Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Implantat mehrfach nicht angewachsen

Zahnfee
Zahnfee

Hallo,

Vor etwa zwei Jahren mußte mein vorletzter Backenzahn unten rechts gezogen werden. Mein Zahnarzt riet mir dank gutem Knochenbau zu einem Implantat (Schraube).
Nun habe ich schon zwei Versuche hinter mir. Beide male wuchs das Implantat nicht in den Knochen ein, sondern das Zahnfleisch wucherte zwischen Implantat und Knochen, sodaß das Teil wackelte und wieder raus mußte. Das letzte mal hatte ich zudem eine Woche lang Höllenschmerzen. Nun meint mein ZA nur lapidar "aller guten Dinge sind drei"... Ich traue mich nun aber kaum noch an ein drittes mal ran. Zu den Randbedingungen: Ich bin Knirscher, benutze aber nachts eine Schiene dagegen, außerdem rauche ich, aber sehr wenig.
Gibt es irgendwelche Alternativen? Woran kann es liegen, dass die Dinger bei mir nicht anwachsen wollen?

Bin ziemlich verzweifelt und hoffe auf Perspektiven.



dr.konrad Jacobs, wien
dr.konrad Jacobs, wien

Schmerzen beim Implantieren deuten immer auf noch bestehendes entzündliches Gewebe hin. Knochenbett war offensichtlich noch mit infizierten Zellen behaftet, Knochenbett und Implantat nicht absolut kongruent

Beim Raucher muss vor der Implantation ein absolut nikotinfreier Tag und nach der Implantation mindestens zwei nikotinfreie Tage liegen, ansonsten kein wundverschluss

Knirschen hat erst Einfluss, wenn das Implantat belastet wird.

Also: Wunde nochmals grosszügig ausschälen und dicht verschliessen, eine woche strenge antibiotische Abschirmung,

dann, wenn wunde gut verschlossen dritter Versuch moit richtigem Implantat, richtiger Länge und wunddichtem Verschluss.

Viel Glück IHR

Konrad Jacobs



Helmut
Helmut

Zitat:
Beim Raucher muss vor der Implantation ein absolut nikotinfreier Tag und nach der Implantation mindestens zwei nikotinfreie Tage liegen, ansonsten kein wundverschluss
Zitatende

Wenn Zahnärzte über Ihre Erfahrungen sprechen, ist das absolut hilfreich!
Wenn sie anfangen zu spekulieren, eher nicht.
Empfehlung: dann besser nicht schreiben.

Ich habe schon einige Schnitte in meinem Kiefer ertragen müssen und habe aber als Raucher alles sehr gut überstanden. Mir ist aber nie eingefallen, ein Tag vorher mit dem Rauchen aufzuhören bzw. nach dem Eingriff einige Tage mit dem Rauchen zu warten.

Ich weis, das man als Raucher hier keine Lorbeeren einhamstern kann, aber was hier teilweise an Horrorzenarien aufgebaut wird, ist wirklich nicht hilfreich.

Wir Raucher haben doch für alle, die Implantate sich haben einbauen lassen, einen Vorteil für alle, die diese Implantate einbauen.
Wir geben doch einen wunderbaren Sündenbock ab, wenn irgentetwas schiefgelaufen ist.

Sorry, aber ich konnte es leider nicht lassen mich hier zu melden, aber ich denke das es auch richtig ist, hier als Raucher seine Erfahrungen zu schreiben.



Dr.konrad Jacobs
Dr.konrad Jacobs

Sehr geehrter Raucher Helmut!

