Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Antwort auf: Frontzahn Implantat bei Zyste?

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Frontzahn Implantat bei Zyste?

Ina B
Ina B

Hallo, ich hab
habe seit dem 11 Lebensjahr einen Toten Frontzahn,den 1,2er Zahn, der durch eine Unfall abgestorben ist. Dies wurde erst 4 Jahre später behandelt. Seitdem habe ich bestimmt 4 Wurzelfüllungen bekommen, Reinigungen, Bleichung. Aber die letzten 20 Jahre hatte ich NIE eine Entzündungsreaktion bemerkt. Seit einem Jahr macht der Zahn Probleme. März bis August 2015 wuchs allmählich eine Fistel im vorderen Zahnfleischrand, die kam und ging, dann aber wurde Antibiotika lokal behandelt, und oral. Danach hatte ich im Februar die zweite Fistel hinten, die sich auch öffnete und eiterte. Eine Wurzelresektion folgte im April. Im Juni eine zweite Resektion, weil der Zahn immer noch rumorte. Nun muss er raus. Ich war nun schon bei verschiedenen Zahnärzten, die mir alle was unterschiedliches erzählen. Der eine sagt: "Ewas mehr Abheilen lassen und in nächster Zeit ein Sofortimplantat setzen" (Titan im Kiefer und Keramik in der Zahnhöhle.) Die andere Ärztin sagt, es dauert bestimmt, 1 Jahr bis ich ein Implantat setzen könnte. Eine andere Ärztin sowie mein Chirurg sagen: "Noch nicht raus, erst wenn er wieder eine Firstel bekommt). Der Chirurg verschreibt mir auch nur ständig Antibiotika, wenn ich hin komme, das finde ich fahrlässig. Diese unterschiedlichen Aussagen macht mich wahnsinnig. Denn für mich wäre ein Sofortimplantat besser weil ich Sängerin bin und diese Standard-Provisorien, die von den Kassen gezahlt werden, kann ich nicht nutzen, ich MUSS ordentlich Sprechen können. Denn außerdem stehe ich auch vor Guppen und rede, muss bezuflich auch viel Telefonieren und da einfach ordentlich sprechen und singen können.

Meine Frage: Hat jemand es erlebt, dass ein derart entzündeter Zahn mit einem Implantat versorgt werden konnte und das auch eingewachsen ist?

Zudem habe ich Neurodermitis, die allerdings auch seit meiner Pubertät weg ist. Seit (komischer Weise) über einem Jahr (1,5 Jahre), also genau seitdem der Zahn auch Probleme macht habe ich versärkt Jukreizattaken und reagiere sehr empfindlich auf histaminhaltige Lebensmittel. Zudem habe ich eine sehr unangenehme Stelle, in der der Ausschlag immer dann kommt, wenn die Zahnentzündung wieder merklich stärker wird.

Ist in so einer Situation ein Implantat sinnvoll? Hat man nach der Imlantation noch oft Probleme mit dem Implantat,, sodass mein Immunsystem weiterhin in Alarmbereitschaft bleibt? Das möchte ich auf jeden Fall verhindern.

Meine eigene Lösung war: Adhäsions- oder Marylandbrücke als Provisorum und nach einem Jahr ein Implantat. Ich wollte meinem Körper Zeit zum heilen geben. Da sagt aber der Spezialist, dass es dann ästhetische Probleme mit den Zahnfleischpapilen geben würde, weil die sich nach dem Ziehen des Zahnes sofort zurückbilden. Stimmt das? Wenn das so ist, würde ich eher den Schritt wagen und es wenigstens mit dem Implantat versuchen, eine Brücke kann ich immer noch machen wenn es nicht einwächst.

viele Grüße, und danke für eine Antwort, bin echt sehr verzweifelt.



Ina B
Ina B

Hallo ich kann mich leider nicht als Nutzer anmelden, würde mich aber dennoch über antworten freuen!



