Lexikon

Attachmentgewinn

Attachmentgewinn bezeichnet die (teilweise) Regeneration der bindegewebigen Verankerung eines Zahnes nach parodontalem Attachmentverlust. Der Begriff klingt einfacher, als die Sache ist — denn hinter einem messbaren Attachmentgewinn können zwei grundlegend verschiedene biologische Vorgänge stehen.

Weniger Zahnfleisch-Taschentiefe ist kein Attachmentgewinn

Nach einer erfolgreichen geschlossenen Kürettage (Parodontosebehandlung, AIT) verbessern sich fast immer die Sondierungstiefen — das entzündete Zahnfleisch schwillt ab, strafft sich, und der Gingivarand wandert etwas nach apikal. Die Tasche wird flacher. Das ist ein Behandlungserfolg, aber kein Attachmentgewinn: Der Gingivarand hat sich verschoben, nicht der Taschenboden. Der → CAL bleibt dabei oft unverändert oder wird durch die Rezession sogar rechnerisch schlechter.

Echte Regeneration bedeutet: neuer Wurzelzement auf der vormals erkrankten Wurzeloberfläche, neue kollagene Fasern, die diesen Zement mit neuem Knochen verbinden — also eine biologische Rekonstruktion des → Attachments. Das ist das Ziel der regenerativen Parodontaltherapie, und es ist deutlich schwerer zu erreichen als eine klinische Verbesserung.

Wann ist echter Attachmentgewinn möglich?

Regeneratives Potenzial besteht vor allem bei vertikalen parodontalen Knochendefekten — also Taschen, bei denen der Knochen an einer Stelle tiefer abgebaut ist als am benachbarten Zahn. Diese Defekte bieten knöcherne Wände, die als Leitstruktur für die Gewebeneubildung dienen.

parodontale defektmorphologie wuerfel

Beim ausschliesslich horizontalem Knochenabbau entsteht ein 1-wandiger Defekt, bei dem der Knochen gleichmäßig auf breiter Front abgebaut ist. Dadurch sind die Voraussetzungen für Regeneration deutlich schlechter. Hier bleibt die konventionelle Therapie (Attachmentverlust stoppen, nicht rückgängig machen) in der Regel das realistische Ziel.

Die wichtigsten regenerativen Verfahren sind:

Schmelzmatrixproteine (→ Emdogain):

Emdogain ist ein Proteingel, das auf die gereinigte Wurzeloberfläche aufgetragen wird und die Neubildung von Wurzelzement, Fasern und Knochen stimuliert — nach dem Prinzip, das die Natur bei der Zahnentwicklung nutzt. Am besten belegt ist der Einsatz in schmalen, tiefen infraossären Defekten: Gegenüber einer alleinigen Lappenoperation beziehungsweise einer Kontrollbehandlung liegt der zusätzliche Attachmentgewinn in Meta-Analysen bei rund einem Millimeter. Derzeit das Verfahren mit der stärksten Evidenz, häufig kombiniert mit Knochenersatzmaterial als Platzhalter.

Gesteuerte Geweberegeneration (→ GTR):

Die GTR ist ein chirurgisches Verfahren bei der eine Membran über den Knochendefekt gelegt, um schnell wachsendes Epithel fernzuhalten und dem langsamer wachsenden Knochen- und Fasergewebe Zeit zur Regeneration zu geben. Histologisch war GTR das erste Verfahren, für das echte Attachment-Regeneration nachgewiesen wurde. Knochenersatzmaterialien können als dimensionsstabiles Gerüst zusätzlich eingebracht werden

Knochenersatzmaterialien:

Knochenersatzmaterialien werden in den Defekt eingebracht, um das Volumen zu halten und als Gerüst für die Knochenneubildung zu dienen. Häufig in Kombination mit Emdogain oder Membranen eingesetzt.

Hyaluronsäure:

Hyaluronsäure ist ein Glykosaminoglykan, das je nach Indikation unterschiedlich eingesetzt wird. Bei parodontalen Knochendefekten als chirurgische Alternative zu Emdogain. Bei der nicht-chirurgischen Therapie als Adjuvans nach subgingivaler Instrumentierung,

Die optimale Strategie hängt von der Defektgeometrie, der Anzahl knöcherner Wände und der individuellen Situation ab.

Attachementgewinn nach Verfahren im Vergleich

Fazit:

Auch unter optimalen Bedingungen ist Regeneration ein Prozess der keine vollständige Rekonstruktion erzielt. Der in Meta-Analysen belegte Zusatznutzen regenerativer Verfahren gegenüber der reinen Lappenoperation liegt im Mittel bei gut einem Millimeter Attachmentgewinn. Eine vollständige Wiederherstellung des ursprünglichen Attachmentniveaus ist die Ausnahme, nicht die Regel. Das Ergebnis hängt wesentlich von der Defektform, der Mundhygiene des Patienten und der konsequenten Nachsorge ab. Bei Rauchern ist mit einer schlechteren knöchernen Regeneration zu rechnen.

In jedem Fall ist die Reihenfolge einzuhalten: bevor regenerative Maßnahmen erfolgreich sein könnnen, muss die Parodontitis unter Kontrolle sein – durch systematische Vorbehandlung, geschlossene Kürettage und stabile Mundhygiene. Regeneration ist ein möglicher zweiter Schritt bei geeigneten Restdefekten.

Literatur

Literatur und Quellenangaben
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