Chlorhexidin ohne positive Wirkung bei entzündeten Geweben rund um Implantate?


Vor jeder professionellen Zahnreinigung wird man aufgefordert damit umzuspülen, Patienten mit Zahnfleisch-Entzündungen (Gingivitis) oder Zahnbett-Entzündungen (Parodontitis) oder eingeschränktem Putzverhalten kennen den Geschmack der Spüllösung. Rosa oder blau gefärbt mit dem Inhaltsstoff Chlorhexidindiglukonat (CHX) spült man 1-2 Minuten. Auch wenn das Zähneputzen nach wie vor die bedeutendste Maßnahme zum langfristigen Erhalt der Mund- und Zahngesundheit ist, dient Chlorhexidin wegen seiner nachgewiesenen bakteriziden Eigenschaften in vielen Praxen als kurzfristiger hilfreicher Unterstützer bei Entzündungen des Zahnfleischs oder zur allgemeinen Keimreduktion im Mund (full-mouth-desinfection).

Verständlich, dass man die Wirkungsweise der Spüllösung auch quasi automatisch auf den entzündeten Bereich in tiefen Zahnfleischtaschen (Parodontitis) oder auf entzündete Gewebe an Implantaten (Periimplantitis) übertragen möchte. Bisher konnten in Kombination mit anderen Hilfsmitteln wie beispielsweise mit Plastikküretten auch positive Wirkungen auf die Entzündung an der Implantatoberfläche beobachtet werden. Doch es konnten auch zytotoxische Effekte auf bestimmte Zelltypen wie Fibroblasten und Osteoblasten beobachtet werden.

1)
Im Gegensatz zur Gingivitis soll die Wirksamkeit von Chlorhexidin bei Entzündungen des Zahnbettes als Spüllösung oder als in die Zahnfleischtasche einlegbarer Chip aufgrund der teils wenig aussagekräftigen, aktuellen Studienlage nur gering sein.

2)
Die bisher geltende Annahme, dass Chlorhexidin bei Knochenentzündungen rund um Implantate, der sogenannten Periimplantitis, hilfreich wäre, wurde nun anhand von neuen Forschungsergebnissen von Wissenschaftlern aus der Universität Seattle erschüttert. Wie sich aufgrund der Daten der Studie, in der die natürlichen Bedingungen aber außerhalb des Mundes Studie simuliert wurden, herausstellte, hat Chlorhexidin einen geringeren keimtötenden Effekt als die drei anderen getesteten Substanzen, darunter EDTA mit natriumhypochlorid, Zitronensäure und sterile Kochsalzlösung. Gleichzeitig beobachteten die Forscher bei CHX, dass die Heilung der Knochenzellen nach Entfernung der durch die Bakterienreaktion entzündeten verunreinigten Gewebe und Reinigung der Implantatoberflächen nicht besser wurde. Im Gegenteil. Mit Chlorhexidin nahm die zur Einheilung notwendige, zelluläre Knochenanlagerung an die Implantatoberfläche und Weiterentwicklung der knochenbildenen Zellen, auch Osteoblasten genannt, ab.

Anhand dieser natürlich simulierten Forschungsergebnisse im Reagenzglas und anderer aus Studien am Tier existieren nun berechtigte Anhaltspunkte, um nachzuforschen, ob Chlorhexidin zur Bekämpfung von entzündlichen Erkrankungen rund um Implantate überhaupt empfehlenswert ist. Leider gibt es noch gut wirkendes, den Bedingungen optimal angepasstes Medikament zur Behandlung der entzündeten Gewebe rund um die Implantatflächen.
Bis dahin empfehlen die Wissenschaftler zur Behandlung und Desinfektion von bakteriell infizierten Implantatoberflächen sterile Kochsalzlösung, Zitronensäure oder eine Mischung aus EDTA und Natriumhypochlorit.

Quellen:
Kotsakis GA, Lan C, Barbosa J, Lill K, Chen R, Rudney J, Aparicio
Antimicrobial Agents Used in the Treatment of Peri-Implantitis Alter the Physicochemistry and Cytocompatibility of Titanium Surfaces.;
J Periodontol. 2016 Feb 28:1-20.

Letzte Aktualisierung am Montag, 06. Juni 2016