Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Gute Erfahrungen mit Implantaten

Zahnmedizin Düsseldorf
Mitglied seit 22. 09. 2023
2 Beiträge

Hallo zusammen,
ich denke bei der Frage ob Implantate funktionieren oder nicht darf man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Es gibt schwierige und leichte Fälle. Es ist menschlich sich auf das negative zu konzentrieren, dabei sollte man aber die Wissenschaft nicht außen vor lassen. Schaut man in die neuesten Ergebnisse darf man sagen dass Implantate funktionieren.

https://zahnmedizin-duesseldorf.com

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Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
515 Beiträge

Das kann ich hier nicht so unkommentiert stehen lassen! Es gibt nicht nur „schwierige und leichte Fälle“, es gibt auch „gute und schlechte Implantationen“ sowie „gewissenhafte und unachtsame Behandler“.

Ich lese und schreibe hier seit 15 Jahre und habe fast alle Beiträge in diesem Zeitraum gelesen – und auch viele beantwortet. Geschätzt 90% der Beiträge kamen von Ratsuchenden, die Hilfe brauchten wegen z. T erheblichen Schmerzen nach der Implantation. Sie wurden häufig nicht ernst genommen von ihren Behandlern und mit den Schmerzen nach Hause geschickt. Einfach, weil laut Rö-Aufnahme alles OK sei. Nur sind diese nicht aussagekräftig, Entzündungen sind darauf nicht zu sehen und außerdem lassen sie sich beliebig interpretieren. Viele mussten zudem abfällige Bemerkungen zu ihrer Psyche hinnehmen (das trägt dann auch schon Merkmale von Diskriminierung). Die anderen 10% stammten von Patienten, die mit der Prothetik nicht klar kamen bzw. sonstige Fragen hatten.

Kein Zahn wird gezogen, weil er gesund ist. Wenn der Zahn schmerzt, sind immer Keime im Spiel. Dennoch berichten Patienten nicht selten von Zahnextraktion und Knochenaufbau mit Knochenersatzmittel in einer Sitzung. Oder sogar Zahnextraktion, Knochenaufbau mit Knochenersatzmaterial UND Sofortimplantat. Das muss schiefgehen. Diese Art von Missständen wird in diesem Forum diskutiert.

Patienten, die gut mit ihren Implantaten zurecht kommen sind nicht verpflichtet „Werbung“ für Implantate zu machen oder sich dazu in einem Forum zu äußern. Genau so wie das für andere Produkte und Dienstleistungen gilt. Wer schreibt schon über einen Internet- und Telefonanbieter in einem Forum, wenn alles funktioniert?

Jeder, der sich ein Implantat setzen lässt, geht davon aus, dass die Ästhetik stimmt und dass er damit essen kann - und zwar ohne Schmerzen. Für diese Leistung zahlt er ja auch. Wissenschaft hin oder her: wenn Implantate schmerzen, schmerzen sie, wenn die Prothetik daneben ist, muss der Patient das nicht akzeptieren. . Und daher ist die Argumentation von Dr. Thilo Fechtig vom 10.08.2010 (ganz am Anfang dieses Threads) „daß Menschen mit negativen Erfahrungen ca. 30x mehr ihr Leid in die Welt tragen“, völlig am Thema vorbei. Genauso wie Ihre Bemerkung „Es ist menschlich sich auf das negative zu konzentrieren“.
Das sind sog. „Totschlagargumente“: https://de.wikipedia.org/wiki/Totschlagargument



erich49
Mitglied seit 05. 12. 2022
53 Beiträge

Hallo Agnes,

absolut super geschrieben genauso sehe ich das auch .



Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
515 Beiträge

Hallo Erich,

danke für das positive Feedback. In der Medizin wird seit eh und je versucht, Patienten nach misslungenen Behandlungen mit Scheinargumenten zum Schweigen zu bringen. Für mich schwer zu ertragen. Daher möchte ich ein wenig dazu beitragen, der Patientenschaft eine Anleitung in die Hand zu geben diese zu erkennen und dagegen zu halten.

Dr. Thilo Fechtig und „Periimp“ sprechen in diesem Thread über eine Anzahl von Implantationen und deren Verlustraten. Doch wie kommen die Zahlen zustande? Zahlen, wie viele Implantate gesetzt werden, kann die Industrie noch liefern. Aber wo sollen die Zahlen der Implantatverluste herkommen? Zwar sollen Implantologen Implantatverluste (in Deutschland) beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden. Doch sie tun es nicht, weil sie nichts von dieser Meldepflicht wissen. „Der Spiegel“ veröffentlichte dazu am 12.02.2019 einen Artikel mit dem Titel: „Kleine Schraube, großes Problem“. Lesenswert!

Sucht man im Internet nach Zahlen wird man schnell fündig. 1,3 Millionen Zahnimplantate sollen es 2018 in Deutschland gewesen sein. Doch die Anzahl der Implantationen sagt gar nichts aus über das Risiko des Eingriffs. Es passieren auch viele Verkehrsunfälle: Sind sie deshalb harmlos?

Ein großes Risiko für Implantatverlust ist Knochenaufbau mit Knochenersatzmaterial sofort nach der Extraktion eines kranken Zahnes. Dann gibt es immer Keime im OP-Gebiet (Knochen und Mundschleimhaut). Wenn Keime mit dem tierischen Ersatzmaterial in Kontakt kommen, kann daraus kein stabiler menschlicher Knochen entstehen. Folge: Periimplantitis, nicht ausreichend menschlicher Knochen oder weicher Knochen, in dem kein Implantat Halt findet. Gefahr für Osteomyelitis.

"Goldstandard" für gelungene Implantationen aus Patientensicht ist daher die Wahl des richtigen Behandlers, der seinen Patienten diese und andere unnötige Risiken NICHT aussetzt.

