zahn zu entfernen, in die Wunde sofort ein Implantat einzupflanzen, darauf sofort eine Krone zu setzen und das ganze sofort zu belasten. Die ganze Prozedur dauert nur 1 Stunde, und ist natürlich erst noch billiger, da kein Provisorium benötigt wird und mehrere Besuche wegfallen. Gerade bei einem Frontzahn (keine Kaubelastung) soll das gut funktionieren (und warum auch nicht, ist ja im Prinzip nichts anderes als was bei der Replantation eines ausgeschlagenen Zahnes - hier habe ich leider persönliche Erfahrung - passiert!)

Ich möchte mehr dazu wissen und gegebenenfalls auch erfahren, wer sowas macht.

Vielen Dank

Christian



Dr. Dr. B. Zahedi
Mitglied seit 06. 12. 2000
4035 Beiträge

Hallo
Sofortimplantate (Zahnentfernung und gleichzeitige Implantation) sind gerade im Frontzahnbereich sinnvoll, wenn das Knochenangebot gut ist und keine Entzündung vorliegt. Die uneingeschränkte Belastbarkeit eines Implantats ist heutzutage nach 3-monatiger Einheilzeit gzu erwarten.
Die Sofortversorgung/-belastung funktioniert, ist aber immer noch mit einem höheren Risiko der Nichteinheilung verbunden. Ein Provisorium benötigen Sie auch hierfür, da eine endgültige Krone direkt bei der Implantation keinen Sinn macht, da die ästhetischen Verhältnisse (Zahnfleisch; Knochenverlauf) vor Einheilung/Abheilung noch gar nicht beurteilt werden können. Die Kosten sind übrigens meist höher.
Eine andere Möglichkeit ist das Sofortimplantat, bei dem der entfernte Zahn als provisorisches Brückenglied direkt an die Nachbarzähne geklebt wird. Hier hat man den Vorteil der riskoärmeren unbelasteten Einheilung sowie der preiswerten, ästhetisch guten provisorischen Versorgung. Ein mehrfaches Aufschneiden entfällt ebenfalls, da der Zugang zum Implantat durch die eingebrachte Einheilkappe frei ist.
Viel Erfolg
B. Zahedi



Dr.Metelski
Mitglied seit 27. 02. 2002
969 Beiträge

Sie teilen uns mit,dass Ihr restliches Gebiss gänzlich unsaniert ist.Als ersten Schritt würde ich empfehlen,Ihr restliches Gebiss vorher sanieren zu lassen.Mit der Einheilzeit ist das so eine Sache.Wenn Sie sich vorstellen wie eine
Zahnwurzel aussieht und daneben ein Implantat
egal welcher Herstellerfirma halten,werden Sie feststellen,dass es von der Form her Unterschiede gibt.Meistens ist es auch so,dass
zusätzlich noch Knochen aufgebaut werden muss.In der Presse wird häufig,unterstützt von
Herstellerfirmen,eine Sofortbelastung propagiert.Nach 1-2 Jahren hört man leider
(oder Gott sei Dank) nichts mehr davon.Wollen Sie auf der sicheren Seite sein,nehmen Sie lieber eine Einheilzeit entsprechend der Knochenqulität in Kauf,auch mit herausnehmba- ren Provisorium.Ansonsten gilt,was Kollege Zahedi mitgeteilt hat.

M.f.G. Dr.Metelski



Dr. Dr. Ruediger Osswald
Dr. Dr. Ruediger Osswald

Warum meinen Sie denn, dass das langfristige Überleben Ihres wurzelbehandelten Schneidezahns nicht gesichert ist, Christian?

Wenn Sie keine Beschwerden haben und der Zahn fest und röntgenologisch einwaqndfrei ist, dann können Sie auch vollständig auf ein Implantat verzichten, indem Sie diesen Zahn überkronen. Wenn der Nachbarzahn aus ästhetischen Gründen auch überkront werden soll, ist es umso besser. In diesem Fall ist die sinnvolle Lösung, zwei Einzelkronen herzustellen und sie sekundär am Kontaktpunkt zu verlöten. Damit stellen Sie einem schwachen Pfeiler einen starlen an die Seite und sichern sein Überleben langfristig.

Die Folge? Keine Extraktion, keine Augmentation, keine Gefahr der Komplikatioen, kein ewig langes Provisoriumtragen, niedrige Kosten, usw......und eine ästhetisch in jedem Falle einwandfreie Lösung.

Vielleicht investieren Sie das gesparte Geld besser in die Sanierung der Seitenzähne. Die sind langfristig wichtiger.

Herzliche Grüße

Osswald



Christian
Christian

Sehr geehrte Herren Drs. Zahedi, Metelski und Osswald. zuerst möchte ich mich herzlich bei Ihnen für Ihre schnelle Antwort bedanken.

Herr Dr. Osswald: Tut mir leid, da haben Sie mich irgendwie falsch verstanden, oder ich hab mich schlecht ausgedrückt. Meine restlichen Zähne brauchen nicht saniert zu werden, die sind einwandfrei (=naturgesund, ungefüllt und mittels langjähriger extraktionsfreier KFO in einem perfekten Aufbiss)!

