Auch Betäubungsspritze erfordert Aufklärung

Ein Zahnarztbesuch macht vielen Menschen nach wie vor Unbehagen, auch wenn heutzutage keiner mehr Schmerzen bei der Behandlung ertragen muss. Wer nicht gerade eine Spritzenphobie hat, dem kann geholfen werden. Mittels Betäubung der für den Mundbereich zuständigen Nervenregionen fühlt man fast nichts mehr. Doch wenn im Unterkiefer gespritzt wird, wird eine ganze Kieferhälfte durch eine sogenannte Leitungsanästhesie ein bis zwei Stunden „lahm“ gelegt. Bei der klassischen Leitungsanästhesie kann nämlich neben den Zähnen, den im Versorgungsgebiet des Nerven liegenden Weichteilen und der Lippe kann nämlich manchmal auch die Zunge taub werden. Ursache ist die Nähe des die Zunge versorgenden Nervens zum Nerven, der die Unterkieferhälfte versorgt. Menschen, die beispielsweise zurück zur Arbeit gehen oder sich anderswo genau artikulieren müssen, können das Taubheitsgefühl mit ggfs. gestörtem Lippenschluss und vorübergehenden Ausdrucksschwierigkeiten als unangenehm empfinden.
Alternativen zur Leitungsanästhesie sind einzelne, lokale Betäubungen (Infiltrations oder Lokalanästhesie) direkt rund um den Zahn für den Oberkiefer oder eine sogenannte intraligamentäre Anästhesie, die für Ober- und Unterkiefer geeignet ist. Wie die Bezeichnung schon beinhaltet, werden dabei die weichgeweblichen Strukturen zwischen (intra) dem Desmodontalspalt (Verbindungsstruktur zwischen Zahnwurzel und Alveolarknochen) mit einer feinen Nadel punktuell betäubt. Diese Art der Anästhesie setzt man bei anatomisch eng begrenzten dentoalveolären (Zahn- oder Knochen-) Eingriffen mit hohem Druck und einem Pensystem ein. Die aufgrund des schmalen Spaltraumes gering injizierte Menge an Betäubungsmittel wird schnell abgebaut und daher dauert die Betäubung nur ca. 30-45 Minuten an. Auch sind im Gegensatz zur Infiltrationsanästhesie i.d.R. mehrere Einstiche notwendig.
Eben diese mehreren Einstiche wurden als das Argument des Zahnarztes für sein Handeln vor Gericht angeführt. Er wollte seinen Patienten, einen Angstpatienten, vor mehrfachen Stichen entlasten. Daher habe er seine Entscheidung für eine Leitungsanästhesie mit einer Spritzendosis für alle Zähne in der Unterkieferhälfte als richtig angesehen ohne über die intraligamentäre Betäubungsart aufgeklärt zu haben. Doch ohne die vollständige Aufklärung über alle Methode, Risiken und Erfolgsaussichten war die vom Patienten gegebene Behandlungseinwilligung unwirksam, urteilte das Oberlandesgericht in der Berufung nach der ersten Verhandlung im Landesgericht Bielefeld.

Quelle:
dejure.org, Rechtsprechung, OLG Hamm, 19.04.2016 - 26 U 199/15

Letzte Aktualisierung am Mittwoch, 31. August 2016
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