Probleme mit Zahnimplantaten und ihre Lösungen

Zahnimplantate zählen zwar statistisch zu den erfolgreichsten Behandlungen. Aber jährlich werden in Deutschland ca. 1 Millionen  Implantate gesetzt, was bei einer statistischen Haltbarkeit von über 90% nach 10 Jahren zu einer gigantischen Implantazahl in den Patientenmündern führt. Wenn man bedenkt, dass nirgendwo in unserem Körper  so hohe Belastungen wie beim Kauen auftreten, und nirgendwo sich so viele -potentiell schädigende- Bakterien wie in unserer Mundhöhle tummeln, sind Probleme mit Implantaten vorprogrammiert.

Man unterscheidet dabei:

  • Biologische Probleme (Periimplantitis, Unverträglichkeit)

  • Mechanische Probleme (Brüche, Lockerungen)

  • Ästhetische Probleme (Verfärbungen, zurückweichendes Zahnfleisch)

Entzündungen am Implantat: Periimplantitis

Entzündung am Zahnimplantat: bedeutendstes Implantat-Problem

Das schwerwiegendste Problem in der Implantologie ist die Entzündung eines Implantats, genauer genommen, des Zahnfleischs (Mucositis) und des Knochens um ein Implantat: die Periimplantitis. Bei den Zähnen gibt es eine vergleichbare Erkrankung - die Parodontitis. Die hohe Verweildauer von Implantaten führt auch dazu, dass eine Periimplantitis immer häufiger in der zahnärztlichen Praxis auftauchen wird.

Aufgrund ihrer Bedeutung haben wir ein eigenes Kapitel über die Periimplantitis erstellt.

Titanallergie und Titanunverträglichkeit

Immer wieder gibt es Berichte über Probleme mit dem Titanimplantaten. Eine Allergie auf Titan wird von vielen Wissenschaftlern verneint und tatsächlich scheint eine Titanallergie ein allenfalls extrem seltenes Phänomen zu sein. Bedeutsamer ist sicherlich eine Titanunverträglichkeit, die bei einigen Menschen über eine Reaktion von Zellen mit Titanabrieb in Gang gesetzt wird. Eine Unverträglichkeit gegen Titan äußert sich dabei nur selten mit gut erkennbaren Entzündungszeichen am Implantat. Viel häufiger sind unklare Allgemeinbeschwerden, was die Diagnose erschwert. Nur über spezielle Bluttests kann man einer Unverträglichkeit auf die Spur kommen. Bei gesicherter Diagnose ist die Implantatentfernung wahrscheinlich kaum zu umgehen. Eine Alternative wären Keramikimplantate.

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Schäden am Implantat durch Belastung

Bei idealer Kombination von optimaler Implantatstabilität, perfektem Zahnersatz und günstiger Belastung können Implantate durchaus ohne weitere Maßnahmen ein langes Leben haben. Bei kontinuierlicher Belastung erhöht sich aber das Risiko von klassischem Verschleiß und Materialermüdung. Wenn auch leicht behebbare Lockerungen von Verschraubungen am häufigsten auftreten, können Brüche von Aufbaukomponenten teuer werden. Wenn Implantate brechen, sind sie immer funktionslos und sollten entfernt werden. Weitergehende Informationen gibt es in den eigenen Kapiteln:

Ästhetische Probleme bei Zahnimplantaten

Wenn sich das Zahnfleisch um eine Implantat mit der Zeit zurückzieht, kann das bei einer hohen Lachlinie ästhetisch verheerend sein. Ursache kann eine mehr oder weniger behandelbare Periimplantitis sein. Häufig ist es aber auch ein Zahnfleischrückgang, der sich langsam über die Jahre entwickelt. Über den Austausch des Abutments und Neuanfertigung der Krone lässt sich manchmal eine optische Verbesserung erzielen. Auch ein Bindegewebstransplantat kann ästhetisch hilfreich sein, da es den Zahnfleischmangel am Implantat korrigieren kann.

Falsche Positionierung des Implantats

Wenn das Implantat nicht an der idealen Stelle platziert wurde, um einen perfekten Zahnverlauf zu ermöglichen, kann ein exzellenter Zahntechniker die Situation manchmal retten. Bei hohen Ansprüchen ist aber eine Entfernung des Implantats mit nachfolgender Neuplatzierung zu diskutieren.

Literatur

Melvyn S. Schwarz, Mechanical complications of dental implants, Clinical Oral Implants Research Volume 11, Issue Supplement s1, pages 156-158, September 2000
Hemant Kumar Gupta, Amit Garg, Navjot Kaur Bedi; Peri-Implantitis: A Risk Factor In Implant Failure; Journal of Clinical and Diagnostic Research. 2011 Feb, Vol-5(1):138-141
Bilhan H1, Bural C, Geckili O., Titanium hypersensitivity. A hidden threat for dental implant patients? N Y State Dent J. 2013 Jun-Jul;79(4):38-43.