Ich danke für Ihre Antwort - aber so kann man das nicht stehen lassen.
Ich behandle seit über 30 Jahre Implantatpatienten und habe logischerweise dabei viele Raucher.
Ich habe überhaupt nichts gegen rauchende Patienten, im Gegenteil, ich habe volles Verständnis für alle kleinen und grossen Sünden.
Aber: es hat sich gezeigt, dass rauchende Patienten eine deutlich höhere Verlustquote haben, als Nichtraucher.
Dann hat sich in meiner umfangreichen, über ´Jahre beobachteten Klientel gezeigt, daß der Operationsnahe Zeit die kritischste ist.
Und diese Erfahrung möchte und kann ich guten Gewissens allen Zahnärzten und Patienten weiter geben.
Da freut es mich, wenn bei einem Einzelnen wie bei Ihnen trotz Rauchens eine Wundheilung eingetreten ist. Nur Sie können aus Ihrem einzelfall bitte nicht eine erfahrung von über 10.000 Implantation, die ich mit diesem Problem habe, vom Tisch wischen.

Ihr

Konrad Jacobs Fachpraxis Implantologie Wien



Helmut
Helmut

Zitat:
......Nur Sie können aus Ihrem einzelfall bitte nicht eine erfahrung von über 10.000 Implantation, die ich mit diesem Problem habe, vom Tisch wischen..
Zitatende

In dieser absoluten Weise wollte ich mein Topic auch nicht verstanden haben. Aber gut, lassen wir das.

An alle:
Gottseidank gibt es mittlerweile auch in den Reihen der Implantologen die Auffassung, das Rauchen keine Kontraindikation ist. Das Raucher mit einem höheren Risiko leben müssen ihre Implantate zu verlieren, denke ich, ist mittlerweile allgemeiner Wissensstand.
Einzelfälle gibt es, aber da will sich hier wohl niemand dran aufhängen.

Wenn ich jetzt mal nur einfachhalber von den "Rauchern" o. "Patienten" schreibe, möge das unsere feminine Welt bitte nicht mißverstehen, OK?

Ich denke nur, das es Sache der Zahnärzte und Implantologen ist, dieses Risoko mal vom der sachlichen Seite her zu qualifizieren, und endlich mal festzustellen - weil es hier ja auch bei den Rauchern um eine nicht unerhebliche Anzahl von Patienten geht - ob man dieses Risiko nicht versicherungstechnisch in den Griff bekommen kann, um auch die Raucher, wenn Implantate abgestoßen werden, nicht in ein finanzielles Desaster zu schicken.

Ich meine, die Raucher mit dem Risiko allein zu lassen, ist doch etwas billig, oder nicht?

Ich denke, auch wenn ein Raucher seine Implantate verliert ist das schon schlimm genug, wenn er dann noch mit den Kosten allein gelassen wird, dann ist das meiner Meinung nach unzumutbar.

Leicht kann man sich es machen, einfach in den Raum zu stellen, das der/die RaucherInnen es doch einfach lassen sollen!?

Na großartig, hoffentlich kommt auch mal bei Euch Zahnärzten und Implantologen und natürlich bei allen Laboren der Wunsch auf - weil ja auch mit den Rauchern gutes Geld verdient werden kann - im Sinne Ihre "rauchenden" Patienten zu handeln.

Sozusagen nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz - nur hier natürlich an dem Erfolg gemessen.

Gruß - Ein egoistischerr Raucher der nicht sehr viel Geld verlieren möchte.



Dr. Dr. B. Zahedi
Mitglied seit 06. 12. 2000
4035 Beiträge

Hallo,
man ist schon ein Stückchen weiter bei der Eingrenzung Hochrisiko (für den Implantat-Erfolg)-Raucher oder nicht:
Interleukin 1-Gen Polymorphismus, kurz "IL-1 positiv" (Gentest) bei stark rauchenden Patienten scheint nach jetziger Erkenntnis das Risiko für einen frühzeitigen, mittel- und langfristigen Implantatverlust stark zu erhöhen.
Wenn ein Implantatverlust (ohne Nachweis des Behandlungsfehlers) bei einem Gesunden rechtlich nicht eingeklagt werden kann (ärztliche Leistung, nicht Ergebnis wir in Rechnung gestellt), kann es dem Behandler passieren, dass er bei einem Rechtsstreit im Falle eines Misserfolges bei einem IL-1 pos. Raucher verurteilt wird. Denn: er hätte fast wissen müssen, dass es schiefgeht.
In einem solchen Fall ist eine explizite Risikoaufklärung vor der Behandlung unabdingbar, wenn das rechtlich überhaupt ausreicht.
Als Patient eine Gewährleistung in einem solchen Fall einzufordern, halte ich für -vorsichtig formuliert- schwierig.
Gruß
B. Zahedi



