Implantatbrüche

Implantatbrüche gehören zu den seltenen Spätkomplikationen, die besonders relevant sind, da sie unweigerlich zur Funktionslosigkeit des Implantats führen und damit ihre Entfernung notwendig machen. Nicht zu verwechseln mit der Implantatfraktur sind Brüche der aufgesetzten Strukturen, hier sei insbesondere der Implantat-Schraubenbruch genannt.

Bei Brüchen des Implantatkörpers handelt es sich in der Regel um Ermüdungsbrüche, d.h. dass die langfristige Belastung der Implantate zu einer Schwächung (Ermüdung) des Implantats geführt hat. Titan Grad 4, was am häufigsten bei Implantaten zum Einsatz kommt ist ein sehr, hartes und sprödes Metall, was unter bestimmten Belastungen Ermüdungserscheinungen zeigen kann. Besonders bruchgefährdet sind dünne (durchmesserreduzierte), zusammengesetzte (zweiteilige) Implantate mit Knochenabbau (Periimplantitis) und ungünstiger Belastung durch den aufgesetzten Zahnersatz. Um die Bruchfestigkeit von Titanimplantaten zu verbessern, werden Titanlegierungen (z.B. TiAV) verwendet, die aber Nachteile bei der Biokompatibilität haben können. Überlastungen führen übrigens viel seltener zu Implantatbrüchen als zu Lockerungen der Schraubverbindung oder Bruch der Innenschrauben.

Ungünstige Belastung mit Zahnersatz

Ein unbelastetes Implantat wird nicht abbrechen. Die Belastung durch den aufgesetzten Zahnersatz unterliegt ganz normalen physikalischen Regeln.

Natürlich ist die Belastung des Zahnersatzes insgesamt entscheidend. Die Krafteinleitung ist z.B. im Seitenzahn wesentlich höher als im Frontzahnbereich. Ein schwerer Knirscher setzt die Strukturen fast unplanbar hohen Belastungen aus. Das trifft besonders unverblockte Versorgungen, wie Einzelkronen auf Implantaten oder herausnehmbare Strukturen auf Locatoren oder Kugelkopfankern. Primär verblockter Zahnersatz wie z.B. Stegversorgungen kann die Last besser auf alle Pfeiler verteilen.Auch die Konstruktion selber ist entscheidend. Je länger der Hebelweg, also je höher der Aufbau, desto höher ist auch die Belastung für das Implantat. Schräge, exzentrische Belastungen sorgen dabei an bestimmten Implantatpunkten für höhere Spitzenbelastungen als axial (in Implantat-Aufbau-Richtung) einwirkende Kräfte. Überhängende Brücken oder auch Stege (Freiendbrücken, Cantilever) können die Belastung ganz besonders erhöhen. Da die prothetische Belastung/Überlastung letztendlich der entscheidende Faktor für Implantatbrüche darstellt, sind die nachfolgenden Punkte Kofaktoren, die das Risiko für einen Bruch erhöhen.

Zweiteilige Implantate

Zusammengesetzte (zweiteilige) Implantate sind die bei weitem am häufigsten verwendeten Implantattypen. Sie bestehen aus dem Implantatkörper, der im Knochen verankert ist und einer Innenverbindung, meist einem Schraubengewinde, mit dem ein Abutment (Aufbau) in das Implantat eingeschraubt werden kann, was dadurch erst seine Funktion erhält. Dieses Innengewinde reduziert aber im Halsbereich die Implantatwand, was bei dünnen, durchmesserreduzierten (unterhalb von 4mm Gesamtdurchmesser) Implantaten zu einer belastungsrelevanten Schwächung führen kann. Viele Hersteller verweigern daher die Freigabe für die Anwendung durchmesserreduzierter, zweiteiliger Implantate im stärker belasteten Seitenzahnbereich. Solche Verwendungen nehmen bei der Statistik von Implantatbrüchen auch einen hohen Anteil ein.
Einteilige Implantate haben diesen Schwachpunkt naturgemäß nicht, aber auch sie sind bei Unterschreitung eines gewissen Durchmessers bruchgefährdet.

