Welcher Zahnersatz ist der beste bei Parodontose?

Im Erwachsenenalter ist die Parodontitis (Parodontose) Hauptursache für Zahnverlust. Auch die noch vorhanden Zähne sind meist vom Knochenabbau betroffen und ihrer Belastbarkeit möglicherweise eingeschränkt. Eine weitere Verschlechterung ist trotz abgeschlossener Behandlung der Parodontose im Lauf der Zeit nicht auszuschließen. Für die Planung des Zahnersatzes muss all das unbedingt berücksichtigt werden.

Ist herausnehmbarer oder festsitzender Zahnersatz besser?

Es kommt unter anderem darauf an, wie viele Zähne ersetzt werden müssen. Bei nur einem verlorenen Zahn käme eine festsitzende Zahnbrücke infrage, für die man aber stabile Pfeilerzähne benötigt.

Die Regel lautet: Festsitzender Zahnersatz nur auf feste Pfeiler!

Alternativ wäre ein Zahnimplantat als feste Lösung zu bedenken. Je mehr Zähne verloren gegangen sind, desto eher wird man einen herausnehmbaren Zahnersatz wählen müssen. Auf was kommt es also an?

  • Zahl und Verteilung der zu ersetzenden Zähne
  • Stabilität und Prognose möglicher Pfeilerzähne
  • Voraussetzungen für Implantate gut?
  • Finanzielle Möglichkeiten

Die Parodontose stellt demnach viele Forderungen. Welche Optionen hat man?

1. Vollständig Zahn-getragener Zahnersatz

Eine festsitzende Brücke ist ästhetisch-funktionell sehr gut, benötigt aber stabile Zähne.

2. Zahnersatz nur auf Implantaten

  • als einzelne Implantate (Zähne werden 1:1 ersetzt)
  • Brücken auf Zahnimplantaten (größere Lücken, auch bei Zahnlosigkeit)
  • zur Fixierung von Prothesen (Kugelkopfanker, Locatoren®, Teleskope, Stege etc.)
Eine Implantat-Brücke ist für den Ersatz ab 3 Zähnen geeignet.

3. Hybrid-Versorgungen, auf Implantat und Zahn gemeinsam abgestützt

  • festsitzend (Hybridbrücke)
  • herausnehmbar (kombiniert z.B. Teleskope oder Locatoren®)

Auf wackeligen Zähnen keine feste Zahnbrücke!

Es ist schwer, eine Zahnersatzform bei Parodontitis generell zu favorisieren. Allerdings hat man schon einige Grundlagen, um sinnvollere gegen ungünstigere Optionen abzugrenzen.

Bei fest eingesetzten Brücken ist der Verlust eines Pfeilers mit dem Verlust der Brücke gleichzusetzen. Herausnehmbare Prothesen (z.B. Teleskope) sind da flexibler. Im Falle eines Pfeilerverlusts kann die Prothese durch einfache Kunststoffarbeiten angepasst werden. Bei Instabilität kann man durch Implantate die Abstützung und den Halt wieder verbessern (Pfeilervermehrung).

Bei welchem Schweregrad der Parodontose welcher Zahnersatz?

Leichte Parodontose: festsitzend durch Brücken oder Implantate gut möglich

Stehen die Pfeilerzähne noch stabil im Knochen, dann ist eine feste Brücke für eine kleine Lücke gut möglich. Implantate können aber die besser Option sein. Hier geht es dann eher um die Diskussion Brücke oder Zahnimplantat.

Mittelschwere Parodontose: sind die Zähne dauerhaft belastbar?

Wenn Zähne nach erfolgreicher Parodontosebehandlung zum Zeitpunkt des Zahnersatzes noch fest sind und der Knochenabbau nicht zu stark fortgeschritten ist, können sie durchaus eine Zahnbrücke tragen. Aber: bleibt das so, oder schreitet die Parodontose über Jahre eventuell noch voran? Hier stellt sich noch mehr die Frage, ob Zahnimplantate nicht die besser Option sein können.

Teleskopprothese für den Oberkiefer...
...auf einem Gipsmodell eingesetzt.

Große Zahnlücken

Hier ist festsitzender Zahnersatz auf den eigenen Zähnen sehr riskant. Beim Verlust nur eines Pfeilers wäre die gesamte Brücke hinfällig. Flexibler, herausnehmbarer Zahnersatz (Teleskope), Implantate oder eine Kombination sind hier zu überdenken.

Schwere Parodontose

Da hier die Belastbarkeit und Prognose der Zähne problematisch ist, macht auf den eigenen Zähnen nur ein herausnehmbarer, da erweiterbarer Zahnersatz Sinn: Teleskope oder die preiswerte Modellgussprothese. Als Unterstützung können zusätzliche Implantate (Pfeilervermehrung) sinnvoll sein (Hybrid-Prothese).

Bei schwerem Knochenabbau ist die langfristige Belastbarkeit der Zähne für eine feste Brücke nicht ausreichend.


Fester Zahnersatz ist nur mit Hilfe von Implantaten möglich. Sie können in die Lücken eingesetzt werden. Bei besonders schlechter Prognose der eigenen Zähne, ist aber auch die Entfernung dieser eine Option. Durch die Zahnlosigkeit könnte implantatgetragener Zahnersatz dann sogar kostengünstiger sein.

 

implantate.com-Fazit:

Welcher Zahnersatz der beste bei Parodontose ist, hängt vor allem vom Schweregrad, sowie Anzahl und Position der fehlenden Zähne ab. Bleiben die eigenen Zähne stabil genug für eine feste Brücke? Zahnimplantate können die eigenen Zähne entlasten, Lücken fest schließen oder herausnehmbaren Zahnersatz zusätzlich abstützen.

Literatur:
Pagel, Daniel: Die Prothetik im parodontal geschädigten Gebiss: Risikoeinschätzung und therapeutische Möglichkeiten, Taschenbuch Spitta (22. Mai 2014)
Hupfauf, L., Horch, H. H.:Festsitzender Zahnersatz, Bd 5, Urban & Schwarzenberg; Auflage: 3. Aufl. (1993)
M. Kern, R. J. Kohal, A Mehl und P Pospiech, J. R. Strub, M. Kern, J. C. Türp und S. Witkowski, Curriculum Prothetik: Set Band 1-3 , Quintessenz Verlag (Broschiert - 23. November 2010)
Freesmeyer, W.B.: Klinische Prothetik, 2 Bde., Bd.1, Festsitzender und implantatgetragener Zahnersatz, Karl F. Haug Fachbuchverlag (1995)

 

 

 

Letzte Aktualisierung am Montag, 12. März 2018
     



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