Lexikon

GBR (Guided Bone Regeneration, Gesteuerte Knochenregeneration)

Guided Bone Regeneration (GBR) – auf Deutsch gesteuerte Knochenregeneration – ist ein chirurgisches Verfahren zum Wiederaufbau von verlorenem Kieferknochen. Dabei wird der Knochendefekt mit Knochenersatzmaterial oder eigenem Knochen gefüllt und mit einer Barriere-Membran abgedeckt, die das schnell wachsende Weichgewebe daran hindert, in den Defekt einzuwandern. So hat der langsamer wachsende Knochen Zeit und Raum, den Defekt zu füllen. Die GBR ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Verfahren beim Knochenaufbau vor oder gleichzeitig mit einer Zahnimplantation.

Infografik: GBR-Prinzip – Knochendefekt wird mit Ersatzmaterial und Membran aufgebaut, Ergebnis: neuer Knochen für Implantation
GBR-Prinzip: Membran schützt das Knochenersatzmaterial, der Knochen regeneriert – Voraussetzung für eine stabile Implantation.

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Das Prinzip der GBR

Nach einer Zahnextraktion oder einem Zahnverlust baut der Körper den nicht mehr belasteten Knochen ab. Um ein Implantat sicher verankern zu können, muss das verlorene Knochenvolumen wiederhergestellt werden. Die GBR nutzt das biologische Prinzip der Osteokonduktion: Ein Knochenersatzmaterial dient als Gerüst, auf dem körpereigene Knochenzellen (Osteoblasten) neuen Knochen bilden. Die Membran schützt dieses Gerüst und verhindert, dass schnell proliferierendes Bindegewebe den Raum einnimmt, bevor der Knochen nachgewachsen ist. In Studien wird die GBR teils auch in Kombination mit osteoinduktiven Wachstumsfaktoren wie BMP untersucht.

Materialien im Vergleich

MaterialHerkunftEigenschaft
Autologer KnochenEigener Knochen (Kinn, Kieferwinkel, Becken)Goldstandard – osteoinduktiv, osteokonduktiv, enthält lebende Zellen
Xenogenes Material (z. B. Bio-Oss®)Bovines KnochenmineralOsteokonduktiv, langsam resorbierbar, sehr gut dokumentiert
Allogenes MaterialHumaner SpenderknochenOsteokonduktiv, keine Entnahme-OP nötig
Synthetisches MaterialHydroxylapatit, β-TCP, biphasische KeramikBiokompatibel, unbegrenzt verfügbar, variable Resorptionsrate

Membranen: resorbierbar vs. nicht-resorbierbar

MerkmalResorbierbare MembranNicht-resorbierbare Membran
MaterialKollagen (z. B. Bio-Gide®)dPTFE, Titan-verstärktes PTFE
Zweite OP zur EntfernungNein – löst sich in 4–6 Monaten aufJa – Entfernung nach 6–9 Monaten
FormstabilitätBegrenzt (weich)Sehr hoch (starr, formgebend)
IndikationKleinere Defekte, Dehiszenz am ImplantatGroße horizontale/vertikale Defekte
KomplikationsrateNiedrigEtwas höher (Exposition)

Ablauf der GBR

  1. Diagnostik und Planung: DVT-Aufnahme (Digitale Volumentomographie) zur Beurteilung des Knochendefekts, 3-D-Planung der Implantatposition.
  2. Zugang: Schnitt und Aufklappung des Zahnfleischs (Mukoperiostlappen) unter Lokalanästhesie.
  3. Defektpräparation: Entfernung von Granulationsgewebe, Anfrischen der Knochenoberfläche (Dekortikation), um die Blutversorgung zu fördern.
  4. Knochenersatzmaterial einbringen: Auffüllen des Defekts mit dem gewählten Material – ggf. gemischt mit Eigenknochenchips.
  5. Membran platzieren: Die Barriere-Membran wird über das Augmentat gelegt und ggf. mit Pins oder Nähten fixiert.
  6. Spannungsfreier Wundverschluss: Der Lappen wird mobilisiert und spannungsfrei über der Membran vernäht – entscheidend für den Erfolg.
  7. Einheilphase: 4–9 Monate, je nach Defektgröße und Material.

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Kosten und Kassenleistung

LeistungKosten (ca.)
GBR mit Kollagenmembran + xenogenem Material400–1.individuell
GBR mit Titanmembran (größerer Defekt)800–2.individuell
Autologe Knochenblockentnahme (Kinn/Kieferwinkel)500–1.individuell (zusätzlich)
Membranentfernung (nicht-resorbierbar)je nach Umfang und Region

Hinweis: Die tatsächlichen Kosten variieren je nach Praxis, Region und individueller Behandlungssituation.

Die GBR ist eine Privatleistung, da sie in der Regel im Zusammenhang mit einer Implantatversorgung durchgeführt wird. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) übernimmt die Kosten nicht. Private Krankenversicherungen erstatten den Knochenaufbau in der Regel im Rahmen der Implantatversorgung.

Das Wichtigste in Kürze
Die Guided Bone Regeneration (GBR) ist das Standardverfahren zum Knochenaufbau vor oder gleichzeitig mit einer Implantation. Eine Barriere-Membran schützt das Augmentat und gibt dem Knochen Zeit zum Wachsen. Erfolgsraten von über 95 % machen die GBR zu einem der am besten dokumentierten Verfahren der dentalen Implantologie. Die Einheilphase beträgt 4–9 Monate.

Literatur

Literatur und Quellenangaben
  1. Hammerle CHF, Karring T. Guided bone regeneration at oral implant sites. Periodontol 2000. 1998;17:151–175. DOI: 10.1111/j.1600-0757.1998.tb00132.x
  2. Aghaloo TL, Moy PK. Which hard tissue augmentation techniques are the most successful in furnishing bony support for implant placement? Int J Oral Maxillofac Implants. 2007;22 Suppl:49–70. PMID: 18437791
  3. Urban IA et al. Effectiveness of vertical ridge augmentation interventions: A systematic review and meta-analysis. J Clin Periodontol. 2019;46 Suppl 21:319–339. DOI: 10.1111/jcpe.13061
  4. Elgali I et al. Guided bone regeneration: materials and biological mechanisms revisited. Eur J Oral Sci. 2017;125(5):315–337. DOI: 10.1111/eos.12364

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