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Das "Vollkaskoimplantat": Volltreffer oder Mogelpackung?
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Zurzeit wird mit ganzseitigen Annoncen in der Tagespresse ein "Vollkaskoimplantat" beworben, welches eine Garantie über 10 Jahre bereits inklusive haben soll. Natürlich werden im gleichen Artikel genau die Zahnarztpraxen beworben, die ein solches "Vollkaskoimplantat" im Programm haben. 

Aktuelle Ergänzung 6.3.09: Die Schliessung von Clinical House, hat die Implantat-Abteilung wohl definitiv nicht betroffen.

 

Zurzeit wird mit ganzseitigen Annoncen in der Tagespresse ein "Vollkaskoimplantat" beworben, welches eine Garantie über 10 Jahre bereits inklusive haben soll. Hierdurch würde man -so Clinical House- dem Wunsch der Patienten nach Garantien bei Zahnimplantaten nachkommen, die man erkannt und gemessen(!) habe. Natürlich werden im gleichen Artikel genau die Zahnarztpraxen beworben, die ein solches "Vollkaskoimplantat" im Programm haben. Sehr zur Freude der Praxen, die in der Annonce potentiellen Implantatpatienten ins Gesicht lächeln dürfen, und zum Verdruss derer, die als Praxis nebenan sich mal wieder nur aufs Implantieren konzentriert haben.

Für Patient und Behandler sind weitergehende Garantieleistungen durch den Hersteller natürlich absolut wünschenswert, und eine Initiative dieser Art könnte sicherlich positive Implulse für den Implantatmarkt auslösen.
Der Ansatzpunkt für diese Garantie liegt im Bereich Kostensicherheit, welche durch die Absicherung der bei einem Implantatverlust entstehenden Kosten (über eine Versicherungspolice) erzielt werden soll. Dass Implantate weit mehr als 10 Jahre halten können, steht mittlerweile nicht mehr zur Debatte. Das könnte auch für das beworbene Implantatsystem gelten. Allerdings konnte eine Literaturrecherche keinerlei Studien finden, die dies tatsächlich belegen. Es ist nämlich noch ein recht junges System. Also eine mutige Versicherung, die bei dieser Risikokalkulation eingestiegen ist und im Verlustfall Implantat und Aufbauteile ersetzt, sowie ein gedeckeltes Honorar für die Neuimplantation zur Verfügung stellt. Während viele Implantathersteller im Verlustfall bereits Material kulant ersetzen, ist die Übernahme von Honoraranteilen tatsächlich neu und sicherlich eine Werbebotschaft wert. Aufgrund nicht immer positiver Erfahrungen, was die Seriosität und Nachhaltigkeit von Werbeverbotschaften der Dentalbranche angeht, ist es aber sicherlich geboten, dass implantate.com die selbstbewussten Versprechen dieser Kampagne etwas genauer beleuchtet.

Für Implantologen ist klar:

  • Die ist im Grunde die kritische Phase, was den Implantatverlust angeht. Aber gerade ein solcher Frühverlust ist nicht mitversichert, denn die Versicherung greift erst nach einer von 6 Monaten.

  • Die Kosten der Implantatversorgung werden in den meisten Fällen ganz wesentlich vom aufgesetzten Zahnersatz  ( ) geprägt. Weder die Kosten für die Erneuerung des Zahnersatz (Laborleistung noch Honorar für den Behandler) sind von der Versicherung abgedeckt. Gerade wenn bei einer festsitzenden Brücke durch den Verlust eines Implantats die gesamte Zahnersatzkonstruktion erneuert werden muss, kommt man mit der Erstattung des Implantatmaterials und anteiligen Honorars für die Reimplantation nicht weit. Genau an der Stelle ist man auch, wenn gar nicht das Implantat verloren geht, sondern die Suprakonstruktion erneuerungsbedürftig wird, was viel häufiger der Fall ist.

  • Nach einem Implantatverlust reicht das Knochenlager für eine einfache Reimplantation oftmals nicht aus. Die Implantatbehandlung wird schwieriger, ein Knochenaufbau notwendig. Das Mehrhonorar für erhöhte Schwierigkeit und den (samt Material) sind aber ebenfalls kein Teil der Versicherungsleistung.

Weitere Ausschlüsse und Einschränkungen bei der Versicherungsleistung wollen wir hier gar nicht erst aufgreifen.

Fazit:

Die genannten Garantieleistungen mit dem Begriff "Vollkasko" zu bewerben, muss unter diesen Umständen als stark irreführend eingestuft werden. Was würde wohl das Amt für Verbraucherschutz dazu sagen? Aber sicherlich wäre die korrekte Botschaft "unter Umständen Teilkasko mit hoher Selbstbeteiligung" nicht dazu geeignet, einen wesentlichen Werbeeffekt für das Produkt zu generieren, und darum geht es hier nun mal: lächelnde Praxisinhaber, die durch die Kampagne Patienten in die Praxis gespült bekommen, ein lächelnder Hersteller, der sein Produkt vermarktet hat und ein lächelnder Patient, der glaubt rundum abgesichert zu sein. So schön kann Werbung sein, wenn sie die Initialen DG trägt.


Zur Info: Die Implantatversicherung ist nicht neu. Sie wurde vor einigen Jahren schon einmal (herstellerunabhängig) von einer Versicherung angeboten und war schnell vom Markt verschwunden, als die ersten Schäden beglichen werden mussten.

 

Aktuelle Ergänzung 6.3.09: 

Die über die Ruhrnachrichten verbreitete Information über die Schliessung von Clinical House betrifft nach neuesten Informationen die Implantat-Abteilung nicht.

 

 

Red. implantate.com

 

Letzte Aktualisierung ( Freitag, 6. März 2009 )
 

 
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