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THEMA: Re: Freiendsituation
 
Re: Freiendsituation
Beitrag vom 06.12.2000, 12:11 Uhr

 
Hallo Herr Osswald,
Ich glaube nicht, daß wir wir hier bei den so gut wie nicht vorhandenen diagnostischen Möglichkeiten unsere Therapieempfehlungen überschätzen sollten. Wenn Sie auch meinen, dass hier eine Diskussion um verschraubte oder nicht verschraubte Geschiebe entscheidend ist, bin ich eher der Ansicht, daß dies nicht mehr mit einem Nutzen für den Anfragenden einhergeht und würde mich freuen, wenn wir hier nicht noch anfangen, Studien zu zitieren sondern diese Diskussion nur auf der bereits eingeleiteten email-Ebene oder im Fach-Forum weiterführen.
Vielen Dank
B. Zahedi
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Freiendsituation
Beitrag vom 19.09.2002, 16:08 Uhr

 
Hallo Experten,
ich habe eine Freiendsituation im UK re, distal von 44, seit Mai 2002. Zahn 47 wurde Anfang Mai gezogen. Er war Brückenpfeiler mit 43 und 44 (beide überkront, 44 wurzelbehandelt mit Anker) für eine Brücke (ca. 10 Jahre alt), die nunmehr nicht mehr vorhanden ist, weil hinter Zahn 44 abgetrennt .
Im Falle einer Implantation sei eine Knochentransplantation vom Kinn mit Membran regio 45,47 erforderlich, und zwar aufgrund des angeblich geringen Knochenangebotes in der Breite, weil man sonst die Implantat-Schrauben (Straumann ITI) seitlich sehen würde.???.
Die 2 Implantate im Bereich 45 - 47 würden als Brücke ausgebildet: Kosten für Prothetik ca. 3300 €, (icl. 43 und 44 neue Kronen), für Kieferchirurgie ca. 2700€. Dieses Angebot (einer Uniklinik) erscheint mir etwas sehr teuer zu sein. ???
Ich konsultierte noch einen ortsansässigen Zahnarzt ( der bei Implantaten mit einem Kieferchirurgen zusammen arbeitet), erstes Fazit: die Entnahme von Knochenmaterial aus dem Kinn sei wegen Veränderung meines ohnehin schon schwachen Kinnprofils und evtl. Nervenbeeinträchtigung im Kinnbereich gewagt. ??? Wenn überhaupt, käme der Beckenkamm infrage. Bei mir sei Knochenaufbau aber nicht erforderlich, weil genügend Knochen in der Höhe vorhanden sei. Die Hälse der ITI-Schrauben seien konstruktionsbedingt sowieso in jedem (Patienten)Fall sichtbar. ???
Röntgenaufnahmen für die Implantate würden erfolgen per "OPG" (UniKlinik) bzw "Panoramaschichtaufnahme" (Praxis), m.Wissens zwar ausreichender Standard bis 1995, aber nur Übersichtsaufnahme, die kaum Aussagewert haben soll. Wäre in meinem Fall nicht eine DVT besser, um garantiert nicht den Canalis-Nerv zu beschädigen ???
Warum ist das nicht selbstverständlicher Standard in der Zahnmedizin bez. -chirurgie? (insb. einer Uniklinik). Wie/wo findet man Implantologen, die neue gesicherte Erkenntnisse zum Vorteil des Patienten anwenden.
Ich habe gelesen, dass Knochenmehl aus dem Bohrvorgang oder PRP (auch BMP) Alternativen sein sollen, wenn ich sie denn überhaupt benötige.
Wäre in meinem Fall auch eine Brücke mit nur einem Implantat möglich???
Wie schnell - droht ohne Implantate Knochenabbau ? - muss ich mich entscheiden und wofür ???
Für Antworten auf meine Fragen wäre ich sehr dankbar. Sofie
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Re: Freiendsituation
Beitrag vom 21.09.2002, 13:18 Uhr

Zum Glück, Sofie, geht die Implantologie endlich in die richtige Richtung, d.h., Implantate so zu verwenden wie eigene Zähne. Es macht ja auch keinen Sinn, einerseits zu behaupten, Implantate seien besser als eigene Zähne und auf der anderen Seite mehr Implantate zu setzten als man für eine prothetische Versorgung auf eigenen Zähnen benötigen würde.

