Lexikon
Funktionsanalyse
Die Funktionsanalyse ist die systematische zahnärztliche Untersuchung des Kausystems. Erfasst werden die Zähne und ihre Verzahnung (Okklusion), die Kaumuskulatur, die Kiefergelenke sowie die Bewegungen des Unterkiefers. Ziel ist es, Funktionsstörungen des Kausystems zu erkennen, einzuordnen und von anderen Ursachen abzugrenzen.
Klinische und instrumentelle Funktionsanalyse
Die klinische Funktionsanalyse ist die manuelle Basisuntersuchung: Der Zahnarzt tastet Kaumuskulatur und Kiefergelenke ab, prüft die Beweglichkeit des Unterkiefers, Gelenkgeräusche und die Kontakte der Zähne beim Zusammenbiss. Sie kommt ohne apparativen Aufwand aus und ist der Ausgangspunkt jeder Funktionsdiagnostik.
Die instrumentelle Funktionsanalyse ergänzt diese Befunde mit Messgeräten. Dazu gehören die Bestimmung der Kieferrelation, die Übertragung der Kieferstellung mit einem Gesichtsbogen in einen Artikulator und – in erweiterter Form – die elektronische Aufzeichnung der Unterkieferbewegungen. Zu diesen Aufzeichnungsverfahren zählen die Axiographie und die Kondylographie.
| Merkmal | Klinische Funktionsanalyse | Instrumentelle Funktionsanalyse |
|---|---|---|
| Vorgehen | manuelle Untersuchung, Palpation | apparative Registrierung, Artikulator, elektronische Aufzeichnung |
| Erfasst | Muskulatur, Gelenke, Okklusion, Bewegungsausmaß | Kieferrelation, Unterkiefer- und Kondylenbahnen |
| GOZ | Position 8000 | Block 8010–8100 |
Zweck und Bedeutung
Die Funktionsanalyse ist ein zentrales diagnostisches Werkzeug bei Verdacht auf eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) und bei Okklusionsstörungen. Die Zuverlässigkeit klinischer Funktionsbefunde hängt von standardisierten Untersuchungskriterien ab. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die weitere Therapieplanung – etwa für die Anfertigung einer Positionierungsschiene oder für eine umfangreichere prothetische Rehabilitation, bei der die individuelle Kiefergelenk- und Bewegungssituation in die Planung einfließt.
Abrechnung (GOZ)
Die klinische Funktionsanalyse wird nach GOZ-Position 8000 (500 Punkte) berechnet. Die instrumentelle Funktionsanalyse ist keine einzelne Gebührenziffer, sondern umfasst den Leistungsblock der GOZ-Positionen 8010 bis 8100. Dazu gehören unter anderem das Registrieren der gelenkbezüglichen Zentrallage (8010), die Bestimmung der arbiträren (8020) oder kinematischen Scharnierachse (8030) sowie die halbindividuelle (8050) oder elektronische (8065) Registrierung der Unterkieferbewegungen. Der Punktwert der GOZ beträgt 5,62421 Cent; der berechnete Betrag ergibt sich aus Punktzahl, Punktwert und Steigerungsfaktor. Der Gebührenrahmen endet beim 3,5-fachen Satz (§ 5 Abs. 1 GOZ); jede darüber hinausgehende Vergütung – etwa ein 5,0-facher Satz – bedarf einer schriftlichen Vereinbarung nach § 2 GOZ.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Funktionsanalyse untersucht Zähne, Kaumuskulatur, Kiefergelenke und Unterkieferbewegungen.
- Man unterscheidet die klinische (manuelle) von der instrumentellen (apparativen) Funktionsanalyse.
- Sie ist Grundlage der CMD-Diagnostik sowie der Schienen- und prothetischen Therapie.
Literatur
Quellen und weiterführende Literatur
- AWMF-Leitlinie S2k 083-017: Instrumentelle zahnärztliche Funktionsanalyse und Kieferrelationsbestimmung. Version 2.0, gültig bis 30.07.2027.
- John MT, Dworkin SF, Mancl LA (2005): Reliability of clinical temporomandibular disorder diagnoses. Pain. DOI: 10.1016/j.pain.2005.07.018.
- Farook TH, Rashid F, Alam MK et al. (2022): Variables influencing the device-dependent approaches in digitally analysing jaw movement – a systematic review. Clinical Oral Investigations. DOI: 10.1007/s00784-022-04835-w.
- Xu X, Song Y, Wu Y et al. (2024): Investigation of the accuracy of dynamic condylar position: A model study. Journal of Dentistry. DOI: 10.1016/j.jdent.2024.104889.
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