Knochenaufbau Beitrag vom 07.09.2010, 19:09 Uhr
Letzte Änderung: 08.09.2010, 11:24 von admin i.com.
Sehr geehrte Damen und Herren,
löst sich das Knochenersatzmaterial vom Rind auf?
MfG Truth
(geändert v. admin)
Department of Oral Maxillofacial Surgery, Ludwig Maximilians University, Munich, Germany.
Abstract BIO-OSS is an allergen-free bone substitute material of bovine origin, used to fill bone defects or to reconstruct ridge configurations. Seventy one patients (39 female, 32 male) received 126 BIO-OSS implantations. Some health parameters or habits were documented to eliminate possible risk factors of influence. The diameter of jaw defects filled with BIO-OSS was measured. There was a significant influence of the defect size on the healing result. In X-ray controls, BIO-OSS served to identify the surrounding native bone. The density of the BIO-OSS areas was higher than in control sites. These radiological results were supported by bone biopsies. Histologically, the permanency of the BIO-OSS was still recognizable after 6 years and longer. The ingrowth of newly formed bone in the BIO-OSS scaffold explained the increased density of the implanted regions. There were no clinical signs of BIO-OSS resorption. Therefore, we can assume that form corrections achieved by BIO-OSS insertions will last.
PMID: 10186966 [PubMed - indexed for MEDLINE]
(geändert admin)
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Re:Knochenaufbau Beitrag vom 07.09.2010, 22:39 Uhr
Hallo Truth
nein, eben nicht! BioOss von der Fa. Geistlich kann als Resorpionsschutz z.B. über eigenem Kochenersatzmaterial dienen, so z.B. beim sog. Sinuslift in der Oberkieferhöhle. Nochmals zur Übersicht: 1.Wahl: immer eigener Knochen als direkte Anlagerung um die Implantate. Entnahmestellen gibt es verschiedene. Fehlt eine Knochenwand, dann wieder eigenen Knochen als Knochenblock als 1.Wahl z.B. mit der Schalentechnik und partikuliertem, eigenem Knochen als Füllmaterial. BioOss würde ich nur zum Volumen auffüllen in der Kieferhöhle und zum Stabilisieren der Aussenwand z.B. nach spreading verwenden. Zum absoluten Aufbau von Knochen ist es nicht geeignet, da man auch nach 6 Monaten nur "Brösel" vorfindet. Knochen wächst höchstens ein, BioOss baut sich nie zu menschlichem Knochen um. Da es praktisch zu verwenden, unbegrenzt verfügbar und leicht in der Anwendung auch ohne spezielles Instrumentarium, wird es gerne verwendet. Wunder vollbringt es keine! Für Knochenblöcke usw. braucht man spezielle chirurgische Instrumente, die auch sehr viel an Investitions- und Fortbildungsaufwand mit sich bringen.
Gruss Dr. Thilo Fechtig
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Re:Knochenaufbau Beitrag vom 08.09.2010, 15:34 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. Fechting,
vielen Dank für Ihre Antwort. Im Übrigen gibt es weltweit sehr viele Ärzte, die sich genauso wie Sie äußern, dass sich das Knochenersatzmaterial vom Rind nicht abbaut.
Der Hersteller teilt allerdings im Patientenaufklärungsbogen folgendes mit:
"Geistlich Bio-Oss® wird dann vom eigenen Knochen durchwachsen und später langsam vom Körper abgebaut..."
Hierbei ergibt sich ein deutlicher Widerspruch bzgl. der wissenschaftlichen Beweise.
Sind Sie auch der Meinung, dass generell Patienten aufgeklärt werden sollten, ob diese einen natürlichen, vitalen, menschlichen Kieferknochen als Ergebnis erhalten oder nur Volumenstabilität und Resorptionsschutz in Form eines nichtauflösbaren/nichtabbaubaren Knochenersatzmaterials vom Rind?
MfG Truth
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Re:Knochenaufbau Beitrag vom 08.09.2010, 17:40 Uhr
Hallo Truth
ja natürlich, bin ich auch der Meinung bzgl. Aufklärung. Eigener Knochen ist das Beste. Aber viele meiner Patienten wählen ohne Bedenken auch BioOss oder gar analogen Spenderknochen lieber, um Ihren Eingriff so klein wie möglich zu halten. Ausserdem ist "später" ein doch recht dehnbarer Begriff, so daß die Fa. Geistlich vielleicht in 20 Jahren doch noch recht hat...?
Gruss Dr.Fechtig
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Re:Knochenaufbau Beitrag vom 08.09.2010, 18:11 Uhr
Hallo Herr Dr. Fechtig, wie beurteilen Sie die Situation eines Patienten, bei dem sich das nichtauflösbare Bio-Oss im Kieferhöhlenlumen ausbreitet, z.B. bei einer Infektion oder eíner Unverträglichkeit vom Bio-Oss? MfG Truth http://www.zwp-online.info/ressources/archiv/pub/gim/sp/2008/sp0708/
sp0708_26_28_edinger.pdfHierzu eine Quelle aus obigen Link von Herrn Dr. Edinger: Insbesondere stellt sich die Frage, wie sich die nicht vorhandene Resorbierbarkeit des Bio-Oss bei einer Wundheilungsstörung auswirkt, wie z. B. bei einer Perforation der Kieferhöhlenschleimhaut mit folgender freier Verteilung von Bio-Oss- Partikeln im Kieferhöhlenlumen.