In Ihrem Falle halte ich folgende Lösung für ausreichend, falls genug Knochen in der Höhe in der Gegend des ehemaligen 46 oder 47 vorhanden ist:

Verblockte Kronen auf 43 und 44, distal an 44 ein konfektioniertes T-Geschiebe (Matritze), Implantat in der Gegend von 46/47 (wo der beste Knochen ist), Brücke vom Implantat nach 44 mit Anbindung über die Patritze.

Ob genug Knochen in der Höhe vorhanden ist läßt sich sehr einfach mit einem Orthopantomogramm (OPT) mit einer Bissschablone feststellen, in die 1 cm lange Stahlstäbe eingearbeitet sind. Die Stäbe benötigt man, um Größenverzerrungen durch das Röntgenbild nachmessen und korrigieren zu können.

Ob in der Breite genug Knochen vorhanden ist, kann man manuell relativ sicher abschätzen. Letzte Sicherheit gibt die klinische Inaugenscheinnahme bei der Implantation wenn die Schleimhaut weggeklappt ist. In der Regel gibt es immer Bereiche, in denen der Knochen dünner und andere, in denen er dicker ist. Da es in Ihrer Situation ja nicht so wichtig ist, ob das Implantat jetzt einen halben cm weiter vorn oder weiter hinten ist, macht es mehr Sinn, sich eine Stelle mit genügend breitem Knochen auszusuchen als zu augmentieren

Falls nicht mehr als 8 mm in der Höhe vorhanden sind oder die Breite reduziert ist, kann man sehr schön zwei dünne, kurze Implantate (z.B. Straumann, 8mm lang, 3.8 mm dick) als Doppelimplantat eng nebeneinander setzen und eine Doppelkrone darauf machen. Natürliche Backenzähne haben ja auch mehrere Wurzeln. So bekommt man einen sehr stabilen hinteren Pfeiler.

Die Schultern der Straumann-Implantate sieht man genau so wenig oder genau so viel wie die von anderen Systemen. Das kommt mehr darauf an, wie tief sie versenkt sind. Wenn man sie wegen mangelnder Höhe nicht so tief versenken kann, dann macht das auch nichts, weil es in diesem Bereich eh kein Mensch je sehen wird.

Viele Grüße und Erfolg

Osswald
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Re: Freiendsituation
Beitrag vom 21.09.2002, 13:19 Uhr

Zum Glück, Sofie, geht die Implantologie endlich in die richtige Richtung, d.h., Implantate so zu verwenden wie eigene Zähne. Es macht ja auch keinen Sinn, einerseits zu behaupten, Implantate seien besser als eigene Zähne und auf der anderen Seite mehr Implantate zu setzten als man für eine prothetische Versorgung auf eigenen Zähnen benötigen würde.

In Ihrem Falle halte ich folgende Lösung für ausreichend, falls genug Knochen in der Höhe in der Gegend des ehemaligen 46 oder 47 vorhanden ist:

Verblockte Kronen auf 43 und 44, distal an 44 ein konfektioniertes T-Geschiebe (Matritze), Implantat in der Gegend von 46/47 (wo der beste Knochen ist), Brücke vom Implantat nach 44 mit Anbindung über die Patritze.

Ob genug Knochen in der Höhe vorhanden ist läßt sich sehr einfach mit einem Orthopantomogramm (OPT) mit einer Bissschablone feststellen, in die 1 cm lange Stahlstäbe eingearbeitet sind. Die Stäbe benötigt man, um Größenverzerrungen durch das Röntgenbild nachmessen und korrigieren zu können.

Ob in der Breite genug Knochen vorhanden ist, kann man manuell relativ sicher abschätzen. Letzte Sicherheit gibt die klinische Inaugenscheinnahme bei der Implantation wenn die Schleimhaut weggeklappt ist. In der Regel gibt es immer Bereiche, in denen der Knochen dünner und andere, in denen er dicker ist. Da es in Ihrer Situation ja nicht so wichtig ist, ob das Implantat jetzt einen halben cm weiter vorn oder weiter hinten ist, macht es mehr Sinn, sich eine Stelle mit genügend breitem Knochen auszusuchen als zu augmentieren

Falls nicht mehr als 8 mm in der Höhe vorhanden sind oder die Breite reduziert ist, kann man sehr schön zwei dünne, kurze Implantate (z.B. Straumann, 8mm lang, 3.8 mm dick) als Doppelimplantat eng nebeneinander setzen und eine Doppelkrone darauf machen. Natürliche Backenzähne haben ja auch mehrere Wurzeln. So bekommt man einen sehr stabilen hinteren Pfeiler.

