Int J Oral Maxillofac Implants, . 2021 Jan-Feb;36(1):59-67. doi: 10.11607/jomi.8541.
Ziel: Kurze Zahnimplantate stellen eine wertvolle Behandlungsoption für Patienten mit begrenzter Knochenhöhe dar. Eine sofortige oder frühzeitige provisorische Versorgung kann ein physiologisch günstigeres Milieu für die Formgebung der periimplantären Weichgewebe schaffen. Ziel dieser Metaanalyse war es, die Überlebensraten und den marginalen Knochenabbau bei Anwendung von Sofort- und Frühbelastungsprotokollen bei kurzen Zahnimplantaten (≤ 6 mm) systematisch zu bewerten.
Material und Methoden: Es wurde eine umfassende elektronische und manuelle Literaturrecherche durchgeführt, basierend auf der PICO-Frage: „Beeinflusst die Belastungszeit bei kurzen Zahnimplantaten das Behandlungsergebnis?“ Eingeschlossen wurden Studien, die Sofort- oder Frühbelastungsprotokolle bei der Versorgung kurzer Implantate mit einer mittleren Nachbeobachtungszeit von mindestens einem Jahr verwendeten und auf fortgeschrittene chirurgische Verfahren (z. B. Sinusbodenaugmentation, Knochenaufbau) verzichteten. Nach Bewertung der Studien hinsichtlich Patientenauswahl und Berichtsverzerrungen wurde eine Metaanalyse zur Beurteilung von Implantatüberleben und Knochenabbau durchgeführt. Unterschiede im Knochenabbau zwischen Sofort- und Frühbelastung wurden mit dem t‑Test nach Student analysiert, und eine Spearman-Korrelationsanalyse diente zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen dem Kronen-Implantat-Verhältnis (C/I) und dem marginalen Knochenabbau.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 396 Studien zu Patienten mit kurzen Implantaten (≤ 6 mm) und Sofort- oder Frühbelastungsprotokollen identifiziert. Sieben Studien mit insgesamt 322 Implantaten erfüllten die Einschlusskriterien. Die gepoolte Implantatüberlebensrate betrug nach einer Nachbeobachtungszeit von 1 bis 10 Jahren (mittlerer Zeitraum = 5 Jahre) 91,63 % (95 %-KI: 88 % – 94 %), bei einer mittleren Knochenabbauschätzung von 0,52 ± 0,1 mm (z = 3,07; P < .002). Der Unterschied im mittleren Knochenabbau zwischen Sofort- und Frühbelastungsprotokollen war statistisch nicht signifikant. Es zeigte sich jedoch eine moderate, aber signifikante positive Korrelation zwischen dem C/I‑Verhältnis und dem durchschnittlichen Knochenverlust (r = 0,67; P = .02).
Schlussfolgerung: Kurze Implantate, die nach Sofort- oder Frühbelastungsprotokollen versorgt werden, weisen langfristig zufriedenstellende klinische Ergebnisse mit hohen Überlebensraten und minimalem marginalem Knochenverlust auf.
