Diskussions-Forum Zahnimplantate und Zahnersatz

Implantate bei Kollagenose

Petra
Mitglied seit 23. 10. 2008
36 Beiträge

Liebes Ärzteteam,

nach längerer Zeit wurde bei mir aufgrund immer wiederkehrender NNH-Entzündungen und großem Zahnverlust im OK eine Kollagenose diagnostiziert. Ich werde demnächst auf eine "Basistherapie" eingestellt. Die NNH-Entzündungen sind mittlerweile nicht mehr vorhanden (dank mehrerer OP´s) und ich trage mich mit dem Gedanken bzgl. Implantaten. Im OK habe ich nur noch die Zähne 11,12,13, 21,22,23. Der 11er Zahn ist bereits etwas locker, so dass dieser ggf. mit ersetzt werden muss. Mit meiner Klammerprothese bin ich todunglücklich zumal ich auch sehr trockene Mundschleimhäute und somit ständig Druckstellen durch die Prothese am Zahnfleisch habe.

Kann man bei Kollagenose Implantate setzen? Muss was besonderes beachtet werden? Gibt es spezielle Implantologen dafür? Was passiert, wenn die Implantate ggf. durch Entzündungen (die durch die Kollagenose verursacht werden können) verloren gehen bzw. es zu Komplikationen kommt? Übernimmt die Krankenkasse dann die Kosten, dass ggf. Implantate wieder entfernt werden müssen? Wie hoch sind überhaupt die Erfolgsaussichten bei dieser Krankheit? Gibt es da Erfahrungswerte?

Ich weiß, es sind eine Menge Fragen....Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

Viele Grüße
Petra



zahnarzt Impl.
zahnarzt Impl.

Hallo,

Kollagenose ist sehr allgemein, welche Art der Kollagenose haben sie denn ?
Welche Medikation bekommen sie konkret?

mit freundl.Grüssen



Petra
Petra

Hallo,

primär ist der Lupus erythematodes und sekundär das Sjörgen-Syndrom. Das Sjörgen-Syndrom zertört wohl die Speicheldrüsen im Verlauf der Erkrankung, so dass bei diesen Patienten im späteren Verlauf zu zunehmenden Problemen beim Tragen von Prothesen kommen kann, weil nicht mehr genug Speichel gebildet wird. Daher mein Interesse, ob Implantate möglich wären.

Ich fange am Montag mit einer Spritze mit dem Wirkstoff Methotrexat an und man muss schauen, wie ich es vertrage und ob es anschlägt. Das weiß man wohl erst nach einigen Wochen. Ansonsten wird auf ein anderes Medi umgestellt.
Zusätzlich nehme ich Syntestan 2,5 mg (Wirkstoll Cloprednol) seit einigen Monaten.

Viele Grüße
Petra



Petra
Mitglied seit 23. 10. 2008
36 Beiträge

Hallo,

primär ist der Lupus erythematodes und sekundär das Sjörgen-Syndrom. Das Sjörgen-Syndrom zertört wohl die Speicheldrüsen im Verlauf der Erkrankung, so dass bei diesen Patienten im späteren Verlauf zu zunehmenden Problemen beim Tragen von Prothesen kommen kann, weil nicht mehr genug Speichel gebildet wird. Daher mein Interesse, ob Implantate möglich wären.

Ich fange am Montag mit einer Spritze mit dem Wirkstoff Methotrexat an und man muss schauen, wie ich es vertrage und ob es anschlägt. Das weiß man wohl erst nach einigen Wochen. Ansonsten wird auf ein anderes Medi umgestellt.

Zusätzlich nehme ich Syntestan 2,5 mg (Wirkstoll Cloprednol) seit einigen Monaten.

Viele Grüße
Petra



Zahnarzt Impl.
Zahnarzt Impl.

Hallo,

lesen sie das mal bitte :

(link gelöscht)

...und dann sprechen sie mal mit ihrem Hausarzt.

mit freundl.Gruss !!



Petra
Mitglied seit 23. 10. 2008
36 Beiträge

Vielen Dank für den Link....leider hilft mir das nicht sehr weiter.

Mein Hausarzt verweist mich an den Rheumatologen, der der zuständige Facharzt bzgl. der Medis und der Krankheit ist. Und dieser verweist mich an den Implantologen. Ich sollte den Sachverhalt mit ihm absprechen.

Daher wende ich mich an dieses Forum. Was würden denn die hier teilnehmenden Implantologen bei einem Patienten wie mir, machen?

Viele Grüße
Petra



Dr.Thilo Fechtig
Mitglied seit 14. 08. 2010
371 Beiträge

Hallo Petra

ich sehe das Problem hauptsächlich mit der reduzierten Speichlbildung. Ohne genügend Speichel werden die Implantate nicht umspült und damit haben Sie keine ausreichende natürliche Schutzfunktion. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden die Implantate zwar halten, aber das umgebende Zahnfleisch wird sich mit der Zeit stark zurückziehen, so daß Implantatbereiche freiliegen werden, die nicht freiliegen sollten (z.B. Gewinde). Warum haben Sie denn die Zähne verloren? Wie siehts im UK aus?

Vorschläge:
1.) Je nach Lippenlinie könnte ich mir spontan auch eine Teleskopprothese vorstellen, die die verbleibenden Zähne zur Verankerung benutzt (ohne 11). Vorteil hier wäre bei weiterem Zahnverlust der stufenweise möglich Umbau.

2.) Extraktion 11, Keramik-Brücke 13,12x21,22,23 mit Geschiebeprothese für der Ersatz der hinteren Zähne.