Helmut
Helmut

Zitat:
...kann es dem Behandler passieren, dass er bei einem Rechtsstreit im Falle eines Misserfolges bei einem IL-1 pos. Raucher verurteilt wird. Denn: er hätte fast wissen müssen, dass es schiefgeht....
Zitatende:

Sehr gut! (oder auch nicht)
Demnach ist die Frage ob Rauchen eine Kontrainikation ist oder nicht - zumindest juristisch - eng engegrenzt.

Eine juristische Lösung erscheint mir aber nicht praktikabel, weil sich beide Seiten ( Patient/ Behandler) dieses Dilemma ersparen sollten.

Danke! Gott helfe mir, das ich in Zukunft von den "Glimmstengeln" wegkomme bzw. ich meinem Geld was ich ausgeben muss, nicht böse sein muss.

Sogar meine Tastatur streikt im Augenblick!

Schönes Wochenende!?



Dr.Konrad Jacobs, wien
Dr.Konrad Jacobs, wien

Sehr geehrter Herr Dr.Dr.Zahedi,
sehr geehrter Herr Helmut!

Ich danke für den neuen wissenschaftlichen Hinweis - und ich denke für alle Implantologen und rauchenden Implantatpatienten ist das ein weiterer Schritt in die Problemlösung.

Juristisch gesehen ist es so, daß auf Grund der hundertfach vorliegenden Berichte über die gesteigerten Früh - aber auch Spätverluste bei Rauchern der Arzt auf eine Implantation in diesem Falle keine Garantie geben kann.
Die implantierenden Kollegen sollten allerdings im Aufklärungsbogen nochmals schriftlich hinzufügen: "Auf Grund von Nikotionabusus kann auf die Implantation keine Garantie übernommen werden" .

Dennoch wünsche ich allen rauchern, insbesondere denen die schon Implantate haben, eine frohes Weihnachtsfest.

Konrad Jacobs Wien



Zahnfee
Zahnfee

Hallo,

ich wollte mit meinem Beitrag KEINE Diskussion über das Rauchen beginnen. Ebenfalls interessiert mich die Kostenfrage kein bisschen, da mein Zahnarzt den dritten Versuch, wie den zweiten auf Kulanz machen wird.
An mangelnder Wundheilung lagen die Misserfolge bei mir nie! Geblutet hat es schon am nächsten Tag nicht mehr. Beim ersten mal habe ich vom Implantieren garnichts gemerkt, beim zweiten Versuch hatte sich wohl irgendwas entzündet, deshalb die Schmerzen. Die Tatsache , dass das Implantat beide male nicht anwuchs lag daran, dass mein Zahnfleisch zwischen Schraube und Knochen runterwuchs und dadurch eine Verbindung Knochen/Schraube unterband. Diese Problematik - und nicht das Rauchen - hätte ich gerne diskutiert! Abgesehen davon deutet das doch eher auf eine BESCHLEUNIGTE Wundheilung hin (Wunden heilen bei mir generell besonders schnell! - trotz rauchen).
Also: Ist über solchen Zahnfleischwuchs, welcher ein Festwachsen von Implantaten verhindert schon irgendwas bekannt?



Dr. Dr. B. Zahedi
Mitglied seit 06. 12. 2000
4035 Beiträge

Hallo,
eine schnelle Zahnfleischheilung ist sicher güntig für den Implantaterfolg. Keinesfalls schafft es das Zahnfleisch, zwischen Knochen und Implantat zu wachsen, es sei denn es ist ein Spalt durch eine Entzündung mit Knochenabbau entstanden.
Gruß
B. Zahedi