Titanimplantate

Der ganz überwiegende Teil der heutzutage eingesetzten Implantate besteht aus hochreinem Titan (Grad 4), da es besonders gewebefreundlich (biokompatibel) ist und mit dem Knochen einen sicheren Verbund bildet (Osseointegration). Keramikimplantate haben sich als Alternative zu Titanimplantaten bisher nicht wesentlich auf dem Markt durchsetzen können.

Verschiedene Titanimplantat-Formen

Ideales Material für den Verbleib im Kieferknochen

Zahnimplantate werden hauptsächlich aus Titan gefertigt. Dafür gibt es gute Gründe:

  • ideale Gewerbeverträglichkeit für die Osseointegration
  • gute Stabilität
  • gute Verfügbarkeit in optimaler Qualität
  • exakt für perfekte Passungen zu verarbeiten
  • Oberfläche leicht modifizierbar (verbesserte Einheilung)
  • über Jahrzehnte bewährt und bestens dokumentiert

Modifikation für bessere Knocheneinheilung von Titanimplantaten

Titan lässt sich gut weiterverarbeiten. Für eine stabilere und schnellere Einheilung (Osseointegration) wird dafür die Implantatoberfläche angeraut (mikroraue Oberfläche), wobei hierfür sogar die Nanotechnologie genutzt wird. Ein weiterer Ansatz ist, die Knocheneinheilung durch Beschichtung der Titanimplantate mit körperverwandten Stoffen z.B.(Hydroxylapatit) zu verbessern.

Bei durchmesserreduzierten Implantaten (z.B. Mini-implantaten) nutzt man zur Erhöhung der Bruchstabilität auch Titanlegierungen mit Aluminium und Vanadium z.B.Ti-6Al-4V. Hier spricht man von Titan Grad 5. Ob sich hierdurch ein geringere Biokompatibilität ergibt, ist noch nicht abschließend geklärt.

Alle geeigneten Implantate erhalten dabei eine Zertifizierung der Gesundheitsbehörden als sichere Medizinprodukte (CE- oder FDA-Zulassung).

Passive Oxidschicht als Schlüssel zur Gewebeverträglichkeit

Die Eigenschaft des Titans, bei Kontakt mit Luft, Wasser und Körperflüssigkeiten sofort eine schützende, passive Oxidschicht auf der Oberfläche zu bilden, scheint der Mechanismus für die besonders gute Verträglichkeit zu sein. Die Reaktion des Körpers ist so natürlich, dass der Knochen direkt am Implantat anwächst und das Zahnimplantat als Teil des Körpers annimmt, was Branemark als Osseointegration beschrieb. Dieser Prozess scheint durch die von vielen Implantatherstellern durchgeführte Bearbeitung der Titanoberflächen zu leicht angerauter Struktur gefördert zu werden.

Geschichte des Titans zur Nr.1 für Zahnimplantate

Die Entwicklung der Zahnimplantate ist eng mit der Nutzung des Leichtmetalls Titan verknüpft. Erkenntnisse über diesen Werkstoff als ideales Material für den Einsatz im Knochen stammen aus den Fünfziger Jahren, als festgestellt wurde, dass es sich biologisch neutral verhält und keine allergischen oder Fremdkörperreaktionen auslöst.

Der Orthopäde Per-Ingvar Branemark beobachtete in den 50er Jahren, dass sich ein zu Versuchszwecken in Kaninchen eingebrachte Titanimplantat so eng mit dem Knochen verband, dass es nicht mehr zu entfernen war. Die Erkenntnisse dieser und weiterer Untersuchungen veranlassten ihn dazu, über den Einsatz von Titan in der Hüft- und Knieendoprothetik nachzudenken. Er erkannte aber, dass der Kieferknochen für Versuche und deren Kontrollen bzw. Dokumentation viel leichter zugänglich war und entschied sich für die zahnärztliche Implantologie als Einsatzgebiet für Titanimplantate. 1965 führte Branemark, zu diesem Zeitpunkt Anatomieprofessor an der Universität Göteborg, die erste Implantation mit einem Schraubenimplantat aus Titan bei einem Patienten namens Gösta Larsson durch.

Auch im Bereich der Orthopädie hat man mittlerweile jahrzehntelange positive Erfahrung mit Titan beim Einsatz für künstliche Hüft- und Kniegelenke.

Kosten von Titanimplantaten

Da ja die meisten Implantate aus Titan bestehen, gelten für Titanimplantate die typischen Kosten für Zahnimplantate. Hier gibt es vor allem Unterschiede bei den Materialkosten für das Implantat selbst, je nach Hersteller

  • Premiumimplantate namhafter Hersteller: ca. 230€ und mehr
  • Günstige Anbieter: unter 100€ je Implantat

Ein weiterer Kostenfaktor dürfte die Verwendung von einteiligen (günstiger) oder zweiteiligen Implantaten (teurer, aber flexibler) sein.

 

Literatur:
Branemark ,Zarb u. Albrektsson, Gewebeintegrierter Zahnersatz: Osseointegration in klinischer Zahnheilkunde, Quintessenz Berlin 4., Auflage 1990
Koeck u. Wagner, Praxis der Zahnheilkunde - Implantologie, Elsevier, München 2005
BDIZ EDI, Handbuch zum Implantatregister, basic.dent-Verlag 2007
Asbjorn Jokstad, Osseointegration and Dental Implants, John Wiley & Sons 2009

Letzte Aktualisierung am Freitag, 12. Mai 2017



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    Mehr zum Thema Festzuschuss der gesetzlichen Krankenkassen.


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