Viele Grüße nach Österreich!



erich49
Mitglied seit 05. 12. 2022
53 Beiträge

Hallo

Super Beitrag was mich aber etwas stutzig macht ist die Aussage :

Aber solch ein Pass ist keine Pflicht. Die Folge: Weder Patient noch neuer Zahnarzt wissen, was im Mund verbaut wurde. Immer wieder stellen Zahnärzte daher Röntgenbilder mit problematischen, ihnen unbekannten Zahnimplantaten auf Fachseiten zur Diskussion und bitten um kollegiale Hilfe mit der Frage, um welches es sich handeln könne.

Also ist ein Implantatpass doch keine Pflicht.



Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
515 Beiträge

Nein, eine Pflicht gibt es nicht und wenn Patienten nicht danach fragen (weil sie einfach nicht wissen, das jedes System seine eigene Schüssel bzw. Werkzeug hat für Implantateinbringung und -entfernung) kann ihnen später, wenn eine Entfernung ansteht, nicht geholfen werden.

Aber auch wenn es eine Pflicht gäbe, ändert es nichts. Der Patient selbst muss zusehen, dass er sein Recht auf Aushändigung durchsetzt. Verankert im Patienterechtegesetz. Das gilt auch für Österreich. Die Patientenrechte sind in der Patientencharta beschrieben. Findet man im Internet. Gute Implantologen, die häufig implantieren, sehen die Notwendigkeit ein und händigen diesen Pass auch ungefragt aus, diejenige mit wenig Erfahrung könnten sich provoziert fühlen wenn "Patient" danach fragt. Aber in beiden Ländern besteht die Dokumentationspflicht und die Pflicht zur Aushändigung der Patientenakte und sonstiger Unterlagen. Dort muss es eingetragen sein und die würde ich mir geben lassen.

Häufig erst bei Misserfolg, erfährt "Patient", worauf er/sie sich eingelassen hat! Dass Implantate auch mal brechen, geht aus dem Beitrag von "Schmetterling" hervor:
https://www.implantate.com/forum/diskussionsforum-zahnimplantate-und-zahnersatz/implantat-ist-gebrochen-und-musste-entfernt-werden-43904/view.html?tx_typo3forum_pi1%5Baction%5D=show



erich49
Mitglied seit 05. 12. 2022
53 Beiträge

Hallo Agnes
Danke für die Antwort
Du hast absolut recht viele wissen nicht von ihren Rechten .
Ich habe nun auch schon mehrere Implantate aber erst jetzt fühle ich mich beim
3. Zahnarzt bzw Kieferchirurgen gut aufgehoben erst durch ihn kam ich auf den
Implantatpass den ich eben sofort bekam ohne danach gefragt zu haben.
Wie du selber sagt wer oft Implantiert von dem bekommt man ihn ohne zu fragen.
Auch mich wollte der vorige Arzt natürlich im nachhinein ein versehen was verrechnen
was beim implantieren nicht gebraucht wurde da ich es wusste und ihm erklärte das
dies nicht gebraucht wurde war es ein versehen und wurde nicht verrechnet.

Das ist eben genau wie du sagst wenn man hier nicht wirklich etwas Interesse zeigt
was der Zahnarzt macht kann gut und gern mal was auf der Rechnung stehen was so
nicht stimmt.

Aber es ist ja nicht jeder so und es gibt gott sei dank noch sehr viele gute Zahnärzte.



Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
515 Beiträge

Ja, klar gibt es die „guten“ wie in jedem Berufszweig. Es freut mich zu hören, dass du jetzt den/die richtigen gefunden hast, was ich auch allen anderen Implantatträgern wünsche. Die „guten“ Ärzte halten sich an die Vorgaben, aber wie man hier liest, nicht alle. Auch ich habe nach 6 schmerzvollen Jahren (Frontzahn 11, sofortiger Implantatverlust, erneute Implantation mit Knochenersatzmaterial, ohne Einwilligung, jahrelange Schmerzen) die richtigen Fachleute gefunden, die mir geholfen haben (Explantation des zweiten Implantats mit Kiefer- und Gaumenrekonstruktion mittels Eigenknochentransplantation, gut 8 Monate später dritte Implantation an der Stelle). Denen bin ich unendlich dankbar. Aber soweit hätte es nicht kommen müssen, denn, derjenige der das Implantat gesetzt hatte, war ebenfalls "Experte" (Master of Science) – hat aber alle Fehler gemacht, die er nur hätte machen können.

Nach dem Debakel war ich nicht bereit das Unrecht, die jahrelangen Schmerzen, die Verleumdungen (!) vor den Augen der Angestellten, die Verletzung der Schweigepflicht und der finanzielle Betrug ungeklärt zu lassen. Ich reichte Klage ein. Der Gerichtsgutachter konnte – wie erwartet – keinen Behandlungsfehler feststellen. Diesen Beweis schaffte ich erst mithilfe eines Privatgutachtens. Es wurde ein „grober Behandlungsfehler“ festgestellt. Danach ging es noch in die zweite Instanz… dann hat die Gerechtigkeit gesiegt. Ist alles schon etliche Jahre her, aber immer noch präsent :-(

Eine Zahnimplantation ist ein ernstzunehmender Eingriff. Kein Implantat oder Knochenersatzmaterial bei Entzündungen oder Infektionen! Das wird vielfach missachtet. Diese Implantate haben keine Chance. Ich wiederhole mich hier gerne für die stillen Mitleser (heute 98.640 Klicks!)

Mein erstes Implantat ist inzwischen 23 Jahre alt und erfreut sich immer noch bester Gesundheit – sogar als Pfeiler in einer Hybridbrücke. Gute Arbeit braucht keine Werbung!