Wissenschaftliche Kurzinformationen aus der Implantologie

Der Einfluss eines künstlichen Mundhöhlenmilieus auf das Ermüdungsverhalten von Zahnimplantaten


Shemtov-Yona K, Rittel D, Levin L, Machtei EE.
Medizinische Fakultät, Technion, Israel Institute of Technology, Haifa, Israel.
Clin Oral Implants Res. 2012 Dec 20. doi: 10.1111/clr.12084. [Epub ahead of print]


ZIEL:
Das Ziel dieser Studie war es, den Einfluss einer der Mundhöhle nachempfundenen flüssigen Umgebung auf das Ermüdungsverhalten von Standard-Durchmesser-3,75-mm-Implantate zu testen. Zahnimplantatel werden ständig Kaubelastung im feuchten Milieu der Mundhöhle ausgesetzt, das sich wesentlich von den Standard-Laborbedingungen mit klimatisierter Raumluft unterscheidet. Mehrere Studien, die die Bruchkanten von frakturierten Implantaten untersuchten, konnten zeigen, dass Korrosion als wesentlicher Faktor bei der Entstehung von Ermüdungsbrüchen gewertet werden muss. Dennoch wurde das Ermüdungsverhalten von Zahnimplantaten im wesentlichen unter Raumluft-Bedingungen untersucht, basierend auf der Prämisse, dass das Implantatmaterial relativ widerstandsfähig gegenüber Korrosion in der intraoralen Umgebung sei.

MATERIAL UND METHODEN:
Zweinundreißig 3,75-mm-Implantate wurden unter zyklischer Druckbelastung getestet. Die Tests wurden in künstlichem Speichelersatz als Medium mit 250 ppm Fluorid durchgeführt. Die Belastungsmaschinerie stellte sich ab, wenn das Implantat zusammenbrach oder wenn 5 Millionen Zyklen ohne offensichtliche Ermüdung abgeschlossen wurden. Als Kurve zur Berechnung der biomechanischen Ermüdungsanalyse (SN-Kurve) wurde Last gegen Anzahl der Zyklen eingetragen. Die erzeugten SN-Kurve für den Test in künstlichen Speichel wurde mit der der vorhergehenden SN-Kurve für den gleichen Test mit Implantate in einer Raumluft-Umgebung verglichen. Die Schadensanalyse erfolgte mittels Rasterelektronenmikroskopie (SEM).

ERGEBNISSE:
Ein Vergleich der SN-Kurven in künstlichem Speichel und in Raumluft zeigten einen erheblichen Unterschied. Die SN-Kurven mit künstlichen Speichel als Medium zeigten alle eine endliche Lebensdauer nach Belastungen zwischen 535N und 800N. Der Übergangsbereich lag bei unter 465N, mit einer Überlebenswahrscheinlichkeit von 50%. In der Raumluft lag der Übergangsbereich dagegen zwischen 810N und 620N, und unterhalb von 620N keine Ermüdungsbruchrisiko.

FAZIT:
Die Ergebnisse dieser Studie belegen, dass die Umgebungsbedingungen Implantate bezüglich ihres Ermüdungsverhaltens erheblich beeinflussen. Diese Tatsache sollte bei der Beurteilung der mechanischen Eigenschaften von Zahnimplantaten berücksichtigt werden.

Letzte Aktualisierung am Montag, 11. Februar 2013