Dr. Dr. B. Zahedi
Mitglied seit 06. 12. 2000
4036 Beiträge

hallo,
nach ausgedehnten nachuntersuchungen scheint das sofortige implantat nach entfernung ästhetisch doch keinen vorteil gegenüber dem zuwarten zu haben.
allerdings dürfte ein zu langes zuwarten (mehr als wenige monate) ungünstig zu sein, da sich der knochen dann vermehrt zurückziehen kann.
gruß
b. zahedi



Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
403 Beiträge

hallo Ina B

Frontzahnimplantate sind sehr schwierig - man kann nicht davon ausgehen, dass hinterher alles perfekt ist. Mit Abstrichen ist zu rechnen. Deshalb sind die Ärzte auch so unterschiedlicher Meinung: eine Zyste ist ein Risikofaktor. Wie das Ergebnis ausfallen wird, ist kaum vorhersehbar.

Ich habe ebenfalls ein Frontzahnimplantat (11). Das erste habe ich sofort verloren, mit dem zweiten gab es nur Probleme - erhebliche Schwierigkeiten mit dem Sprechen, habe mich pausenlos auf Lippe, Zunge und Wangeninnenseite gebissen, ganz abgesehen von den Schmerzen. Es wurde explantiert. Jetzt habe ich an der Stelle ein drittes Implantat. Nun ist alles OK, mit kleinen Abstrichen.

Wenn ich Sängerin gewesen wäre, wäre ich acht Jahre arbeitslos gewesen. Deshalb sollte ein Implantat sehr wohl überlegt, gut geplant und von einem sehr erfahrenen Chirurgen gesetzt werden.

Alles Gute



Ina B
Ina B

Hallo Danke für die Antworten! (Wobei ich die erste Antwort nicht so ganz verstehe?)

Was sind denn die kleinen Abstriche? UND: Wieviel hat das ganze so gekostet? Heute war ich bei einem Arzt in der Charité und der sagte verzögerte Sofortimplantation mit Knochenaufbau durch Eigenblut. Kosten ca. 3700 Euro.UNd da ist noch nciht die Protese dabei, die ich für den Zahn bekomme. Das kann ich mir einfach nicht leisten!?

Ich bin total verzweifelt.



Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
403 Beiträge

Die Abstriche sind: die Krone sitzt nicht dort, wo man sie gerne haben möchte. Das ist nicht zu unterschätzen, denn im Gehirn ist sozusagen einen Abdruck des Zustands von vor der Implntation hinterlegt und den kann man nicht so einfach "wegradieren". Steht hinterher die Krone auch nur einen Millimeter zu weit noch vorne, nach hinten oder seitlich verschoben, dann beißt man sich selber permanent auf die Zunge, auf die Innenseite der Wangen sowohl vom Oberkiefer als auch vom Unterkiefer, auf die Lippen usw. . Beim Sprechen wird Speichel in allen Richtungen verstäubt. Das Zahnfleisch weicht zurück, was ästhetisch betrachtet bei einer Sängerin schon ins Gewicht fallen könnte. Hier ist auf die Lachlinie zu achten (meine ist sehr niedrig, von daher war das das geringere Übel)

Zu den Kosten kann ich nur soviel sagen, dass ich die zwei ersten Implantate in Regio 11 verloren habe. Deshalb musste noch ein drittes Mal implantiert werden. Wenn ich alles addiere, komme ich so an die 13.000 bis 15.000 € (geschätzt), ganz abgesehen von der investierten zeit für die Behandlungen, den unnötigen Operationen und dem ganzen Verwaltungskram.

Wenn du das machen lässt, dann kein bloß kein Risiko eingehen: zuerst Zahn ziehen lassen, das Granulationsgewebe (als Folge der Entzündungen/Zyste) muss restlos aus der Alveole entfernt werden. Einige Monate ausheilen lassen, in einem nächsten Schritt dann Implantation. Ob dann noch eine Knochentransplantation fällig ist, wird der Chirurg entscheiden.