Die Schultern der Straumann-Implantate sieht man genau so wenig oder genau so viel wie die von anderen Systemen. Das kommt mehr darauf an, wie tief sie versenkt sind. Wenn man sie wegen mangelnder Höhe nicht so tief versenken kann, dann macht das auch nichts, weil es in diesem Bereich eh kein Mensch je sehen wird.

Viele Grüße und Erfolg

Osswald
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Re: Freiendsituation
Beitrag vom 21.09.2002, 22:18 Uhr

 
Hallo,
wenn die Knochensituation durch herkömmliche Diagnostik nicht genau zu bestimmen ist, kann ein DVT durchaus hilfreich sein um zu entscheiden, welche Implantatgröße man einbringen kann ohne wichtige Strukturen (Unterkiefernervast) zu gefährden und ob ein Knochenaufbau nötig ist.
Eine Verbundbrücke (Zahn und Implantat) mit verschraubtem Geschiebe ist grundsätzlich möglich. Wenn das Knochenangebot aber gering ist und man nur ein Implantat reduzierter Größe einbringen kann, kann das System allerdings überlastet werden und zu einem frühzeitigen Verlust führen. Das gilt natürlich auch für rein implantatgetragene Brücken Oder auch Einzelzahnimplantate.
Die Attribute neue bzw. gesicherte Erkenntnisse widersprechen sich zu einem guten Teil. PRP zum Beispiel wurde z.T. als Beschleuniger des Knochenaufbaus angepriesen, konnte dies aber in neuesten Untersuchungen nicht bestätigen.
Auf keinen Fall ist eine eilige Entscheidung notwendig, der Knochen verschwindet nicht in ein paar Wochen.
Gruß
B. Zahedi
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Re: Freiendsituation
Beitrag vom 22.09.2002, 11:15 Uhr

Ein Geschiebe zu verschrauben, Herr Zahedi, verhindert ja gerade den Effekt, den man mit dem Geschiebe erreichen will (es sei denn, es geht allein um die Korrektur der Einschubrichtung bei divergierenden Pfeilern), weil man den angestebten Freiheitsgrad verhindert.

Der Sinn des Geschiebes ist es ja gerade, Überlastungen in dem Sinne zu vermeiden, als sich der Brückenteil mit der Patritze, der auf dem Implantat zementiert ist, bei Überlastung (schlechte Gewohnheiten, Verwindung der Unterkieferspange, etc.) vom Implantat lösen und dann einfach rezementiert werden kann ohne das sich die Krone(n) auf den natürlichen Zähnen, die die Matritze tragen, ablösen.

In diesem Sinne dient das Geschiebe auch der Feststellung, ob Überlastung überhaupt vorliegt. Liegt sie nicht vor, löst sich die Brücke nicht. Liegt sie vor, löst sich die Brücke und man kann adäquate Maßnahmen treffen, die die Überlastung verhindert.

Herzliche Grüße

Osswald
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Re: Freiendsituation
Beitrag vom 22.09.2002, 12:26 Uhr

 
Hallo Herr Osswald,
lassen Sie uns bitte diese sehr fachlichen Dinge nicht im Patientenforum diskutieren. Hierzu gibt es eine Reihe von ganz anderen Untersuchungen, deren Erörterungen den Rahmen des Patientenforums sicher sprengen dürfte.
Vielen Dank.
B. Zahedi
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Re: Freiendsituation
Beitrag vom 22.09.2002, 13:15 Uhr

Warum nicht?
Das ist sehr interessant für uns und die verschiedenen Ansätze sind durchaus auch für LaiInnen verständlich!
Gruß
Prof. Freudchen
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Re: Freiendsituation
Beitrag vom 22.09.2002, 13:30 Uhr

Welche denn, Herr Zahedi?

Ich denke, dass es gerade interessant für Patienten ist, die unterschiedlich komplizierten Therapieansätze unterschiedlicher Behandler kennen zu lernen, um eine persönliche Entscheidung treffen zu können.

Dies um so mehr als sich diese Ansätze ja in der Zahl der zur Versorgung als notwendig erachteten Implantate und damit auch in den Kosten ganz erheblich unterscheiden.

Dass es unterschiedliche Ansätze gibt, ist genau so offensichtlich wie es falsch ist zu versuchen, einen einheitlichen therapeutischen Ansatz vorzuspiegeln.


Herzliche Grüße

Osswald
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