Sinuslift-externe und interne Sinusbodenelevation

Der Sinuslift, oder auch Sinusbodenelevation genannt, stellt eine Sonderform des vertikalen Knochenaufbaus im Oberkiefer-Seitenzahnbereich dar, der im Zusammenhang mit Implantatbehandlungen angewendet wird.
Die Kieferhöhle (Sinus maxillaris) dient als Luftraum der "Leichtbauweise" unseres Kopfes, erzielt unsere Aufmerksamkeit meist aber nur im Falle einer Entzündung (Sinusitis). Sie nimmt naturgemäss einen erheblichen Raum im Bereich des seitlichen Oberkiefers ein. Nach Zahnverlust der hinteren oberen Backenzähne (Zähne 5-7) beträgt die verbleibende Knochenhöhe durch Knochenabbau unter dieser Kieferhöhle häufig nur wenige Millimeter, so dass ein ausreichend langes Implantat nicht direkt eingesetzt werden kann. Beim Sinuslift wird Knochenersatzmaterial oder Eigenknochen unterhalb der Kieferhöhle eingebracht. So wird an Knochenhöhe gewonnen und die Kieferhöhle verkleinert. Für diese Sinusbodenaugmenation gibt es 2 Verfahren, den externen und internen Sinuslift.

Beide Techniken nutzen die dabei die gleichen anatomischen Voraussetzungen der Kieferhöhle. Der Luftraum Kieferhöhle ist mit einer Kombination aus Schleimhaut und Knochenhaut bedeckt, der sogenannten Schneiderschen Membran, vergleichbar mit der Innenhaut bei einem Ei. Sie schützt u.a. den Knochen, produziert Schleim und transportiert ihn auch Richtung Nase ab. Der Raum zwischen Schneider-Membran und Knochen ist das Ziel der Knochenaufbaus. Dafür muss die Membran vorsichtig vom Knochen gelöst werden:

Externer Sinuslift

Der äußere oder große Sinuslift ist das aufwendigere Verfahren, was immer dann zum Zuge kommt, wenn die Restknochenhöhe gering ist und man mehrere Millimeter an Knochenhöhe gewinnen muss.

Querschnitt durch Knochen/Kieferkamm und Kieferhöhle,
links außen die Wange. Zu geringes Knochenangebot
unterhalb der Kieferhöhle.

Der äußere oder große Sinuslift ist das aufwendigere Verfahren, was immer dann zum Zuge kommt, wenn die Restknochenhöhe gering ist und man mehrere Millimeter an Knochenhöhe gewinnen muss. Man gelangt an die Kieferhöhle über ein Knochenfenster. Dafür wird nach Eröffnung des Zahnfleisch/der Mundschleimhaut die Kieferhöhlenwand freigelegt. Das ist unter lokaler Betäubung völlig schmerzfrei. Das Knochenfenster wird mittels feiner Fräsen oder Ultraschallinstrumente präpariert, bis das man auf die Schneidersche Membran trifft. Nachdem man die Membran von der Kieferhöhlenwand mit Spezialinstrumenten nach unten hin abgelöst hat, ohne sie zu verletzen, kann wie über einen Briefkastenschlitz nun Knochen(ersatz)material zwischen Schleimhaut und Knochen eingebracht werden.

Durch einen externen Sinuslift mit Knochenaufbau
unterhalb der Kieferhöhle konnte ein Implantat eingebracht werden.

 

Einzeitiges oder zweizeitiges Vorgehen

Man unterscheidet beim externen Sinuslift ein einzeitiges Vorgehen, bei der die Implantation gleichzeitig mit der Sinusbodenaugmentation erfolgt und ein zweizeitiges Vorgehen, bei der die Implantatversorgung erst nach Festigung des Knochens durchgeführt wird. Dies ist meist in von der vorhandenen Restknochenhöhe abhängig, da für ein einzeitiges Vorgehen das Implantat stabil eingeschraubt werden muss, was bei einem Eigenknochen von weniger als 3 mm kaum möglich ist.

Der interne Sinuslift

Die "kleine" Sinusbodenaugmentation erfolgt über das Bohrloch für das einzubringende Implantat. Das Konzept ist hier soweit zu Bohren, bis nur eine dünne Lamelle zur Kieferhöhle übrig bleibt. Diese kann man mit einem speziellen Instrument (Stössel) und einem kleinen Hammer vorsichtig zur Kieferhöhle hoch drücken, quasi wie ein Maulwurfshügel, ohne die Schneidersche Membran zu verletzen. Mittlerweile gibt es hier ausgefeilte Techniken, die mithilfe von Sinuslift-Ballons einen Raum zwischen Knochen und Schleimhaut schaffen. Der interne Sinuslift ist ebenfalls anspruchsvoll. Er benötig Geduld und Fingerspitzengefühl bei der Annäherung an den Boden der Kieferhöhle, die Sicht ist mitunter sehr eingeschränkt.


