Wie viele Zahnimplantate braucht man?

Zahnimplantate dienen dem Ersatz von fehlenden Zähnen. Theoretisch ist es dabei möglich, jeden verloren gegangenen Zahn durch ein Implantat zu ersetzen. Das mag bei Verlust von einzelnen Zähnen sicher ein gutes Konzept sein, wäre im Fall einer kompletten Zahnlosigkeit aber nicht notwendig. Hier reichen selbst für eine festsitzende Brücke in der Regel eine Implantatzahl von 6-8 pro Kiefer aus, mehr Zahnimplantate erhöhen nur die Kosten, nicht die Sicherheit.

Festsitzend oder herausnehmbar? Günstig oder teuer?

Verschraubte Implantatkrone auf einem Implantat: festsitzend.

Für eine Zahnlücke mit einem fehlenden Zahn ist das leicht zu beantworten: eine Einzelzahnimplantat ist immer festsitzend. Bei nur wenigen fehlenden Zähnen, wird man auch eher zu einer festen Versorgung tendieren: Einzelzahnimplantate oder eine Brücke auf Implantaten oder eine Hybridbrücke (Implantat und Zahn gemeinsam). Bei vielen fehlenden Zähnen wird es schwieriger: sind die Restzähne stabil oder muss man mit Verlust und Änderungen rechnen? Dann ist eine herausnehmbare, erweiterbare Lösung vorteilhaft.
Es hängt aber nicht nur von der Gebiss-Situation ab, auch der
Geldbeutel spielt eine wesentlich Rolle. Eine Prothese auf 2 Implantaten ist nun mal wesentlich kostengünstiger als eine feste Brücke auf 6-8 Implantaten.

Welche Möglichkeiten für Zahnimplantate gibt es?

Voraussetzungen für eine Implantatbehandlung

 

Die Implantathersteller bieten für fast jede Situation eine passende Lösung an. Abutments für festen Zahnersatz (Kronen und Brücken) oder fertige Halte-Elemente wie Kugelkopfanker oder Locatoren für einen preisgünstigen Prothesenhalt.

Eine Altersbegrenzung besteht jedoch nicht!

Wie viele Implantate braucht man denn nun?

Um für die Einsatzmöglichkeiten eine bessere Übersicht zu erhalten, unterscheidet man verschiedene Zahnverlustmuster, für die es empfohlene Implantatlösungen und Implantatzahlen gibt.

Indikationsklassen und empfohlene Implantatanzahl

Eine Aufschlüsselung der Implanttattherapie nach Art des Zahnverlusts (wie viele Implantate in welcher Situation) liefert die Konsensuskonferenz Implantologie mit dem „Konsensuspapier“ der Verbände BDO, DGMKG, DGI und DGZI (letzte Anpassung 10/2014).*1

Klasse I Einzelzahnersatz und Schaltlücke:

Klasse Ia „Frontzähne“

  • Wenn bis zu vier Zähne der Oberkiefer-Front fehlen, die Nachbarzähne nicht behandlungsbedürftig sind:1 Implantat je fehlendem Zahn
  • Wenn bis zu vier Zähne der Unterkiefer-Front fehlen, die Nachbarzähne nicht behandlungsbedürftig sind:1 Implantat soll zwei fehlende Zähne ersetzen

Klasse Ib: "Seitenzähne":

Einzelzahnimplantat im Seitenzahnbereich (Zahn 14)

Fehlen im Seitenzahnbereich Zähne aus der geschlossenen Zahnreihe, soll bei nicht behandlungsbedürftigen Nachbarzähnen jeder fehlende Zahn durch ein Implantat ersetzt werden.

Klasse II Reduzierter Restzahnbestand:

Grundsatz: Bei der implantologischen Versorgung des reduzierten Restgebisses ist die Bezahnung des Gegenkiefers zu berücksichtigen. Darüber hinaus gelten die Regeln konventioneller Prothetik.

Indikationsklasse IIa "Lückengebiss":

Implantatbrücke zum Ersatz von 4 Zähnen (Zähne 12-22)
  • Für eine festsitzende Versorgung im Oberkiefer werden 8 Pfeiler benötigt, im Unterkiefer 6 Pfeiler. Natürliche Pfeilerzähne können angerechnet werden, wenn diese an statisch günstiger Position stehen und eine gute Prognose aufweisen.
  • Für eine herausnehmbare Versorgung im Oberkiefer werden 6 Pfeiler benötigt, im Unterkiefer 4 Pfeiler. Natürliche Pfeilerzähne können angerechnet werden, wenn diese an statisch günstiger Position stehen und eine gute Prognose aufweisen.