3.) Exatraktion 11, Keramikbrücke wie unter 2.; dann 16,15,14; 24,25,26 6x Implantate mit Sinuslift (?) und dreimonatigem Prophylaxerecallitervall und evtl. Unterstützung mit Kunstspeichel.

Die schnellste und unproblematischste Lösung ist sicher 1.)
Wichtig ist bei allen Lösungen für eine gute Durchfeuchtung der Mundhöhle zu sorgen! Mit freundlichen Grüßen

Thilo Fechtig



Petra
Mitglied seit 23. 10. 2008
36 Beiträge

Hallo Herr Dr. Fechtig,

zuerst vielen Dank für Ihre ausführliche Information.

Es war mir nicht bewusst, dass bei zuwenig Speichel ein Zurückziehen des Zahnfleisches bewirken kann. Ein neuer und zu beachtender Aspekt.

Mit dem lockeren Zahn muss ich mich korrigieren, da hatte ich einen Schreibfehler in meinem ersten Beitrag. Nicht der 11 Zahn ist locker sondern der 13 (Haltezahn der Klammerprothese).

Im Unterkiefer habe ich noch alle Zähne (zwar ein Teil wurzelgefüllte) vorhanden. Im Oberkiefer sind die nach und nach durch Absesse an den Zahnwurzeln (die sich auch nach WSR immer wieder neu gebildet haben) oder immer wiederkehrende Granulome entfernt worden. Ich habe den ganzen Oberkiefer auch vernarbt da an jedem Zahn je immer zwei WSR durchgeführt wurden um die zu retten. Letztendlich mussten alle raus. Ich hatte drei Jahre ständige Kieferhöhlenentzündungen/Vereiterungen wo man keine Ursache gefunden hat. Ich habe mittlerweile jede Menge Fensterungen und mit der Kieferhöhle endlich Ruhe. Es wurde bei jeder Nasen-OP entzündete Schleimhaut aus der KH entfernt, wo keine Ursache dafür ersichtlich war. Der Rheumatologe sagt, das das voraussichtlich durch die Kollagenose verursacht wurde. Dabei handelt es sich um chronische Bindegewebsentzündungen die sich wohl im Zahnfleisch und Kieferhöhlenschleimhaut niedergelassen hatte. Damit habe ich jetzt endlich Ruhe. Nun macht die Kollagenose zur Zeit Ärger am Rippenfell :-(.
Ich werde jetzt auf Medis eingestellt, die das Immunsystem unterdrücken um die verursachende Krankheit im Griff zu bekommen.

Zu ihren Lösungen:
Hält so eine Geschiebeprothese bei einer Freiendsituation auf beiden Seiten? Werden dann die anderen Zähne nicht übermäßig belastet?
Wieviele hintere Zähne könnte ich mit der Geschiebeprothese ersetzen? Je Seite drei Stück? Ich merke jetzt schon häufig die Belastung der Haltezähne durch die Klammerprothese....manchmal zicken die auch schon rum...

Ihre Lösung drei gefällt mir natürlich am Besten.
Bzgl. Sinuslift weiß ich nicht ob das bei mir noch geht, da bereits drei Mal in einer Nasen-OP Teile der Kieferhöhlenschleimhaut entfernt wurden. Die wird nicht mehr einwandfrei sondern eher vernarbt sein. Und da ich die Zähne innerhalb von drei Jahren verlor, muss bestimmt ein Knochenaufbau vorgenommen werden oder man setzt die Implantate ggf. schräg ein.

Was wäre denn Kunstspeichel? Kann man sowas frei kaufen? Vielleicht sollte ich mal testen ob es mir hilft?

Bisher ist dieses Sjörgen-Syndrom aufgrund meiner Symptome und einigen Antikörpern im BLut diagnostiziert worden. Ich habe gelesen, dass man das 100% aufgrund einer Lippenbiopsie oder einer Biopsie der Mundspeicheldrüse und anschließender Untersuchung auf Antikörper diagnostizieren kann. Wer führt solch eine Untersuchung durch? Ein Zahnarzt oder Kieferchirurg?

Ich bedanke mich schon mal für die Beantwortung meiner Fragen.

Viele Grüße
Petra



Dr. Dr. B. Zahedi
Mitglied seit 06. 12. 2000
4036 Beiträge

Hallo, es gibt mittlerweile eine Fallbeschreibung aus der Türkei, die die Behandlung mit Implantaten beim SLE abschliessend befürwortet.
Gruß
B. Zahedi
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20927423



Dr.Thilo Fechtig
Mitglied seit 14. 08. 2010
371 Beiträge

Hallo Petra & Dr.Zahedi,

hab das abstract der Studie gelesen. Ich denke das gilt doch sicherlich nur für einen Idealfall. Aber bei Petras Vorgeschichte würde ich eher auf Implantate verzichten wollen und schon gar nicht mehr im Sinus operieren!
In diesem Fall speziell würde ich Richtung cover denture gehen um einfach allen möglichen Problemen aus dem Weg zu gehen. Sicherlich wäre auch eine Steglösung auf Implataten ne mögliche Lösung. . . aber dazu müssten wir das Rö Bild sehen.

Wenn die Pfeilerzähne zu schlecht sind würde ich diese nicht mehr als Teleskopzähne oder auch Brückenpfeilerzähne benutzen wollen. Wie gesagt dann cover denture mit den eigenen Zähnen oder alles raus je Kiefer und saubere Implantatlösung mit Steg ohne Sinuslift, da nur im Frontbereich implantiert werden kann.
Zur Frage der Kraftverteilung: auch mit Steglösung/Hybridzahnersatz ist es problemlos möglich Zähne bis zum Zahn 7 zu ersetzen (OK oder UK).

Gruss
Thilo Fechtig