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OP schiefgelaufen Beitrag vom 25.04.2009, 10:32 Uhr
von Moke
Fresh Boarder
Am 30. Dezember wurde mir wegen akuter Entzündung ein Backenzahn im Unterkiefer gezogen. Im Februar erstellte der Kieferorthopäde ein dreidimensionales Röntgenbild, auf dem die Extraktionsstellen der Wurzeln noch deutlich zu erkennen waren. Der Arzt empfahl mir für die Implantation einen Termin im April - die OP fand vorgestern statt. Nach über einer Stunde Bohren gab der Arzt schließlich auf, da das Implantat nicht halten wollte. Nun schlägt er mir vor, es nach drei bis sechs Monaten noch einmal "zu versuchen". Meine Fragen: 1) Lässt es sich nicht vorher feststellen, ob genug Knochen vorhanden ist, oder muss das tatsächlich experimentell ausgetestet werden? 2) Ist es tatsächlich so ungewöhnlich, dass sich vier Monate nach der Extraktion noch nicht genug feste Knochenmasse gebildet hat, so dass ein Implantat nicht hält? 3) Wenn ja, wäre es nicht naheliegend, nach den Ursachen dafür zu suchen, z.B. Mineralmangel? 4) Was spricht dafür, dass ich mich dieser Tortur noch einmal aussetzen sollte, d.h. wie groß sind die Chancen, dass es beim nächsten Mal klappt? 5) Welche Kosten kann mir der Arzt in Rechnung stellen?
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Re:OP schiefgelaufen Beitrag vom 25.04.2009, 22:00 Uhr
Guten Tag, wird nach der Zahnentfernung das gesamte Entzündungsgewebe nicht vollständig ausgeräumt, dann findet man oftmals auch Monate später noch die nicht ausgeheilten Knochenfächer, da sich dort einfach nicht schnell genug Knochen bilden konnte, weil der Platz von Bindegewebe eingenommen wurde. Bindegewebe wächst nämlich wesentlich schneller als andere Gewebe und wird deshalb manchmal zum Problem, wenn man nicht im Vorfeld sauber arbeitet. Nach Erstellung eines 3D-Bildes hätte der Arzt tatsächlich in der Lage sein sollen, eine präzise präoperative Aussage über Schwierigkeitsgrad, Aufwand und Knochenstruktur zu geben; wozu wurde sonst das Bild erstellt? Wurde der Knochen denn wenigstens jetzt adäquat aufgebaut, oder hat er einfach wieder zugenäht? So etwas wird ohne Hilfe wahrscheinlich nie ordentlich abheilen, um dort in vier Monaten enen weiteren Eingriff problemlos durchführen zu können. Die Chancen stehen immer gut, dass so etwas funktioniert, wenn man sich dafür den richtigen Fachmann ausgesucht hat. MfG Dr. Kai Zwanzig Spezialist Implantologie
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Re:OP schiefgelaufen Beitrag vom 27.04.2009, 12:07 Uhr
von Moke
Fresh Boarder
Hallo Herr Dr. Zwanzig,
vielen Dank für die ausführliche Antwort, das leuchtet mir natürlich ein!
Es ist wohl so, dass das Loch nach der OP mit einem Kollagenschwämmchen gefüllt wurde, ich nehme an, das dient dem Knochenaufbau? Könnte man sagen, dass die Sache insofern vielleicht sogar einen positiven Effekt hatte, da durch die Bohrung das ganze schwammige Gewebe enfernt wurde?
Meine Schlussfolgerung wäre jetzt, erst einmal sechs Monate zu warten, bis die Wunde zur Ruhe gekommen ist, und dann bei einem anderen Kieferchirurgen ein neues 3D-Bild erstellen zu lassen, richtig?
Vielen Dank und schönen Gruß!
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Re:OP schiefgelaufen Beitrag vom 27.04.2009, 21:42 Uhr
Guten Tag, ob ein Kollagenschwämmchen das richtige Mittel ist, um Knochen aufzubauen, wage ich stark zu bezweifeln; eine nicht resorbierbare Membran zur Abdeckung wäre wohl die bessere Variante gewesen, da sich unter ihr sehr schön neuer Knochen bildet. Das Kollagen dient lediglich dazu, das Blutgerinsel zu stabilisieren und ist sicher besser, als gar nichts zu tun. Sich einen neuen Operateur zu suchen bleibt Ihnen überlassen; ein erfahrer Chirurg hätte aber sicher nicht 45 Minuten ein Loch gebohrt, um dann festzustellen, das man dort gar nicht implantieren kann. Eine neue 3D-Diagnostik halte ich für überflüssig, ausser der Unterkiefernerv ist akut gefährdet. Ansonsten hat ein neues Bild keine therapeutische Konsequenz, sondern kostet nur unnötig Geld. Um die Daten optimal nutzen zu können, müssten sie in ein Planungsprogramm eingebunden werden, was wiederum sehr viel Geld kostet, um anschließend eine Bohrschablone erstellen zu lassen. Das halte ich für ein Einzelzahnimplantat im Unterkiefer für eine zu kostspielige Übertherapie. So etwas lohnt sich nur, wenn mann optimale Verhältnisse sowohl vom Knochen, als auch vom Weichgewebe her hat und das Implantat ohne zu schneiden durch das Zahnfleisch in den Knochen schraubt. Nach der Vorgeschichte zweifle ich diese optimalen Bedingungen an und behaupte, dass sowie so zusätzlich Knochen aufgebaut werden muss. MfG Dr. Kai Zwanzig Spezialist Implantologie
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