Einheilung der Implantate

Wenn auch viel über Sofortimplantate und Sofortbelastung in der Implantologie geredet wird, ist die Osseointegration der entscheidende Faktor für die dauerhafte Stabilität und Belastbarkeit eines Implantats. Vergleichbar mit der Geschwindigkeit für Knochenbruchheiung wird für die Einheilung selbst mit modernsten Oberflächen im Idealfall 4 Wochen, nach Knochenaufbau auch mal 9 Nonate anzuetzen sein. Ein kritische Zeit ergibt sich nach etwa 10 Tagen, wenn die Primärstabilität (die für eine Sofortbelastung genutzt wird) in die Sekundärstabilität übergeht. Dabei wird der dem Implantat anliegende Knochen aufgelöst und in neuen, das Implantat aktiv verankernden Knochen umgebaut: die Osseointegration.

Geschlossene oder offene Einheilung?

Wenn das Zahnfleisch nach dem Einsetzen der Implantate wieder über den Implantaten vernäht wurde, spricht man von einer geschlossenen Einheilung. Wenn direkt ein Zahnfleischformer in das Implantat eingeschraubt wurde, der sichtbar bleibt, spricht man von offener Einheilung. Bei der geschlossenen Einheilung kann das Implantat von äußeren Einflüssen geschützt in Ruhe einheilen. Bei der offenen Einheilung erspart man sich die Freilegung der Implantate. Nach Abschluss der Einheilphase kann ohne weiteren operativen Eingriff direkt ein Abdruck genommen werden.
Beide Verfahren haben bei unkomplizierten Fällen (ohne Knochenaufbau) die gleichen Erfolgsraten. Es kann passieren, dass sich das Zahnfleisch bei der geschlossenen Einheilung über den Implantaten wieder ein wenig öffnet, so dass man die Verschlussschrauben sehen kann. Dieses ist – wenn kein Knochenaufbau gemacht wurde – völlig harmlos. Dieser Bereich sollte allerdings gut mit der Zahnbürste gepflegt werden, in vielen Fällen empfiehlt sich dann der Wechsel auf einen Gingivaformer.

 
Die Einheilzeit beginnt mit dem Einbringen
und dem Wundverschluss
 

Die Wartezeiten für die Implantateinheilung

War genügend Knochen vorhanden und eine unkomplizierte Implantation möglich, dann reicht mit den modernen Implantatsystemen eine Einheilphase von etwa 6–12 Wochen aus, um eine genügende Implantatstabilität für das Tragen von Zahnersatz zu erreichen. Zurzeit wird von Herstellerseite immer mehr versucht, durch optimierte Implantatoberflächen diese Einheilzeiten noch zu verkürzen.
Mit Röntgenbildern und Festigkeitstest (z.B. Periotest, Resonanz-Frequenz-Analyse) kann man dann recht gut eine diagnostische Sicherheit bezüglich der Einheilung erhalten und - bei guten Werten- die weiteren Schritte bei der Versorgung mit Zahnersatz angehen.

Stegversorgung: sofortige Belastung gut dokumentiert
Stegversorgung:
sofortige Belastung
gut dokumentiert


Bei Zahnlosigkeit im Unterkiefer, die mit vier Implantaten und einer Stegverbindung versorgt wird, ist unter Umständen sogar eine sofortige Belastung (und damit direkte prothetische Versorgung!) möglich, da durch die gemeinsame Verblockung eine für die Einheilung günstige Schienung der Implantate erzielt wird.

Im Bestreben, die Behandlungszeiten immer weiter zu verkürzen, finden Sofortbelastung bzw.Sofortversorgung auch mehr und mehr Anwendung bei anderen Implantatindikationen. Bei sehr guter Primärstabilität der Implantate scheinen sie auch bei verblockten Brücken über mehrere Implantate sowie Einzelzahnimplantaten im Frontzahnbereich gut zu funktionieren. Es bleibt dennoch ein erhöhtes Risiko eines Implantatverlusts, das man gut abwägen sollte. Keinesfalls sind sofortbelastete Implantate auch sofort fest eingeheilt. Die tatsächliche Osseointegration dauert hier genau so lange, wie bei unbelasteten Implantaten. Durch die hohe Primärstabilität kann aber eine Festigkeit im Knochen erzielt werden, die ohne Stabilitätsverlust in die Sekundärstabiliät (durch Einheilung) übergeht.

Im schwachen Knochen oder nach dem Aufbau von Knochen kann die Einheilphase dagegen 6–9 Monate dauern. In einigen Fällen ist eine Implantation erst möglich, nachdem ein Knochenaufbau durchgeführt wurde (4–9 Monate Einheilzeit des Knochens). Auch haben Implantatdesign und Implantatoberflächen Einfluß auf die Einheilung. Die Tendenz geht seit Jahren in Richtung Optimierung aktiver Implantatoberflächen mit Einheilzeiten von nur noch wenigen Wochen.


implantate.com-Fazit

Trotz des Wunsches von Patient und Behandler eine schneller Behandlungszeit bei Implantaten zu erreichen, bleibt die Osseointegration ein biologischer Prozess, der sich nicht beliebig verkürzen lässt.

 

Literatur:
Weber, H.P. u. Mönkmeyer, U.R., Implantatprothetische Therapiekonzepte, Quintessenz, Berlin (1999)
Renouard, Bo Rangert, Risikofaktoren in der Implantologie. Klinische Diagnostik, Entscheidungsfindung und Therapie, Quintessenz, Berlin 2006
M, Grusovin M, Martinis E, Coulthard P, Worthington H.
Methoden zum Ersatz fehlender Zähne: einzeitige gegen zweizeitige Implantateinbringung, Cochrane Database Syst Rev. 2007 Jul 18;(3):CD006698
Esposito M, Grusovin MG, Willings M, Coulthard P, Worthington HV
Die Auswirkung einer sofortigen, frühen und konventionellen Belastung von Zahnimplantaten. Eine systematische Cochrane-Übersicht randomisierter, kontrollierter, klinischer Studien.. Int J Oral Maxillofac Implants. 2007 Nov-Dec;22(6):893-904
Jokstad,A., Osseointegration and Dental Implants, John Wiley & Sons 2009

Letzte Aktualisierung am Samstag, 14. Mai 2016



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