Risiken der Sinusbodenelevation

Durch die Verletzungsgefahr der Schneider-Membran beim externen und interenen Sinuslift besteht das Risiko der Kieferhöhleneröffnung mit Materialabwanderung und/oder Einbluten in die Kieferhöhle. Wird eine solche Eröffnung während des Eingriffs entdeckt, kann im günstigsten Fall eine Naht der Membran erfolgen. Häufig muss der Knochenaufbau aber erfolglos abgebrochen werden.
Bleibt die Perforation unentdeckt oder entsteht sie sekundär/später, dann wandert das Augmentatmaterial in die Kieferhöhle ab und sorgt dort für chronische Entzündungen/Infektionen. Eine Entfernung der Fremdkörper aus der Kieferhöhle ist dann sehr aufwendig.

Alternativen zur Sinusbodenaugmentation

Der Wunsch nach festsitzendem Zahnersatz ohne den chirurgisch anspruchsvolle Sinuslift und seine Risiken in Kauf zu nehmen, hat die moderne Zahnheilkunde nach möglichen Alternativen forschen und durchaus fündig werden lassen.

 

  • Kurze Implantate: mittlerweile gelten Implantatlängen von 6mm schon als prognostisch gut
  • andere Implantatposition: weiter hinten am Tuber möglich?
  • All-on-4® (kommt nur bei kompletter Zahnlosikeit infrage, nicht bei ein- oder beidseitiger Freiendsituation)
  • Verkürzte Zahnreihe: Verzicht auf Backenzähne
  • herausnehmbarer Zahnersatz

 

Kosten für einen Sinuslift

In die neue Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ 2012) wurde für die Sinusbodenaugmenation exakte Gebührenpositionen aufgenommen, um dem Hickhack um Analogpositionen ein Ende zu setzen.

Sinuslift (intern, vom Kieferkamm aus)

Gebührenposition der neuen GOZ 2012: 9110, evtl. OP-Zuschlag 0530

Gesamtkosten ca. 300-500€

Honorar für Behandler:195-295€

  1. OP-Zuschlag bei alleiniger Leistung: 123,73€ (entfällt meist, da auch Implantateinbringung)
    evtl. Knochengewinnung aus anderer Region: 50-80€
  2. Material:

Sinuslift (externe Knochenfensterung/offen/groß)

Gebührenposition der neuen GOZ 2012: 9120, evtl. OP-Zuschlag 0530

Gesamtkosten ca. 600-1100€ je Region

  1. Honorar für den Behandler: 390-590€,
    ambulanter OP-Zuschlag bei alleiniger Leistung: 123,73€ (entfällt bei gleichzeitiger Implantation)
    evtl. Knochengewinnung aus anderer Region: 50-80€
  2. Material:

    • Preis für Membran: 60-150€
    • Preis für Knochenfilter (zur Knochengewinnung): 25-40€
    • Preis für Knochenersatzmaterial: 50-250€
    • OP-Verbrauchsmaterialien ca. 15-35€

Keine Kieferkammerhöhung durch den Sinuslift
Ein Knochenaufbau bei Verlust der Knochenhöhe wird an jedem anderen Kieferabschnitt durch Auflagerung z.B. mit einem Kochenblock oder die Distraktionsosteogenese mit dem Ergebnis der absoluten Kieferkammerhöhung durchgeführt. Beim Sinuslift dagegen wird die Augmentation durch Einlagerung von Knochen bzw. Knochenaufbaumaterial in den Kieferhöhlenboden erreicht. Der Sinusboden wird angehoben ("Sinuslift"), eine absolute Erhöhung des Kieferkammserfolgt nicht. Der Abstand zwischen den Kieferkämmen des Ober- und Unterkiefers wird nicht verändert.

 

Literatur:
Wallace SS, Einfluß des Sinuslifts auf die Haltbarkeit von Implantaten. Eine systematische Übersicht, Ann Periodontol. 2003 Dec;8(1):328-43.Esposito M, Grusovin MG, Coulthard P, Worthington HV. Die Wirksamkeit verschiedener Verfahren zur Knochenaugmentation in der dentalen Implantologie, Int J Oral Maxillofac Implants. 2006 Sep-Oct;21(5):696-710

Esposito M, Grusovin MG, Rees J, Karasoulos D, Felice P, Alissa R, Worthington H, Coulthard P., Eingriffe zum Ersatz fehlender Zähne: Maßnahmen zum Aufbau des Sinus maxillaris, Cochrane Database Syst Rev. 2010
Literatursammlung Sinuslift auf implantate.com
Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) 2012

 

 

 

 

Letzte Aktualisierung am Mittwoch, 18. Oktober 2017
     



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