Indikationsklasse IIb „Freiendsituation“:

Freiende mit 2 Implantaten versorgt
  • Zähne 6 bis 8 fehlen: Indikation für 1-2 Implantate
  • Zähne 5 bis 8 fehlen: Indikation für 2-3 Implantate
  • Zähne 4 bis 8 fehlen: Indikation für 3 Implantate

Indikationsklasse III Zahnloser Kiefer

Stegprothese auf 4 Implantaten im Unterkiefer

Indikationsklasse IIIa Zahnloser Oberkiefer

  • Für die Verankerung eines festsitzenden Zahnersatzes im zahnlosen Oberkiefer: 8 Implantate
  • Für die Verankerung eines herausnehmbaren Zahnersatzes im zahnlosen Oberkiefer: 6 Implantate
Festsitzender Zahnersatz auf Implantaten im Oberkiefer
und Unterkiefer: teuer aber komfortabel.

Indikationsklasse IIIb Zahnloser Unterkiefer

  • Für die Verankerung eines festsitzenden Zahnersatzes im zahnlosen Unterkiefer: 6 Implantate
  • Für die Verankerung eines herausnehmbaren Zahnersatzes im zahnlosen Unterkiefer: 4 Implantate

Begründung der Konsensuskonferenz für die Indikationsklassen und Zahl der Implantate

Hier heißt es: ..."Die optimale Therapie des Zahnverlustes ist grundsätzlich der Ersatz jedes einzelnen Zahnes durch ein Implantat. Aus anatomischen Gründen ist der Zahn 8 eines Quadranten in der Regel nicht zu ersetzen. Die Notwendigkeit des Ersatzes des 7. Zahnes ist individuell kritisch zu würdigen.

Die optimale Therapie kann aus verschiedensten Gründen (insbesondere anatomischen, aber auch wirtschaftlichen) nicht immer durchgeführt werden. Um dem behandelnden Zahnarzt für den Normalfall eine Planungshilfe zu geben werden die nachfolgenden Empfehlungen für Regelfallversorgungen für die privatzahnärztliche Behandlung aufgestellt. Ausnahmeindikationen nach § 28 Abs. 2 Satz 9 SGB V werden hiervon nicht erfasst.

Die Konsensuskonferenz beschreibt die Indikationsklassen i.S. eines Goldstandards. Sie haben sich seit mehr als zwei Jahrzehnten bewährt. Abweichungen von diesem Standard in den Implantatzahlen sind nicht per se falsch. Es gibt eine Vielzahl von Gründen, aus denen sich ein Patient eine höherwertigere implantatgetragene Versorgung nicht leisten will oder umgekehrt eine Pfeilervermehrung gegenüber der Standardzahl medizinisch notwendig ist.

Es gibt abweichende Versorgungsformen als Behandlungskompromisse im Einzelfall mit anderen als den nachstehend für den Regelfall vermerkten Implantatzahlen, insbesondere um das vorhandene Kieferknochenangebot vermehrende chirurgische Eingriffe zu vermeiden (z.B. kurze Implantate, angulierte Implantate, durchmesserreduzierte Implantate)."

Doch nur 4 Implantate nötig?

Es gibt sogar Konzepte für den zahnlosen Kiefer, die festsitzenden Zahnersatz auf lediglich 4 Implantaten erfolgreich umsetzen (All-on-4-Konzept®, fast and fixed®), das ist nach dem heutigen Erfahrungsstand die absolute Mindestanzahl von Implantaten für festen Zahnersatz.
Für das Fixieren von herausnehmbaren Zahnersatz ist die Mindestzahl 2 Implantate, typischerweise werden 4 eingesetzt.


Literatur:
Malo P, de Araújo Nobre M, Lopes A, Moss SM, Molina GJ., A longitudinal study of the survival of All-on-4 implants in the mandible with up to 10 years of follow-up, J Am Dent Assoc. 2011 Mar;142(3):310-20.
Konsensuskonferenz: Neubeschreibung der Indikationsklassen in der Implantologie

Letzte Aktualisierung am Dienstag, 16. Mai 2017



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