Als Interimsprothese käme eine Valplastprothese oder Ähnliches in Frage (googlen)

Unter diesem Thread habe ich einige Fotos von meinem "11" eingefügt:
http://www.implantate.com/forum/diskussionsforum-zahnimplantate/probleme-mit-unterschiedlich-grossenlangen-kronen-2111-42637/view.html?tx_mmforum_pi1%5Bfid%5D=2
Ansonsten mal meine Posts googlen und nachlesen.

Alles Gute



gwittstock
Mitglied seit 30. 06. 2014
106 Beiträge

Hallo,

es handelt sich hierbei sicherlich um eine schwierige Ausgangssituation. Einerseits führt die Entzündung mit Fistelgang dazu, dass sich ein Knochendefekt ausgebildet hat (Entzündung führt zu Knochenabbau).
Zusätzlich führten die mehrfachen Wurzelspitzenresektionen noch zu einem weiteren Knochendefekt.

Aber diese Ausgangssituation ist nicht unbedingt eine Kontraindikation für ein Sofortimplantat. Entscheidend ist letztlich, wie viel eigener Knochen noch vorhanden ist und wie weit ausgedehnt der Knochendefekt ist. Die Entzündung selber kann sehr leicht nach Extraktion des Zahnes entfernt werden, indem das Entzündungsgewebe vollständig ausgeschält wird.
Wenn der Knochendefekt nur im Bereich der Wurzelspitze des Zahnes ausgedehnt ist, kann dieses Problem mit einem simultanen Knochenaufbau gelöst werden. Eine zusätzliche präoperative Antibiose sollte in jedem Fall durchgeführt werden.

Um all diese Fragen zu klären sollte auf jedenfall vor der Extraktion ein dreidimensionales Röntgenbild (DVT) angefertigt werden, nur so kann man eine verlässliche Aussage über die implantologische Behandlung getätigt werden. Häufig ist ein Sofortimplantat nach sorgfältiger Planung dennoch möglich.

Die Frage der provisorischen Versorgung haben Sie ja schon selber beantwortet. Eine einflügelige Marylandbrücke ist ein gute Variante. Eine Sofortversorgung des Implantats mit einer Krone würde ich nämlich auch nicht empfehlen.

Viele Grüße,

Dr. Gero Wittstock



Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
403 Beiträge

Es ist immer "möglich" ein Sofortimplantat zu setzen; das Risiko der Entzündung, des Implantatverlusts und der Schmerzen liegen beim Patienten. Es ist seine Gesundheit und sein Geld, was auf dem Spiel steht.

Ich würde nach meinen Erfahrungen an einer Stelle, wo es vorher eine problematische Entzündung mit Knochenverlust gegeben hat, nur nach vollständiger Ausheilung ein Implantat setzen lassen und zwar dreischrittig: zuerst Zahnextraktion, dann Ausheilung. Danach Knochentransplantation (kein Knochenersatzmaterial), denn die buccale Knochenwand im Frontzahnbereich sollte stabil sein. Knochenersatzmaterial ist ein Risiko, wenn der Knochenverlust schon zu groß ist. Davon muss bei der Vorgeschichte ausgegangen werden. Es wird über dem Implantat angebracht und mit einer Membran vom Weichteilgewebe abgegrenzt (sonst würde Weichteilgewebe in den Knochen hineinwuchern). Wenn die Umwandlung des Knochenersatzmaterials in humanen Knochen nicht gelingt, ist der Misserfolg LEIDER "schicksalhaft bedingt". Alles nur Sache der Formulierung und des Verkaufens von Risiken - auf den Rücken des Patienten. Erst danach würde ich mich an eine Implantation heranwagen (ich habe mehrere Implantate, mit denen ich total zufrieden bin - bin kein Implantat-Gegner!)