Knochenabbau um Implantate

Durch einen Knochenabbau um Implantate (durch Periimplantitis) verändert sich das Hebelverhältnis zwischen im Knochen verankertem Implantat und Zahnersatz-Aufbau zu ungunsten des Implantats. Hinzu kommt noch, dass viele Implantattypen im Halsbereich (erwartete Hebelbelastung) eine Verstärkung haben. Durch den Knochenabbau wird die Belastung aber in den unterhalb des Halses gelegenen, nicht verstärkten Implantatkörper verlegt, was das Frakturrisiko weiter erhöht.

Konstruktions- und Produktionsfehler

Nicht optimal konstruierte Implantate können eine Rolle spielen, wenn die Belastung die Widerstandsfähigkeit des Materials übersteigt. Auch Materialfehler selbst gehören zu den Ursachen von Implantatbrüchen. Da bei der Fertigung der Implantate ablative Verfahren, d.h. materialabtragende Massnahmen (Säuren, Strahlungen mit Partikeln) zur Optimierung der Implantatoberfläche zum Einsatz kommen, können Mikroschwachpunkte auf der Oberfläche entstehen, die sich zu einer Sollbruchstelle im Laufe der Belastung auswachsen können. Solche Ursachen sind aber extrem schwierig zu belegen.
Gemachte Erfahrungen fließen natürlich in das Implantatdesign und in Fertigungsabläufe ein, und Probleme mit Implantatbrüchen durch ungünstiges Design älterer Implantatformen (nach damaligen Erkenntnissen gefertigt), werden sicherlich weniger werden.

Korrosion

Implantate sind der chemisch aktiven Flüssigkeit der Mundhöhle ausgesetzt. Auch wenn wir hier nicht von einer besonders aggressiven oxidativen Zusammensetzungen des Speichels sprechen, ist die Verweildauer über Jahre bzw. Jahrzehnte ein Faktor, der zur Schwächung der Implantatstruktur durchaus beiträgt.

Iatrogene Implantatfraktur (Implantatbruch durch den Behandler)

Immer wieder gibt es Berichte, in denen ein Implantatbruch während der Implantation beschrieben wird. Die Ursachen sind ausnahmslos Behandlungsfehler, bei denen die Implantatbettaufbereitung (Vorbohren) nicht genügend erfolgt ist und trotzdem versucht wurde, das Implantat mit erhöhter Kraft in den Knochen einzudrehen. Da moderne Implantate mit Einbringpfosten / Einbringhilfen eingebracht werden, die bei Überschreitung der Eindrehkraft (Drehmoment) vorher abbrechen, werden Implantatbrüche in dieser Form immer seltener. Ein gewisses Risiko besteht noch bei dünnen, einteiligen Implantaten und zweiteiligen Keramikimplantaten.

Therapie des Implantatbruchs

Durch die Fraktur wird das Implantat funktionslos, d.h. eine Verwendung für die Befestigung von Zahnersatz ist nicht mehr möglich. Wenn die Entfernung operativ schwierig ist und / oder eine Re-Implantation an gleicher Stelle nicht geplant ist, kann ein Belassen des Fragments diskutiert werden. In allen anderen Fällen ist die Entfernung zu empfehlen oder notwendig.

Literatur
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Manzoor B, Suleiman M, Palmer RM., Die Auswirkungen von simuliertem Knochenverlust auf die Implantat-Abutment-Einheit und die Wahrscheinlichkeit von Brüchen: eine in vitro Studie, Int J Oral Implants Maxillofac. 2013 Mai-Jun; 28 (3) :729-38. doi: 10.11607/jomi.2819.

Letzte Aktualisierung am Montag, 16. November 2015