Der betroffene Zahn ist bereits überkront und hatte auch schon eine WSR. Deshalb ist sein Überleben (aus meiner Sicht zumindest) fraglich... Die Wurzel ist ja verkürzt... Es gibt auch noch andere Gründe, z.B. dass es in meinen Augen besser ist, den Zahn zu ziehen bevor er Probleme macht und sich wieder entzündet, da sonst wieder Knochensubstanz verloren geht und dann die Implantation wieder schwieriger wird...

Den Nachbarzahn will ich eigentlich nicht überkronen lassen (es handelt sich ja nur um eine abgebrochene Ecke, mittels Komposit wieder aufgebaut, jetzt leider Verfärbungen), ich dachte eher an ein Veneer. Und den Vorschlag, 2 Einzelkronen zu verlöten, kann ich nun überhaupt nicht akzeptieren, da könnte ich mir ja gleich eine Brücke machen lassen!

Mit freundlichen Grüssen

Christian



Dr. Dr. Ruediger Osswald
Dr. Dr. Ruediger Osswald

Zumindest was die Brücke betrifft, Christian, irren Sie gewaltig, aber Sie haben Recht, warum nicht auf den Bundeskanzler hören, der eh gesagt hat, wir sollten endlich das Brutto-Inlands-Produkt steigern.....smile...

Herzliche Grüße

Osswald



Dr.Metelski
Mitglied seit 27. 02. 2002
969 Beiträge

Wenn Ihnen der Zahn keine Schwierigkeiten bereitet,röntgenologisch keine Auffälligkeiten zu
erkennen sind,ist es nicht sinnvoll,den Zahn
prophylaktisch ziehen zu lassen.
Wenn Sie sich ein Bein gebrochen haben und der bruch gut verheilt ist,lassen Sie das Bein doch auch nicht vorsorglich amputieren-oder?

M.f.G. Dr. Metelski



Christian
Christian

Sehr geehrter Herr Dr. Osswald

Ich muss zugeben, ihr Beitrag hat mich erstaunt (und auch etwas verärgert). Vielleicht haben Sie das nicht richtig verstanden, aber meine Frage war durchaus ernst gemeint...

Wieso sollte ich mich gewaltig irren? Ich will eben keine zusammengeschweissten Zähne in meinem Mund (egal ob Brücke oder verschweisste Kronen), weil das nicht natürlich ist... Ist das so schwer zu verstehen?

Und ich denke, ein gutes Implantat ist qualitativ allemal besser als die jetztige Lösung, auch wenn diese (im Moment) keine Probleme bereitet.

Im Übrigen haben Sie natürlich recht. Es ist schliesslich mein Geld, mein Mund, und ich kann verlangen was ich will, auch wenn es nicht ihrer Ethik entspricht. Und zum Glück haben wir in der Schweiz ja einen Zahnarztüberschuss, also wenn einer hiermit ein Problem hat wird sich schnell ein anderer finden lassen, der meinen Wünschen gerne nachkommen will...

Jedenfalls besten Dank für die Infos zu Schnellimplantaten.

Gruss

Christian



Dr. Dr. Ruediger Osswald
Dr. Dr. Ruediger Osswald

Nicht natürlich, Christian?

Nicht natürlich ist es zunächst einmal, Zähne zu extrahieren, die nicht extrahiert werden müssen.

Umgekehrt könnte man es als die Natur in extremer Form akzeptierend (also natürlich) bezeichnen , dem Hergott überhaupt nicht ins Handwerk zu pfuschen und diejenigen Zähne, die ausfallen wollen auch ausfallen zu lassen, also weder wurzelbehandeln, noch resizieren, noch überkronen, noch verblocken, noch überbrücken, noch durch Implantate zu ersezten.

Was den Unterschied im Grad der Natürlichlichkeit im Sinne von "Was die Natur verhuntzt, ersetzt die Kunst" betrifft, so läßt sich vortrefflich darüber streiten. Sicher gibt es nicht wenige, die ein Implantat aus Metall als maximale Unnatürlichkeit einstufen würden, zumindest jedoch unnatürlicher als die eigene Zahnwurzel.

Ein sehr christlicher Patient hat einmal spekuliert, dass Zahnärzte mit dem Haufen der Zähne aufgewogen werden werden, die sie gezogen haben, obwohl sie erhaltungsfähig waren.....smile....

In diesem Sinne "felix swizera" (oder so ähnlich), wo man bekommt, was man verlangt, nichts für ungut und herzliche Grüße

Osswald



Dr. Dr. B. Zahedi
Mitglied seit 06. 12. 2000
4035 Beiträge

Hallo,
der Patient hatte eine Frage zu den Möglichkeiten der Verosrgung. Ob der entsprechende Zahn extraktionswürdig ist oder nicht, können wir als nicht behandelnde Zahnärzte gar nicht beurteilen. Es ist ein toter Zahn, sogar nach WSR, kein gesunder vitaler Zahn. Es gibt eine nicht unerhebliche zahl von Ärzten, die allein aus diesem Grund einen solchen Zahn entfernen würden.
Ich finde es mehr als fragwürdig, aus solch klar formulierten Anfragen eine medizin-ethische Grundsatzdiskussion anzufangen.
Man kann auch mal darüber nachdenken, ob man nicht auch einen gewissen Respekt vor den Wünschen eines Patienten entwickeln sollte.
Gruß
B. Zahedi