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Re:Knochenaufbau Beitrag vom 08.09.2010, 20:48 Uhr
Hallo Truth
dann sollte man es natürlich entfernen! Über Fensterung von außen und mittels Spülung. Nur innerhalb von Knochen sollte Knochen sein, auch wenn er vom Rind stammt...
Gruss Thilo Fechtig
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Re:Knochenaufbau Beitrag vom 10.09.2010, 09:41 Uhr
Hallo Herr Dr. Fechtig,
eine Entfernung der Partikel des nichtauflösbaren Rinderknochens im Kieferhöhlenlumen wäre natürlich sinnvoll. Es stellt sich hierbei außerdem die Frage, in welche Bereiche des Körpers die Partikel noch gelangen. Ob alle Partikel beseitigt werden und welche Probleme beim Patienten enstehen können, werden wir hier wohl nicht klären. Dazu kann man jedoch erfahrene Ärzte fragen oder sich in der Literatur ekundigen.
MfG Truth
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Re:Knochenaufbau Beitrag vom 10.09.2010, 10:11 Uhr
Hallo Herr Dr. Fechtig (und natürlich gerne auch andere Ärzte),
die Fa. Geistlich hatte mehr als 20 Jahre Zeit nachzuweisen, dass sich Bio-Oss abbaut, denn so lange existiert das Knochenersatzmaterial auf dem Markt.
Vielleicht wird im Jahre 2030 oder 2050... wissenschaftlich histologisch festgestellt, dass sich ein paar Bio-Oss-Partikel doch noch auflösten.
Es gibt ja noch andere Knochenersatzmaterialien auf dem Markt, z.B. in synthetischer oder allogener (also vom menschlichen Spenderknochen) Form.
Würden diese Knochenersatzmaterialien zu einem vitalen und natürlichen Knochen führen? Konkret: Ein lebender Kieferknochen.
Wie lange beträgt die Zeit bis sich synthetische oder allogene Knochenersatzmaterialien durch Verstoffwechselung abbauen und infolgedessen in lebenden Knochen umwandeln?
MfG Truth
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Re:Knochenaufbau Beitrag vom 10.09.2010, 12:26 Uhr
Hallo Truth, Sie führen hier ein Diskussion, die das Niveau Laie-Patienten sicher schon verlassen hat. Sie werden Ihre persönlichen Gründe haben. BioOss ist ja häufiger mal in der Diskussion. Einerseits aufgrund der Xenogenität, andererseits wird es derart häufig eingesetzt, dass es dadurch grundsätzlich mit typischen Problemen des partikulären Knochenersatzmaterials in Verbindung gebracht wird. Das Problem mit disloziertem partikulärem Material ist unabhängig vom Hersteller/Produkt. Es ist in der Regel bakteriell besiedelt und muss entfernt werden. Jedes andere Material würde in der Kieferhöhle auch nicht resorbiert werden. Ich habe da schon Stunden mit verbracht, ein synthetisches ß-TCP (also nicht Bio-Oss) aus der Kieferhöhle zu entfernen. Es ist übrigens eigentlich immer ein Problem im Frühverlauf: fehlende Membranabsicherung, chirurgische Perforationen oder ein Frühinfekt. Die geringe bis fehlende Resorption des BioOss wird von vielen durchaus als Vorteil eingestuft. Volumen- und Implantatstabilität ohne grundsätzliche Nachteile in der Knochenqualität, der ja voll durchhaut und vital ist, sind durchaus statthafte Argumente. Wenn man die Philosophie hat, dass grundsätzlich nichts Fremdes im Körper verbleiben sollte, kommt man aus der Diskussion um Implantate an sich auch nicht mehr heraus. Gruß B. Zahed
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Re:Knochenaufbau Beitrag vom 10.09.2010, 12:44 Uhr
Hallo Herr Dr. Zahedi,
vielen Dank für Ihre Antwort. Sie argumentieren hier mit bakteriellen Infektionen von Knochenersatzmaterialien.
Meine Fragen bezogen sich jedoch generell auf etwas anderes, und zwar:
1.) Werden synthetische oder allogene Knochenersatzmaterialien vollkommen durch den Stoffwechsel resorbiert (wenn keine Infektion auftreten), so dass lebender und natürlicher Knochen entsteht?
2.) In welcher Zeit haben sich synthetische und allogene Knochenersatzmaterialien abgebaut (ohne Infektion)?
MfG Truth
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Re:Knochenaufbau Beitrag vom 10.09.2010, 12:59 Uhr
Hallo, 1) grundsätzlich wohl, allerdings hängt das auch von der biologischen Aktivität des Knochengewebes ab. Wir sehen z.T. auch noch nach Jahren nicht resorbiertes synthetisches Material im Röntgenbild. 2) die meisten Hersteller gehen zwar von ca. 1 Jahr aus, aber siehe 1). Ich persönlich sehe persistierendes Material als nicht problematisch an, solange sich (drumherum) biologisch (implantologisch) wertiges Knochengewebe gebildet hat. Im Grunde kommt es ja auf die dauerhafte Implantatstabilität an. Das Material ist ja inert. Gruß B. Zahedi
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Re:Knochenaufbau Beitrag vom 10.09.2010, 13:06 Uhr
Hallo Herr Dr. Zahedi,
insofern ergibt sich bzgl. der Resorbierbarkeit bei synthetischen Knochenersatzmaterialien ein klarer Vorteil gegenüber Rinderknochen für die Bildung von lebenden natürlichen Knochen.
Was passiert denn bei allogenen Knochenersatzmaterialien?
MfG Truth
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