So Patient - entscheide dich! ;-)

Welcher Patient ist schon in der Lage, während des Eingriffs zu überprüfen, ob alles entzündliche Gewebe vollständig ausgeschabt wurde? Und wer kann schon sicher gehen, dass ein präoperatives Antibiotikum den Rest besorgt? Bei den vielen Resistenzen? Dass der Patient bereit ist dieses Risiko einzugehen, muss er vor dem Eingriff unterschreiben.

Bei einer Ausschabung blutet die Alveole ein. Wenn gleichzeitig ein Knochenaufbau mit Knochenersatzmaterial durchgeführt wird, dann kann das schöne Granulat weggeschwemmt werden. Zusammen mit dem Geld, dass der Patient dafür bezahlt hat. Das ist dann leider auch "schicksalhaft bedingt".



gwittstock
Mitglied seit 30. 06. 2014
106 Beiträge

Hallo,

wie ich bereits sagte, ist ein Sofortimplantat eben nicht "immer möglich". Es gibt bestimmte Bedingungen (vorhandener Restknochen, Konfiguration des Knochendefekts,...) die berücksichtigt werden müssen.
Sind diese Bedingungen erfüllt, kann ein Sofortimplantat gesetzt werden und eben nur dann. Es ist aber natürlich klar, dass eine Sofortimplantation eine etwas geringere Einheilwahrscheinlichkeit hat, als eine Spätimplantation. Bei der Spätimplantation ist der Knochen vollständig ausgeheilt und leider auch in der Regel deutlich zurückgegangen aufgrund mangelnder funktioneller Belastung.
Insofern ist auch die Spätimplantation ein zweischneidiges Schwert, weil hier häufig mit massivem Knochenaufbau [wie ja "Agnes" im vorherhigen Beitrag selber schrieb: "Danach Knochentransplantation (kein Knochenersatzmaterial),...], gearbeitet werden muss. Ein umfangreicher Knochenaufbau erhöht die Komplikationsrate und die postoperativen Beschwerden/Schmerzen auch.

Insofern ist es wie im echten Leben, man muss die Therapie auf den Patienten abstimmen. Es gibt Situationen da kann man eine Sofortimplantation durchführen und andere Situationen sind besser für eine Spätimplantation geeignet.

Daher lautet meine Empfehlung erneut (hier an "Ina B", nach gründlicher Untersuchung (und eben auch dreidimensionaler Röntgendiagnostik) die optimale Lösung zu finden. Das kann durchaus eine Sofortimplantation sein, da es auch unter Umständen in solch einer Bedingung möglich ist, wenn diese aber nicht gegeben sind, kann auch eine Spätimplantation sinnvoll sein. Nur ohne gründliche Diagnostik eine Sofortimplantation grundsätzlich auszuschließen, entbehrt jeglicher Grundlage.

Viele Grüße,

Dr. Gero Wittstock



Agnes
Mitglied seit 25. 10. 2008
403 Beiträge

Ich habe nach Verlust des zweiten Implantats in Regio 11 eine große Knochentransplantation bekommen, zwecks Kiefer- und Gaumenrekonstruktion, die mit Titanschrauben festgesetzt wurden. Ausheilungszeit: acht Monate. Kein bisschen Knochenabbau - ganz im Gegenteil.

Der MKG-Chirurg meinte sogar, dass acht Monate besser wären als sechs. In der Zeit habe ich nicht einmal eine Interimsprothese getragen, also die Knochenblöcke sind ohne Belastung eingeheilt. Von der Frontseite wird schon durch das Sprechen/Lachen einen gewissen Reiz mit den Lippen auf den Knochen ausgeübt - vorausgesetzt man hat nach Knochentransplantation noch etwas zu lachen;-)

M. E. ist der Knochenabbau nichts anderes als ein "Verkaufsargument", damit der Patient sich schnell entscheidet.

@ Ina B
alles Gute und ich hoffe für dich, dass du die richtige Entscheidung triffst.